Fall Itani: Tötete 25-Jähriger den Vater aus purem Hass?

AK-Chefredakteur Martin Krigar interviewte Polizei-Oberrat Bernd Scholz (l.) auf der MZV-Couch.

ALTENA - Seit dem frühen Donnerstagabend sitzt der Sohn von Chafic Itani in Untersuchungshaft. Der 25-Jährige wird beschuldigt, seinen 65-jährigen Vater getötet und seine Leiche anschließend verbrannt zu haben (wir berichteten).

Heute wird der junge Mann, der wie sein Vater zwar gebürtiger Libanese ist, aber die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, in eine Haftanstalt im Ruhrgebiet gebracht. Nach seiner Festnahme saß er in der Einweisungsstelle der Hagener Polizei.

Der Tatverdächtige ist eines von sechs Kindern des Opfers. Drei sind noch jugendlich, die anderen bereits erwachsen. Die Geschwister leben in Deutschland und im Ausland.

Die elfköpfige Sonderkommission des Polizeipräsidiums Hagen, die Kriminalhauptkommissar Ralf Eickler leitet und die den Arbeitstitel „Soko MK II Altena“ führt, wird auch heute und Sonntag weiter ermitteln. Bei Gewaltverbrechen gehöre das zum normalen Polizeigeschäft. Zudem gelte es, möglichst zeitnah weiteres Licht in die Umstände der Tat zu bringen. „Polizeibeamte leisten nicht nur in Krimis Überstunden, das ist auch in der Realität so. Mein Team ist so motiviert, es wird das ganze Wochenende über am Ball bleiben“. Experten der Polizei untersuchen deshalb sowohl den Fundort der Leiche in der Industriebrache am Schwarzen Stein noch einmal, nehmen sich aber auch die Wohnung des Opfers und das Fahrzeug des Sohnes vor. Wie berichtet, war der Beschuldigte damit auf der Autobahn in Höhe Olpe in einen schweren Unfall verwickelt. Leichenspürhunde hatten bei dem völlig zerstörten Fahrzeug angeschlagen, so dass die Polizei davon ausgeht, dass die Leiche von Itani damit transportiert worden sein könnte.

Die Ehefrau des sechsfachen Vaters Chafic Itani hält sich zur Zeit in Beirut auf. Ob sie aus dem Libanon nach Deutschland kommen muss, ist noch ungewiss, sagte Polizeipressesprecher Norbert Pusch. Es bestehe ja offenbar keine direkte Verbindung zum Verbrechen.

Der Tatverdächtige selbst hat sich noch nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäußert. „Er werde nur über seinen Rechtsanwalt etwas mitteilen“, sagte Pusch. Deshalb bleibt die Frage nach einem möglichen Motiv auch Spekulation.

Seine ganz eigene Meinung dazu hat Polizeioberrat Bernd Scholz, Leiter der Lüdenscheider Inspektion. Er sagte bei der Vorstellung des Lüdenscheid-Krimis „Kunstfehler“ Donnerstagabend in einer Lüdenscheider Buchhandlung, er vermute, der junge Mann könne aus Hass gegenüber dem Vater gehandelt haben. Ausdrücklich wiederholte der Beamte aber, das sei seine ganz persönliche Einschätzung. Scholz sagte auch, die schnelle Festnahme des Beschuldigten nach der Vermisstenmeldung habe mit der Sorgfalt der handelnden Beamten zu tun gehabt. Sie seien beim Betreten der Wohnung des Opfers auf Blutspritzer gestoßen, was sie stutzig machte.

Der verstorbene Chafic Itani gilt als vermögend. Er besitzt Grundstücke und Immobilien in Altena und der Region. Ob er sich – wie schon öffentlich spekuliert wird – aus dem Geschäft zurückziehen wollte, um es seinem Sohn zu übertragen, ist unklar. Die Polizei werde das Umfeld des Verstorbenen in alle Richtung „aufhellen“, kündigte Hauptkommissar Ralf Eickler an. Das benötige aber Zeit.

Nicht nur in Altena, auch in Werdohl, wo Itani ebenfalls Immobilien besitzt, fragen sich jetzt viele Verantwortliche: Was wird aus den teils sehr herunter gekommenen Industriebrachen? Und: Wer folgt Itani an der Spitze des Geschäftes?

von Johannes Bonnekoh

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