Klimawandel und Schädlinge: So kämpft sich der Wald zurück

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Abgeholzt: 6000 Festmeter werden oberhalb des Knerlings gefällt.

Altena – Klimawandel und Schädlinge setzten den Wäldern massiv zu. Doch an manchen Stellen kämpft er sich zurück, wenn man ihn lässt. Das hängt von vielen Faktoren ab.

Schon nach dem Jahrhundertsturm Kyrill 2007 standen einige Waldbesitzer vor der Frage, ob sie die verlorenen Bäume wieder aufforsten oder stattdessen die Fläche brach liegen lassen sollen. 

Seitdem sind mehr als zehn Jahre vergangen, die Frage hat aber an Aktualität nichts verloren. Denn Trockenheit und Borkenkäferbefall ziehen heute viele Waldflächen in Mitleidenschaft. In der Nähe von Gut Sassenscheid, oberhalb des Knerlings, wird wegen der Schädlinge ein kompletter Hang abgeholzt. 3000 Festmeter wurden schon entfernt, weitere 3000 sollen folgen. 

Revierförster Christof Schäfer erklärt, was passiert, wenn eine gerodete Fläche wie diese brach liegen bleibt. Allerdings variiert das je nach Wald. Vereinfacht gesagt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Fläche wuchert mit Brombeeren und Farn zu, oder aber es findet eine natürliche Verjüngung statt. 

Kümmern sich um den Wald: die beiden Förster  Christof Schäfer (r.) und Max Siostrzonek.

Das bedeutet, dass Samen, die ein Baum kurz vor dem Ende seines Lebens abgeworfen hat, zu keimen beginnen und so neue Bäume wachsen. „In der Regel sind es vor allem Birken und Ebereschen, die in den Wäldern wachsen, ohne dass sie vorher von Menschenhand gepflanzt worden sind“, erklärt Schäfer. 

Ebenfalls von allein wachsen in manchen Fällen Lärchen. Schäfer weiß von einem Fall in Opperhusen, wo ein Bestand nahezu vollständig Kyrill zum Opfer fiel. Nur zehn Lärchen ließ der Sturm stehen.

Inzwischen ist durch die Naturverjüngung die Fläche von etwa 20 Hektar wieder bewaldet. „Die Bäume gab es für den Waldbesitzer quasi zum Nulltarif“, sagt Schäfer. Allerdings ist das der Optimalfall, der nicht immer eintritt. Ob sich der Wald von selbst zurückkämpft, hängt zum Beispiel davon ab, ob Rehe durch Verbiss große Schäden anrichten. 

Zudem sei auch die richtige Pflege des Waldes bei einer Naturverjüngung wichtig. Lärchen sind wirtschaftlich gut als Bauholz nutzbar: „Im Gegensatz zur Fichte“, erklärt Schäfer, „hat die Lärche zudem den Vorteil, dass sie länger im Wald lagern kann, ohne zu verrotten. Wenn Fichtenholz sechs Monate liegt, ist es meist kaputt und taugt nur noch zur Verwendung in Pressspanplatten. 

Lärche dagegen kann problemlos ein Jahr oder länger liegen.“ Birken und Ebererschen sind wirtschaftlich nur bedingt nutzbar, Birkenholz hauptsächlich als Brennholz. 

Zarte Pflänzchen: Hier wachsen kleine Fichten nach - ganz von selbst.

Die Situation in den Wäldern beschreibt der Förster als katastrophal. Schäfer kann verstehen, dass die Entscheidung für eine Investition manchem Waldbesitzer schwer fällt. „Man muss überlegen: Die Menschen haben rund 80 Jahre darauf gewartet, dass die Bäume vollständig ausgewachsen sind. Und nun kommt der Borkenkäfer – und der gewünschte finanzielle Ertrag ist weg.“ 

Häufig müsse draufgezahlt werden. Der Förster rät trotzdem, Waldflächen nicht zuwuchern zu lassen. Innerhalb von drei Jahren müsse eine Aufforstung stattfinden, falls sich der Wald nicht allein zurückkämpft. 

Ausprobieren könne man die Naturverjüngung aber allemal: In Zeiten, in denen durch die große Nachfrage kaum Setzlinge zu bekommen sind, sei es umso besser, wenn weniger Bäume gepflanzt werden müssen. 

Auch beim Wiederaufforsten brauche es Experimentierfreude, denn jede Baumart hat verschiede Ansprüche an Klima und Boden. So wachsen manche Arten schneller als andere, wurzeln dafür aber nicht so tief. Bäume mit tiefen Wurzeln sind aber weniger anfällig für Sturmschäden. Zudem kommen sie besser in tief liegende, wasserführende Erdschichten.

Erste Sprösslinge: Nach dem Orkan Kyrill 2007 war es der Fingerhut, der bereits im Sommer 2009 wieder auf den verwüsteten Flächen aus dem Boden kam

Klimawandel und Borkenkäfer stellen auch Förster vor neue, große Herausforderungen. Das Forstamt hat deshalb mehrere Förster angestellt, die bei der Bewältigung der Aufgaben, besonders im Zusammenhang mit Käferholz, unterstützen. Christof Schäfer ist seit dieser Woche gemeinsam mit seinem Kollegen Max Siostrzonek unterwegs, der auch in Iserlohn eingesetzt ist.

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