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Hamsterkäufe und leere Regale: Angst vor dem dritten Weltkrieg

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Edeka Altena: Marktleiterin Tuna Yakar vor leeren Regalen. Trotzdem sagt sie: „Mittlerweile sind die Kunden entspannter geworden.“
Edeka Altena: Marktleiterin Tuna Yakar vor leeren Regalen. Trotzdem sagt sie: „Mittlerweile sind die Kunden entspannter geworden.“ © Fischer-Bolz, Susanne

Der Ukraine-Krieg weckt bei einigen Bürgern im MK schlechte Erinnerungen und treibt sie zu Hamsterkäufen an. Viele Lebensmittel-Regale sind leer.

Altena/Nachrodt – Zwischen Essen und Ernähren können Welten liegen. Zwischen Vernunft und Angst ebenso. Die Deutschen sind wieder mitten in einer Toilettenpapier-, Mehl-, Öl- und Nudel-Krise. Auch in Altena und Nachrodt. Leere Regale bei Edeka, Netto und Aldi. Der Mehlabsatz hat die Mengen aus der Pandemiezeit nicht nur erreicht, sondern überstiegen. Die Kunden kaufen, was sie kriegen können. Doch die Gründe sind emotional beladener als vor zwei Jahren. „Es ist die Angst vor dem Dritten Weltkrieg“, glaubt Engin Demirözer, Marktleiter beim Edeka in Nachrodt. Vor allem die älteren Menschen sorgen sich, legen Vorräte an.

Alexander Fischbach, stellvertretender Marktleiter im Nachrodter Netto, erkennt noch zwei weitere Kauf-Auslöser: die bevorstehende Vollsperrung in Nachrodt und die Sorge, dass man dann nicht mehr gut zum Laden kommt, und die zahlreichen Spenden-Käufe für die Ukraine. Im Altenaer Aldi, der am Freitag aus allen Nähten platzte, waren prompt für die Stadt Sabine Neubauer und Praktikantin Hannah Proswitz unterwegs, um für die angekommenen Flüchtlinge Starter-Pakete zu kaufen. Mehl war aber nicht dabei. Das gab es auch nicht. Und Babynahrung wurde im Aldi komplett aus dem Sortiment vor Ort genommen, „um schnell Hilfe für die Ukraine leisten zu können.“

Ukraine-Krieg: Bürger im MK beginnen mit Hamsterkäufen

Ein tatsächliches Problem: Die Waren sind nicht nur sofort weg, sie kommen auch nur schleppend wieder in die Läden. „Bei Sonnenblumenöl gibt es aktuell keine verbindlichen Aussagen zur Verfügbarkeit. 70 bis 80 Prozent der Rohware kommt aus den Krisengebieten. Keine Ware verlässt derzeit diese Länder und mit Abverkauf der vorhanden Kontingente wird es nach aktuellem Stand ab Mai keine Ware mehr geben. Schon jetzt kommt es bei allen anderen Ölen (Rapsöl, Olivenöl) zu einer höheren Nachfrage, die nicht mehr ausreichend gedeckt werden kann“, heißt es von Edeka.

Trotzdem hat Tuna Yakar, Marktleiterin beim Edeka in Altena, bis jetzt keine Mengbegrenzung auf Mehl, Öl und Co. angeordnet. „Wir wollen nicht, dass unsere Kassiererinnen angekeift werden“, sagt die 37-Jährige mit Blick auf leidvolle Erfahrungen der Vergangenheit. Doch mittlerweile, so erzählt sie, sind die Kunden entspannter geworden. „Was nicht da ist, ist nicht da.“ Damit auch diejenigen, die erst abends einkaufen können, noch etwas bekommen, wird sie die Strategie wohl bald ändern.

Auch in Lüdenscheid gab es bereits im ersten Pandemie-Jahr immer wieder leere Regale.

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