Über Kindergärten bestimmt nicht die Politik

Es gibt in Altena zu wenig Kinder. Das hat Auswirkungen auf die Kindergartenplanung. ▪ (Symbolbild)

ALTENA ▪ Wer macht in Altena eigentlich die Politik? Diese Frage versuchte Ulrich Biroth in einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses zu thematisieren – und stand damit allein auf weiter Flur.

Von der dann doch noch abgewendeten Schließung des Kindergartens auf dem Nettenscheid und den Zusammenschluss der Zwergenburg mit dem Kindergarten Freiheit erfuhr der Ratsherr der sozialen und demokratischen Alternative aus der Zeitung, Verwaltung und Träger hatten sie miteinander ausgehandelt. Das, so Biroth, sei ein Eingriff in die Rechte des Jugendhilfeausschusses, zu dessen Aufgabe schließlich die Kindergartenbedarfsplanung gehöre.

„Wir sind von den

Trägern abhängig“

Dr. Rita Rüth von den Grünen sagte, dass sie das zunächst auch so gesehen habe, dann aber von der Realität eingeholt worden sei: „Wir sind von den Trägern abhängig“. Das betonte auch der zuständige Fachbereichsleiter Wolfgang Friess: „Sie können natürlich beschließen, dass der Kindergarten auf dem Nettenscheid bleiben soll, sagte er. „Nur müssen sie dafür dann auch einen Träger finden“. Fakt sei nämlich, dass sich Johanniter, Kirchen und andere Organisationen einen Kindergarten nur dann leisten könnten, wenn sie finanziell einigermaßen über die Runden kämen. Werde eine bestimmte Kinderzahl unterschritten, „dann zahlen die richtig drauf“.

Biroth machte deutlich, dass er es vor allem mit Blick auf den Nettenscheid für erforderlich hält, dass die Politik ihr Planungsrecht auch ausübt: Es sei wichtig, dass der Kindergarten dort auf Dauer bleibe. Schließlich bilde er zusammen mit der Jugendbegegnungsstätte („die würde dann ja wohl auch bald geschlossen“) die einzige Infrastruktur dieses Stadtteils. Wenn man die dortigen Grundstücke an junge Familien verkaufen wolle, sei es absolut kontraproduktiv, die Zukunft des Kindergartens nicht dauerhaft zu sichern. Dr. Rüth setzt hier auf das Prinzip Hoffnung – vielleicht spreche sich ja in den anderen Stadtteilen herum, welche gute Arbeit dort geleistet werde.

Noch 377 Plätze

Formal ging es gestern darum, den Bedarf für das kommende Kindergartenjahr festzuschreiben. Nach der bevorstehenden Zusammenlegung von Freiheit und Zwergenburg fällt eine Kindergartengruppe weg, die Zahl der Regelplätze in den dann noch elf Altenaer Kindergärten sinkt von 404 auf 377. Hinzu kommen 67 Plätze für die U3-Betreuung. Gegen die Stimme von Biroth legte der Ausschuss fest, wie sich diese Plätze auf die einzelnen Kindergärten verteilen. Nächste Woche beginnt das Anmeldeverfahren. Wenn das abgeschlossen sei und konkrete Zahlen vorlägen, werde noch ein „Feinabgleich“ vorgenommen, sicherte Friess dem Ausschuss zu. ▪ ben.-

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare