Überall trifft sie „ihre“ Kinder

ALTENA ▪ Eine Woche dauerte es: Am 1. April 2004 machte sich Kirsten ten Kate selbstständig mit ihrer Heb ammenpraxis. Am 8. April um 18.10 Uhr begleitete die Altenaerin die Entbindung bei der ersten Kundin.

Ebenso plötzlich kam die erste Praxisgeburt. „Sowas wollten wir eigentlich gar nicht machen. Ich hatte an dem Tag frei. Meine Kollegin rief mich dann aber an und sagte: ‚Komm schnell‘.“ Die werdende Mutter hatte leichte Schmerzen, die sie nicht für Wehen hielt. Jedoch war der Muttermund schon fast komplett geöffnet. Da sagte die Patientin: „Jetzt gehe ich hier auch nicht mehr weg.“ Ten Kate erinnert sich: „Mit dem Glockenschlag um Punkt zwölf war dann Lara da.“ Sie wurde am 23. Juni 2004 geboren: 3300 Gramm, 50 Zentimeter, Kopfumfang 34 Zentimeter.

Ten Kate wurde in Nachrodt geboren. Abgesehen von ihrer dreijährigen Ausbildung in Wuppertal blieb sie dort bis heute. Zunächst arbeitete sie in Kliniken in Altena und Lüdenscheid. „Aber der Schichtdienst war nicht meine Erfüllung.“ Es störte sie, dass sie Mütter abgeben musste, wenn etwa um 14 Uhr Feierabend und eine Stunde später eine Entbindung war.

Dann saß sie an einem Morgen im Oktober 2003 mit ihrem Mann Roelof, selbst Gynäkologe, am Frühstückstisch und ihr kam der entscheidende Gedanke. Bei Weiterbildungen hatte die heute 41-Jährige Hebammen kennen gelernt, die als „Einezlkämpferinnen“ eigene Praxen unterhielten. „Und plötzlich dachte ich, das kann man auch mit mehreren machen.“

Schnell fand sie zwei Mitstreiterinnen. Es folgte ein Großeinkauf in einem schwedischen Möbelhaus. „Viel brauchten wir ja nicht. Eine Kaffeemaschine für die Väter, mehr nicht.“ Die Selbstständigkeit war „ein Sprung ins kalte Wasser.“ Doch auch ohne Werbung kamen die Kundinnen von selbst. „Solche Praxen waren damals noch eine Rarität.“

Heute arbeiten in der Heb ammenpraxis in der Fußgängerzone neben ten Kate fünf weitere Frauen. 120 Geburten betreuen sie pro Jahr – seit der Eröffnung haben sie insgesamt gut 700 Kinder zur Welt gebracht, rund zehn pro Jahr in der Praxis, die anderen in der Berglandklinik oder im Bethanien.

„Eine Kirsten war noch nicht dabei“, sagt ten Kate. Aber dankbar seien viele Patientinnen doch spürbar. Besonders wohl diejenige, bei deren Geburt ten Kate am Telefon assistierte. „Es ging alles ganz schnell. 20 Minuten war ich mit dem Auto unterwegs. Ich war gerade in Höhe des Kinos, da war das Kind schon geboren. Als ich bei den Eltern ankam, war der Vater ganz außer sich“, erinnert sich die Hebamme.

„Wenn wir durch Altena gehen, treffen wir überall ‚unsere‘ Kinder“, sagt ten Kate und lacht. Sie hat den Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut: „Ich wollte nichts anderes machen.“

Ihre beiden Töchter „sind selbst halbe Hebammen, soviel haben sie von mir mitgekriegt“. Doch Paula (11) und Luka (15) wollen keine He-bammen werden. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, meine Enkel selbst zu entbinden“, grübelt ten Kate.

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