Lin Chen brilliert in der Burg Holtzbrinck am Piano

+
Die junge Pianistin erntete in der Burg Holtzbrinck Begeisterungsrufe aus dem Publikum.

Altena - Begeisterungsrufe „verdiente“ sich am Sonntag, 17. August, in der Burg Holtzbrinck die aus Tianjin/China stammende Pianistin Lin Chen mit Chopins Préludes, die als Höhepunkt seines Schaffens gelten. Im Rahmen der Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ brillierte die junge Interpretin, zu Recht als „Global Player“ angekündigt, mit einer vielschichtigen, spannungsreichen Interpretation des epochalen Werks.

Der späten Schubert Sonate c-Moll D 958, im Todesjahr des Komponisten entstanden, ließ sie mit den Préludes einen atemberaubenden Vortrag folgen, der einem kühnen Parforceritt durch die Welt der Gefühle, Stimmungen, Harmonien und Stilmittel glich. Als Zugabe gönnte die junge Chinesin, die bereits auf zahlreiche Solo-Auftritte in bekannten Konzertsälen und Konzerte mit namhaften Orchestern verweisen kann, ihren begeisterten Zuhörern eine weitere Kostprobe der Chopin’schen Klavierkunst – diesmal mit einer Etüde.

Von der erlesenen Tonkultur, die die Darbietungen der international hoch dekorierten Pianistin auszeichnete, zeugte bereits die Schubert Sonate, deren Auftakt an Beethovens „Pathétique“ erinnerte.

Schon mit den ersten beiden Takten brachte Lin Chen zugleich sensibel wie hoch virtuos den unterschwelligen Aufruhr, die Dramatik des viersätzigen Werkes zum Vorschein. Sorgsam arbeitete sie das thematische Material der Sonate heraus, ließ im liedhaften Adagio durch prägnante Dynamikänderungen dunkle Abgründe erahnen, gab sich im kurzen Menuetto tänzerischer Leichtigkeit hin und ließ ihre Zuhörer im abschließenden Allegro unerwartete Dur/Moll Wechsel als typisches Merkmal des Schubert’schen Klavierstils entdecken. Sehr melodiös und gesanglich interpretierte sie das reife Schubert-Werk.

Vollends mit der Musik verschmolz die junge Chinesin bei Chopin und seinen 24 Préludes, die vom Anspruch her zwischen schlichten, klanglich betörenden Miniaturen und hochvirtuosen Meisterstücken, die enorme Anforderungen an das pianistische Können des Interpreten stellen, variieren. Zu letzteren gehörte das dramatische Prélude b-Moll Nr. 16, das sich mit resoluten Oktav-Sprüngen der linken Hand und dahinjagenden Läufen der rechten Hand einführte.

Den Lyriker Chopin, aber auch den leidenschaftlichen Dramatiker Chopin brachte die chinesische Künstlerin in ihrem packenden Vortrag zum Vorschein. Auf und ab, forte und piano stürzte sie sich unter Auskostung sämtlicher pianistischer Mittel in ein Wechselbad der Stimmungen und Gefühle. Heroisch, mit einem letzten vulkanischen Aufbäumen, verklang das berühmte Werk.

von Monika Salzmann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare