Nach Überfall auf Letmather Spielhalle

Altenaer vor Gericht: Mit Sturmhaube und Schlagstock losgezogen

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Der Spielhallenüberfall beschäftigt die Justiz.

Altena - Langeweile tut jungen Leuten nicht gut: Diese Erkenntnis ließ sich mühelos aus einem Strafverfahren gegen einen 18-Jährigen aus Altena ziehen, der mit zwei bisher unbekannten Mittätern am 1. Mai eine Spielhalle an der Untergrüner Straße in Letmathe überfiel.

Die drei Täter waren mit Sturmhauben maskiert und mit je einem Teleskopschlagstock bewaffnet, als sie gegen 22.30 Uhr in die Spielhalle kamen und eine Aufsichtskraft und einen Kunden bedrohten. „Ich habe den Leuten gesagt, dass nichts passiert, dass wir das Geld nehmen und dann wieder verschwinden“, erklärte der Angeklagte, der ein umfassendes Geständnis ablegte.

Er bestätigte dabei auch die vom Betreiber der Spielhalle genannte Beutesumme von 1000 Euro. „960 oder 970 Euro“ seien es gewesen. Nur die Namen seiner Mittäter wollte er trotz eines Angebots zur Strafmilderung nicht nennen. „Es könnte Ihnen sehr zum Vorteil gereichen, wenn Sie die Mittäter benennen“, lockte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz zunächst ohne Erfolg.

Er deutete an, dass die polizeilichen Ermittlungen in dieser Sache noch nicht abgeschlossen sind und möglicherweise ebenfalls Erfolg haben könnten. Was veranlasst einen 18-Jährigen zu einem Raubüberfall? „Wir waren gelangweilt. Wir wussten nicht, was wir machen sollten. Irgendwann kam die Idee in die Runde, sich ein bisschen Geld zu verschaffen“, schilderte der 18-Jährige die Ausgangssituation, als sich die böse Idee auf den Weg machte und sich der Gedanken der drei jungen Männer bemächtigte.

„Dann haben wir uns einen Fahrer besorgt und waren auch schon auf dem Weg dahin.“ Sturmhauben und Schlagstöcke kamen aus dem Altenaer Keller des Angeklagten. Der erwies sich trotz seiner Jugendlichkeit als fähig, die Geschichte durchzuziehen. Von dem erbeuteten Geld gönnten sich die drei Räuber zwei Taxis, um nach Hause zu fahren. Nach dem Überfall zeigte sich der 18-Jährige als stolzer Heranwachsender, der zwar ein Verbrechen, aber immerhin etwas Aufregendes getan hatte.

Ein Bekannter hörte die Prahlerei in einem Bus und ging mit bemerkenswerten Worten zur Wache: „Ich bin hier bei der Polizei erschienen, um einem guten Freund zu helfen“, gab er zu Protokoll. „Ich habe früher auch viel Scheiße gebaut, und ich möchte, dass er da rauskommt.“ Dieser Freundschaftsdienst befreite die Polizei aus zuvor ergebnislosen Ermittlungen und führte zu einer Hausdurchsuchung an der Altenaer Wohnadresse des 18-Jährigen: Die Beamten stellten Sturmhauben und Teleskopschlagstöcke sicher. Der junge Mann landete in Untersuchungshaft.

Aus irgendwelchen Gründen hatte die Kammer auch seinen Vater geladen, der sich allerdings auf sein Zeugnisverweigerungsrecht zurückzog: „Ich möchte nicht aussagen.“ Das Geständnis des 18-Jährigen erspart einer Reihe von Zeugen die Aussage. Die Kammer will allerdings noch die Spielhallenaufsicht und den Spieler vernehmen, denen die Täter am Tatort begegneten. Am 10. Oktober könnten dann schon die Plädoyers und möglicherweise auch das Urteil folgen.

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