Hoffnung liegt auf 2022

Trotz Schützenfest-Absage an diesem Wochenende: „Wir lassen uns nicht unterkriegen“

Freitagmorgen im Bungern: In aller Frühe treten die Kompanien auf dem FWG-eigenen Platz hinter der Stadtbücherei an, wo Hauptmann Klaus Hesse sie auf das Königsschießen einstimmt.
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Freitagmorgen im Bungern: In aller Frühe treten die Kompanien auf dem FWG-eigenen Platz hinter der Stadtbücherei an, wo Hauptmann Klaus Hesse sie auf das Königsschießen einstimmt.

„Am wichtigsten Tag des Altenaer Schützenfestes würde ich um 4 Uhr aufstehen“: Hauptmann Klaus Hesse von der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft erinnert sich an die vergangenen Jahre. Er zählt schon die Tage bis zum nächsten Schützenfest, denn das ist inzwischen terminiert.

Altena – Schon vor einem Jahr, im Sommer 2020, zog die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft die Notbremse und sagte das Schützenfest 2021 ab – eine richtige Entscheidung, wie Hauptmann Klaus Hesse im Interview noch einmal bestätigt.

Heute ist Freitag, 4. Juni 2021. Wie würden Sie diesen Tag verbringen, wenn nicht Corona wäre?
Am wichtigsten Tag des Altenaer Schützenfestes würde ich um 4 Uhr aufstehen und mich eine Stunde später mit den Vorstandsfreunden der Rahmede zum Frühstück bei unserem Kompanieführer einfinden. Dieses Frühstück ist eine schöne Tradition und stellt so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm dar. Anschließend würde ich zum Antreten der Rahmede gehen, wobei ich die Ehre habe, zusammen mit den Ehrenscheffen der Kompanie, abgeholt zu werden. Kurz nach 7 Uhr wäre ich zusammen mit den Rahmeder Schützen auf unserem Bungernplatz einmarschiert.
Da wird es dann langsam ernst...
Ja. Sobald alle Kompanien dort eingetroffen sind, ruft der Gesellschaftsspieß Dirk Himmelmann die Schützen zur Ordnung, was traditionell ganz schön laut sein kann. Gemäß der Festordnung würde ich darauf an die Verstorbenen der letzten Jahre erinnern, um im Anschluss die Pott-Jost-Medaillen für langjährige Mitgliedschaft zu verleihen. Vom Bungern aus marschieren dann alle Kompanien ins Schützenzelt und von dort aus nach der Schießordnung zugweise zum Adlerschießen in die Freiheit.
Die Erfahrung zeigt, dass das mehrere Stunden dauern kann.
Wenn alle Züge geschossen haben und der Adler nicht gefallen sein sollte, würde ich zusammen mit dem Vorstand zum Schießstand marschieren und so lange Schießen lassen, bis wir einen neuen Schützenkönig haben. Aus der Erfahrung des letzten Schützenfestes kann das auch schon mal länger dauern. Zwischen 14 und 16.30 Uhr würde ich den neuen König proklamieren und anschließend für zwei bis drei Stunden nach Hause fahren, um mich auszuruhen.
Da waren Sie dann ja schon zehn bis zwölf Stunden auf den Beinen.
Na ja, es geht ja noch weiter. Um ca. 19.30 Uhr wäre ich wieder in unserm Zelt, um den Einmarsch und die Proklamation der neuen Schützenkönigin durchzuführen. Im Anschluss daran käme für mich der eigentlich schönste Teil des Schützenfestes. Ich würde mit Freunden und Bekannten, die ich teilweise Jahre nicht gesehen habe, zusammen an der Theke stehen, Spaß haben, und leckeren Gerstensaft vom Fass trinken.
Und jetzt ist alles anders. Das Fest wurde schon sehr frühzeitig abgesagt, auch eine dann angedachte, kleinere „Ersatzveranstaltung“ kann nicht stattfinden. Wie geht es Ihnen damit?
Rückblickend betrachtet war es die richtige Entscheidung, das Schützenfest 2021 um ein Jahr zu verlegen. Uns allen war bereits letzten Sommer klar, dass wir in 2021 kein Schützenfest feiern würden, wie wir das alle kennen und lieben. Länger abzuwarten hätte aufgrund der abzuschließenden Verträge und der bereits zu Beginn des Jahres anstehenden Kränzebinderzeit keinen Sinn gemacht. Allerdings gebe ich gerne zu, dass sowohl die Empfehlung zur Absage des Schützenfestes 2021 als auch die Absage der kleinen Ersatzveranstaltung für den gesamten Geschäftsführenden Vorstand eine Enttäuschung darstellte.
