Toom-Markt: Politik in der Zwickmühle

März 2002: Die Altenaer stürmen den neuen Globus-Markt – zuvor hatte es zwei Jahre lang keinen echten Lebensmittelmarkt in der Stadt gegeben. Eine solche Situation wolle er nicht noch einmal erleben, sagte der Bürgermeister im Rat

ALTENA -  Muss der Rat alles tun, um den Toom-Markt zu schützen? Kann er das überhaupt? Und was passiert, wenn seine Bemühungen nichts fruchten? Die Altenaer Kommunalpolitik steht vor einer schwierigen Entscheidung. Das wurde am Montag im Rat einmal mehr deutlich.

Dort ging es um das Nahversorgungszentrum Rahmede. „Dessen Auswirkung auf das Stapelcenter kann existenzgefährdend sein“, fasste Stadtplaner Roland Balkenhol eine wesentliche Aussage eines Gutachtens zusammen. Damit rief er Wolfgang Wilbers (SPD) auf den Plan: „Es darf nicht passieren, dass außerhalb etwas gebaut wird und dann bei Toom ein Leerstand entsteht“, sagte er.

Das weckt Erinnerungen an das Jahr 1999: Damals schloss Allkauf, damaliger Hauptmieter des Stapelcenters, seine Pforten. Zwei Jahre lang lag die 6 000 Quadratmeter große Fläche leer, bis endlich ein Globus-Warenhaus eröffnet wurde. In dieser Zeit gab es in Altena außer den Discountern kein einziges Lebensmittelgeschäft – „so etwas möchte ich nicht noch ‘mal erleben“, gab der Bürgermeister im Rat zu Protokoll.

Nur: Garantieren kann das keiner. Aus Globus wurde drei Jahre nach der Neueröffnung Toom, Toom gehört zur Rewe-Gruppe – und die hat schon im vergangenen Jahr eine große Offensive zur Umstrukturierung ihrer Märkte gestartet. Ob und wie die auch in Altena umgesetzt wird, steht in den Sternen, weil es zurzeit keinen richtigen Eigentümer der Immobilie gibt. Das Stapelcenter gehörte zuletzt einer niederländischen Investorengruppe, die aber in Konkurs ging. Ansprechpartner der Verwaltung seien seither der Insolvenzverwalter und ein „Kurator“, informierte Hollstein.

„Es weiß also keiner, was die Firma Rewe macht und wie es mit der Immobilie weitergeht“, fasste der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Scholz den derzeitigen Sachstand zusammen. Natürlich sei eine innenstadtnahe Versorgung wünschenswert, die Politik werde aber keine Garantien für den Fortbestand des Rewe-Marktes bekommen. Vor diesem Hintergrund mache die Neuansiedlung eines zweiten Marktes Sinn: Ein Investor werde nur dann tätig, wenn vorher ein langfristiger Mietvertrag geschlossen werde – „wir wären dann 20 Jahre lang auf der sicheren Seite“, sagte Scholz.

Der CDU-Sprecher beschwor auch die Gefahr, dass sich das Imra-Gelände so entwickeln könne wie der Schwarzenstein – ein Einwand, der dann wieder Wilbers auf den Plan rief: „Ein zerbröselndes Stapelcenter wäre viel fataler als eine zerbröselnde Imra“, sagte er. Oliver Held von den Grünen bekannte, dass die Immobilie am Bungern ihm Kopfschmerzen bereite. Er nannte sie „städtebauliche Großsünde“, die Stadt müsse jetzt irgendwie mit den Gegebenheiten umgehen. „Für uns muss das Zentrum an erster Stelle stehen“, sagte er. Deshalb müsse auch Investoren, die sich im Stapelcenter engagieren wollen, der Weg geebnet werden. „Unsere Situation wird bestimmt nicht einfach, wenn Toom uns den Rücken zudreht“, sagte er. Scholz wandte ein, dass Konzerne wie Rewe solche Standortentscheidungen „ganz sicher nicht mit dem Rat diskutieren werden“. Damit habe die Politik einen sehr begrenzten Einfluss auf die Zukunft des Marktes. Scholz schlug vor, jetzt zunächst einmal die Entscheidung der Kräling-Gruppe abzuwarten. Schließlich müsse geklärt werden, ob die das Nahversorgungszentrum in der Rahmede auch in der von der Bezirksregierung verlangten abgespeckten Form errichten wolle.

Die Kräling-Gruppe hat übrigens auch jenes Kaufkraft-Gutachten bezahlt, das bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielt – absolut nichts Ungewöhnliches, wie Balkenhol im Rat betonte. Erschlossen werde die Fläche in der Rahmede – wenn überhaupt – im Rahmen eines Vorhaben- und Erschließungsplans. Der regele, dass der Investor alle Kosten übernehme, also auch die für das Gutachten. „Wer es erstellt , haben wir festgelegt“, stellte Balkenhol klar. An der Objektivität der Expertise gebe es keinen Zweifel.

von Thomas Bender

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