In der Trauer gibt es kein Richtig und kein Falsch

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Andreas Wippermann gestaltete den Vormittag musikalisch mit Improvisationen.

Altena - Der Ehemann ist nach langer Krankheit gestorben und die Witwe startet direkt am nächsten Tag eine große Aufräumaktion. Ihre Tochter ist damit nicht einverstanden und möchte lieber noch einmal im vertrauten Umfeld des Sterbebetts verweilen. Wer hat in dieser Situation Recht? „Beide!“ war am Samstag Konsens im Trauercafé Momo. Denn Trauer ist ein durchweg individueller Prozess, der von jedem Menschen anders durchlebt wird.

Viele Trauernde erleben auch das Naserümpfen ihres Umfelds, wenn sie sich nicht „regelkonform“ verhalten. Darf ein Vater von zwei kleinen Kindern direkt nach dem Tod der Mutter gleich wieder mit lustigen Familienunternehmungen anfangen? „Ja, das kann er. Auch Trauernde können ihre Freizeit wieder aktiv gestalten. Erst recht, wenn es während einer langen Krankheitsphase überhaupt keine Gelegenheit mehr gab, mit den Kindern etwas zu unternehmen.“

Sabine Kemper sammelte Begriffe, die die Teilnehmer mit Trauer verbanden.

Die Trauerbegleiter und auch die Trauernden im Café Momo haben festgestellt, dass Menschen nach einem Verlust anders beäugt werden. Manche Handlungen oder Verhaltensweisen werden vom Umfeld nicht verstanden. Einige Trauernde wünschen sich Ruhe anstatt einen Schwall von Beileidsbekundungen, andere fragen sich, warum ihnen Beistand verwehrt bleibt, weil Nachbarn und Freunde sich nicht zu ihnen trauen. „Sowohl für den Menschen, der den Verlust erlitten hat, wie auch die Außenstehenden ist eine Ausnahmesituation eingetreten, für die es keine Patentrezepte gibt“, wissen die Trauerbegleiter.

Viele Gäste arbeiteten mit

Mit ihren Gästen erarbeiteten sie am Samstag Empfindungen, die mit Trauer verbunden werden. Darunter fielen auch Begriffe wie Wut und Unsicherheit - „all das sind menschliche Reaktionen.“ Wer Gesprächsbedarf hat, sollte sich nicht scheuen, das Trauercafé aufzusuchen. Alle 14 Tage ist es im Luthercafé geöffnet. Ausgebildete Menschen stehen bereit, um zuzuhören, zu bestärken und zu ermutigen. Trauer, das betont das Team, hat nicht zwangsläufig mit Tod zu tun. Auch die zerbrochene Partnerschaft, der Verlust von Gesundheit oder Arbeitsplatz oder ganz andere traurig stimmende Themen können hier in offener Gesprächsatmosphäre angesprochen werden. Dazu wird eine Tasse Kaffee gereicht und belegte Brötchen stehen auch bereit. Das Angebot ist komplett kostenfrei. Wer mag, kann einen Obolus in die Spendenbox geben.

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