Wut, Trauer und wenig Verständnis am letzten Tag im Toom

Samstag waren die Regale mit Kühlprodukten gut geplündert. Viele Kunden hatten Hamsterkäufe gemacht.

ALTENA -  „Wütend und traurig“ – ist die Antwort der Toom-Belegschaft auf die Frage, wie Kunden den letzten Öffnungstag empfunden haben. „Das gleiche gilt auch für uns Mitarbeiter. Warum hier geschlossen wird, verstehen wir selber nicht...“

Die Kollegin wartet auf die letzte Obst- und Gemüselieferung, die die Altenaer Filiale je erreichen wird. In der Frischwursttheke herrscht schon gähnende Leere. Dr. Michael Podworny versucht es trotzdem und bestellt Fleischwurst. „Bitte bedienen Sie sich im SB-Bereich“, erklärt die Mitarbeiterin mit Bedauern. Ihr Sortiment ist nicht mehr nachbeliefert worden. Der Kunde folgt dem Rat und sucht in der beschränkten Auswahl eingeschweißter Ware nach seinem Produkt. „Als Kind war ich mal in der DDR. Da haben die Läden auch so ausgesehen...“ Der dreifache Familienvater und seine Frau Britta werden als Berufspendler wohl weiterhin einen Vollsortimenter aufsuchen. „Unsere Kaufkraft wird Altena verloren gehen, wir haben keine Zeit für Einkäufe in fünf verschiedenen Läden.“ Politisch, so ist Podworny sicher, wäre die Schließung zu verhindern gewesen. „Ich kann die Geschäftleitung verstehen, wenn sie sich zurückzieht in Anbetracht des angekündigten Konkurrenzbaus in der Rahmede. Schade ist das für die Bürger, vor allem die, die den Markt hier fußläufig genutzt haben.“

Zu denen gehört auch Gerda Sawinski, die noch ein paar letzte Waren in der Einkaufsablage ihres Rollators verstaut. Wohnhaft in einer der seniorengerechten Baugesellschaftswohnungen in der Innenstadt hat sie den kurzen Weg zum Nahversorger stets geschätzt. „Ich bin mit meinen fast 80 Jahren noch recht gut mobil. Bislang war’s kein Problem, mal schnell eine Tüte Milch nachzukaufen, aber jetzt muss ich besser planen. Für Aldi und Lidl prognostiziere ich demnächst einen Verkehrsstau: Da wird sich Rollator an Rollator reihen...“

Froh und dankbar sind auch Gisela und Klaus Plarre über ihre Mobilität: „Als Buchholzer brauchen wir eh ein Auto zum Einkaufen und können auch nach Werdohl fahren. Der Toom war aber super. Zwei, drei mal die Woche waren wir hier, sind nur für Kleinigkeiten mal zu Fuß in die Stadt gegangen. Hoffentlich kommt was Neues!“ sagen die Altenaer, die viel Hoffnung in die laufende Tiefgaragensanierung setzen. Marie-Luise Scholl packt derweil ihr letztes Siegerbäcker-Brot aus der Vorkassenfiliale von Vielhaber ein. „Traurig bin ich. Vor allem für die Leute, die in den bestehenden und geplanten Wohnungen der Berg-Stiftung leben und einziehen wollen. Die haben doch auf Toom gesetzt!“ Marie-Luise Scholl richtet das Wort noch an Karen Maier und Wilma Werhahn: „Wo finde ich Sie denn jetzt?“ Die beiden Bäckerei-Verkäuferinnen werden in Filialen nach Werdohl und Hagen versetzt, zwei weitere Kolleginnen werden in Lüdenscheid anzutreffen sein. Ihre Schicht am neuen Standort beginnt Montag, die Toom-Belegschaft findet sich erst in anderen Filialen wieder, wenn der Laden geräumt ist. „Wo ich lande weiß ich noch nicht“, erklärt die Mitarbeiterin, die auf die letzte Gemüselieferung wartet. Und wie lange sie und ihre Kollegen in Altena ausräumen müssen, auch nicht. Nur eins: „Hier wird ein super Team auseinander gerissen. Verstehen kann das keiner!“

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