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Der Ukraine-Krieg und seine Folgen im MK: Preiserhöhung bei Bäckereien

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Von: Johannes Opfermann

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Andrea und Martin Küttner aus der Bäckerei Timmermann in Dahle werden um Preiserhöhungen nicht herum kommen.
Andrea und Martin Küttner aus der Bäckerei Timmermann in Dahle werden um Preiserhöhungen nicht herum kommen. © Bonnekoh, Johannes

Ukraine und Russland Decken zusammen gut 30 Prozent des weltweiten Weizenhandels ab. Durch den Krieg erreicht der Preis aktuell immer neue Höhen. Davon sind auch die heimischen Bäcker betroffen.

Lennetal – „Es wird alles immer teurer“ sagt Andrea Küttner, Inhaberin der Bäckerei Timmermann in Dahle. Nicht nur die Weizenpreise steigen: Auch Speiseöl, Ölsaaten und andere Zutaten würden immer teurer. „Außerdem ist eine Bäckerei natürlich ein energieintensiver Betrieb“, sagt die Geschäftsfrau. Die Öfen in der traditionsreichen Bäckerei in der Dahler Dorfmitte werden mit Strom beziehungsweise Öl geheizt.

Noch wurden die Preise für Brot, Brötchen und Teilchen nicht erhöht – „es bleibt uns aber nichts anderes übrig, als das in absehbarer Zeit zu tun“, meint Küttner und weist auf einen weiteren Aspekt hin: Die Preiserhöhungen beim Weizen treffe die Menschen in Afrika viel härter als uns, weil sie zum einen ein deutlich geringeres Einkommen hätten und zum anderen viel mehr Weizen verbrauchen als ein Durchschnittseuropäer. „Für die wird das schlimm“, sagt die Geschäftsfrau mitfühlend. Es bleibe zu hoffen, dass die Landwirtschaft reagiert und möglichst viel Getreide anbauen.

Preiserhöhungen bei Bäckereien wegen Ukraine-Krieg: Ware bald Luxusprodukt?

Das bekommt auch die Bäckerei Schulte in Ohle zu spüren. „Es macht sich extrem bemerkbar“, sagt Bäckermeister Hansjörg Schubert. „Der Weizenpreis ist doppelt so hoch wie vor ein paar Monaten.“

Zwar hat die Bäckerei vor einiger Zeit einen Kontrakt mit ihrer Mühle geschlossen und einen Festpreis vereinbart, zumindest für ein halbes Jahr. „Aber wohin die Reise geht weiß keiner“, sagt Schubert. „Die Preisspirale dreht sich für alle im Moment.“ Die Entwicklung mache ihn rat- und sprachlos. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir müssen eigentlich wöchentlich die Preise anpassen.“ Die Rohstoffe gingen gerade alle durch die Decke, wie Schubert auch beim Tanken bemerkt, mit Super- und Dieselpreisen deutlich über zwei Euro. „Wo sollen die Leute das hernehmen?“, fragt er.

Auch für Brötchen, Brot und Kuchen müssten Schuberts Kunden künftig tiefer in die Tasche greifen. Acht bis zehn Prozent müsse er wohl auf die Produkte „obendrauf knallen“, schätzt der Bäckermeister, dem diese Entwicklung überhaupt nicht gefällt: „Wenn man von der Grundversorgung zu einem Luxusartikel avanciert, ist das eine krasse Nummer.“ Vor diesem Hintergrund wisse man nicht, was er produzieren soll, wie das Ganze funktionieren soll. „Man muss schwer aufpassen, wie es sich weiter entwickelt“, sagt er.

Höhere Kosten bei Bäckereien: Experten sehen keine Weizen-Alternative

„Die Lage ist so, wie Sie sie überall hören und lesen“, sagt Eberhard Vielhaber von der gleichnamigen Bäckerei aus Sundern-Stockum. 28 Filialen betreibt er, unter anderem in Werdohl. Der Preis für den Weizen habe sich fast verdoppelt. Stand jetzt sei die Verfügbarkeit bis Ende des Jahres gesichert. Aber: „Das kann sich nächste Woche ändern.“ Die Bäckerei kaufe Weizen aus Deutschland ein; Roggen mahlt sie in der eigenen Mühle selbst.

Hafer oder Gerste – Alternativen zum Weizen gebe es nicht. „Weizen ist Weizen.“ Und Russland und Ukraine als mit die größten Lieferanten fielen erstmal raus. Ob andere Länder einspringen, könnten, könne er nicht einschätzen. Ob Weizen etwa aus Kanada durch die langen Transportwege eine Alternative sei, wisse er nicht.

Die derzeitige Situation bekommen Kunden zu spüren. „Es hat eine Preiserhöhung gegeben und wir bereiten eine vor“, sagt er mit Blick auf Backwaren und ergänzt: „Es geht nicht anders. Es ist ja nicht nur der Weizen.“ Rohstoffe und Energiepreise seien massiv gestiegen. Für die Fahrzeuge verwendet Vielhaber Diesel; in der Produktion werde Strom und Gas gebraucht.

Keine Lieferprobleme: Preiserhöhung bei Bäckereien im MK

Mit 22 Filialen ist die Goldbäckerei Grote stark in der Region vertreten – und von der aktuellen Situation ebenfalls betroffen. Der Preis für 100 Kilo Weizen sei in den letzten Monaten von 28 auf gut 56 Euro gestiegen, sagt Geschäftsführer Carl Grote. Immerhin: „Lieferschwierigkeiten gibt es aktuell zum Glück noch nicht.“ Genutzt werde derzeit Weizen von der letzten Ernte.

Sportlich werde es im Herbst, schätzt Grote ein. Denn wenn der Rohstoff aus Russland und Ukraine wegfalle, werde Weizen aus Deutschland gefragter, was sich weiter auf den Preis auswirken dürfte. Gleiches gelte für Zutaten wie Ölsaaten, Kürbis- oder Sonnenblumenkerne – momentan sei noch nichts passiert. Durch die Fachpresse ginge aktuell allerdings, dass es zeitnah auch hier zu einer Preisanpassung kommen werde, so Grote.

Betroffen ist das Balver Unternehmen natürlich auch von den Energiepreisen, die zuletzt stark gestiegen sind. Das Werk in Balve sei in 2019 noch von Öl auf Gas umgestellt worden. „Darüber hatten wir uns eigentlich gefreut.“ Jetzt sei es auch hier spannend, wie es weitergeht. Die Stadtwerke Balve, die die Firma beliefert, habe erklärt, dass private Haushalte bei Engpässen Vorrang hätten.

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