Überstundengeld, ein Kasten Bier und Mettwurst

Die Autoren der „Rammuthe“ konnten noch nicht alle Sänger des Männergesangverein Rosmart identifizieren. Das Foto entstand anno 1911. Wer kann helfen, und kennt einige der Herren?

ALTENA - Wer die zwölfte Ausgabe „De Rammuthe“ zur Hand nimmt, legt die 52-Seiten so schnell nicht aus der Hand. Das vom Rahmeder Heimat- und Bürgerverein aufgelegte Druckwerk besticht erneut durch eine lesenswerte Themenvielfalt aus dem „Tal zwischen Lüdenscheid und Altena“.

Es sind vor allen Dingen die auch drucktechnisch hervorragend wiedergegebenen Bilder, die den Leser in seinen Bann ziehen. Und aus den Worten von Hans Langenbach als Vereinsvorsitzendem klingt mit Recht ein bisschen Stolz durch wenn er im Vorwort feststellt: „(...) Es ist geschafft, das Dutzend Ausgaben ist voll!“.

Von der erst 1949 eingerichteten Haltestelle der legendären KAE in Grünewiese über die – Achtung, Mehrzahl! – „Lebensmittelgeschäfte in Grünewiese!“, öffnet sich das Heft. Namen wie Adolf Hahn und Eliese Dörscheln oder Frau Brandt „bei der es so ziemlich alles gab“ und ihren kleinen und großen Marotten als Kolonialwarenhändlern werden dem Leser vorgestellt. Und noch einmal die KAE: Das Autorenteam fand historische Bilder vom Unfall des Zuges anno 1950, zwei Tage vor Heiligabend. „In gewisser Weise auch eine Bescherung“, erinnert sich ein Zeitzeuge.

In Blaumann und verschmutzter Arbeitskleidung, so „feierte“ man im vorigen Jahrhundert in den örtlichen Firmen die Arbeitsjubiläen. Die Arbeitsplätze der Betroffenen wurden an diesem, ihrem Ehrentag, meist von Kollegen mit Tannen- oder Birkengrün geschmückt.

Breiten Raum nimmt auch in dieser Ausgabe der „Eisenerzbergbau in der Rahmede ein.“ Das Thema beleuchtet Hans Langenbach. Er hatte in seinem Grußwort auch an das erfreulich große Interesse an einer diesbezüglichen Exkursion im vergangenen Jahr erinnert.

Geschichten vom „Hut- und Mantelhakenchor“, dem Werkschor der Firma J. D. Geck aus Grünewiese, dem Männerchor Rosmart, über die Drahtfabrik Friedr. Ardey, die Schützenwiese in Dünnebrett bis hin zu Söhnen und Töchtern der Rahmede in aller Welt – und einem Wildschwein als außergewöhnlichem Haustier: Die Nummer 12 der Rammuthe gehört auf jeden Fall aufgehoben. Übrigens: Die Firma Geck ließ sich die Auftritte und den Spaß am Singen ihrer Mitarbeiter für besondere Firmenanlässe durchaus etwas kosten. So galten dann diese Probeabende schon mal als bezahlte Überstunden und einen Kasten Bier und Mettwürste gab’s auch.

Dass die Bewohner des Tales auch zu Fernseh-Ehren gekommen sind – unsere Zeitung berichtete – das heimatkundliche Heftchen greift es nochmals auf.

Möglich war die Herausgabe der Zeitschrift nur, weil das Autorenteam Zugang zu den Stadtarchiven in Altena und Lüdenscheid und Zugriff auf die Landeskundliche Bibliothek des Kreises hatte. Das erwähnt Hans Langenbach dankbar. „Man muss nicht erst Rentner werden, um die interessanten Aspekte einer mehr als tausendjährigen Ge schichte dieser Region wahrzunehmen.“ Folgerichtig lädt der Heimat- und Bürgerverein auch jüngere Menschen ein, mitzuarbeiten.

Die neue Ausgabe kostet im Einzelverkauf vier Euro und ist bei Tabak Schlippe, Lotto Möginger, der BFT-Tankstelle, in der Stern-Apotheke und Fuchs Wohnkonzept zu erwerben.

von Johannes Bonnekoh

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