Aber es gab wohl keine Alternative?
Vorrang hat auf jeden Fall die Gesundheit unserer Schützen und der Gäste unserer Feste. Es kann nicht sein, dass eine Schützengesellschaft, die aus der Tradition heraus die Bürger einer Stadt vor Schaden bewahren soll, durch eine Veranstaltung für die Verbreitung einer Infektion verantwortlich ist.
Welche Reaktionen aus den Reihen der Schützen nehmen Sie wahr?
Ich bin stolz auf die Schützen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. Es waren ja unpopuläre Entscheidungen, die wir bereits früh getroffen haben. Bis auf einige wenige wurden die Sorgen um die Durchführbarkeit von Veranstaltungen geteilt. Wir haben große und nicht selbstverständliche Zustimmung erfahren. Das Verständnis in der Bevölkerung war und ist groß. Aber eines ist natürlich auch klar, die Altenaer und wir alle wollen und werden wieder zusammen Schützenfest feiern.
Grünkohlessen als Lieferdienst, digitaler Tanz in den Mai : Die Schützen haben sich viel einfallen lassen, um den Kontakt nicht abbrechen zu lassen. Was hat Sie persönlich besonders beeindruckt?
Die Schützen und Vorstandsmitglieder in den jeweiligen Kompanien lassen sich nicht unterkriegen. Das ist eine Erkenntnis aus den letzten Monaten. Es war für mich besonders beeindruckend, mit welchem Ideenreichtum und Enthusiasmus all das durchgeführt wurde. Jung und Alt haben gemeinsam an einem Strang gezogen und durch diese neuen, andersartigen Events Werbung für die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft in schwierigen Zeiten gemacht.
Das Fest hat ja auch eine finanzielle Seite. Spart die FWG eigentlich durch die Absage oder entgehen ihr jetzt Einnahmen?
Weder noch. Das Geld wird lediglich ein Jahr später ausgegeben. Allerdings möchte ich hinzufügen, dass das Schützenfest in Altena allein durch die Mitgliedsbeiträge nicht finanzierbar wäre. Wir sind auf die Spenden vieler Firmen und privater Gönner angewiesen.
Haben Sie Kontakt zu Festwirt Kühling und zum Schausteller August Schneider? Wie geht es denen, nachdem sie seit mehr als einem Jahr nicht mehr arbeiten dürfen?
Die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft hält engen Kontakt zum Zeltwirt Kühling. Wir waren sogar mit einer kleinen Abordnung in Vechta, um uns über die Situation zu informieren. Aus unserer Sicht geht es der Firma Kühling den Umständen entsprechend gut. Wir haben hier gottlob seit Jahren einen starken Partner. Gleiches gilt für Schausteller August Schneider, mit dem wir ebenfalls in telefonischem Kontakt stehen.
Ein Schützenfest wie das in Altena erfordert erhebliche Vorbereitungen. Sind Sie angesichts der Riesen-Investition, die gerade in Ihrer Firma läuft, vielleicht insgeheim auch ein bisschen dankbar dafür, dass Sie dafür jetzt mehr Zeit haben?
Die Organisation des Schützenfestes der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft ruht auf vielen ehrenamtlichen Schultern. Sie ist eine Teamleistung. Die Aufgaben sind seit Jahrzehnten gut verteilt. Wer in der Vorbereitungszeit bei den Vorstandssitzungen dabei ist, weiß, dass es sehr viele Kommissionen gibt, auf die sich die Gesellschaft verlassen kann. Sie alle drehen an den verschiedenen Stellschrauben und Rädern, sodass wir Altenaer immer ein tolles Schützenfest feiern können. Darüber hinaus bin ich darauf stolz, dass wir einen traditionell gut besetzten Geschäftsführenden Vorstand haben. Viele Arbeiten werden dort von den einzelnen Mitgliedern im Stillen einfach erledigt, ohne dass darüber viel gesprochen wird. Ich kann daher sagen, ich hätte gerne in 2021 Schützenfest gefeiert.
Wann findet eigentlich das nächste Schützenfest statt?
Sofern Großveranstaltungen wieder möglich sind und die Obrigkeit uns die erforderlichen Genehmigungen gibt, beginnt das Schützenfest der Altenaer Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft in 377 Tagen. Am Donnerstag, den 16. Juni 2022, um 18.15 Uhr werden die Schützen dann bei den Stadtwerken Altena zu ihrem ersten Festzug antreten.

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