Ein bisschen Jmra ist geblieben

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Wolfgang Müller, Gerd Grein, Uwe Vogt, Karl-Heinz Neuhaus, Jürgen Engler, Berthold Wege und Klaus Zacharias (v.l.) bilden den letzten JMRA-Stammtisch der Stadt. 

Altena -  In fast jedem Altenaer Haushalt dürfte noch ein Jmra-Produkt sein. Ob Stricknadeln oder metallene Bierdeckel mit Heimatmotiv - die Firma ist überall noch ein bisschen präsent. Ganz besonders zwei Mal im Jahr im Bierstübchen Taverne, denn dort trifft sich auch 17 Jahre nach Schließung des Werks noch immer die Tippgemeinschaft der Firma Johann Moritz Rump Altena.

Gerd Grein gibt die erste Runde aus, für ihn ist die Tipp-Saison mau gelaufen. Nicht nur dafür dankt ihm Berthold Wege, sondern auch für die hervorragende Buchführung in der Saison 2016/2017. Dafür gibt’s ein Präsent.

Ohne Jmra kein Stammtisch

Das Firmenlogo findet sich bis heute in Altena. Um das Logo komplett zu sehen, oben rechts klicken.

„Ohne die Jmra gäbe es diesen Stammtisch nicht“, erklären Wolfgang Müller, Gerd Grein, Uwe Vogt, Karl-Heinz Neuhaus, Jürgen Engler, Berthold Wege und Klaus Zacharias. Noch zu aktiven Werkszeiten wurde Sport auf allen Ebenen durch die Familien Rentrop und Winter gefördert. „Wir haben sogar Trikots bekommen und haben an den TSV-Hobbykickerturnieren auf dem Adolf-Hahn-Platz als Werks-Elf gespielt“, erinnert sich die einstige Belegschaft. „Und für die Pausen standen Tischtennisplatten bereit. Wir hatten Bewegung, viel Spaß und auch Anstand“ - denn wer einst bei der Jmra gelernt hatte, der hatte auch Benimm- und Tanzunterricht bekommen. Herren kamen immer im Schlips und gingen grundsätzlich hinter den weiblichen Mitarbeitern her. „Nur nicht mehr auf der Treppe, als sich die Mode änderte und die Röcke kürzer wurden“, berichten die Männer schmunzelnd.

Kein schlechtes Wort fällt über das Unternehmen, solange es in Altenaer Unternehmerhand war. „Das Betriebsklima war einzigartig gut. Der Chef ging morgens durch alle Abteilungen und begrüßte jeden Mitarbeiter persönlich. Um unsere Arbeitsplätze sind wir beneidet worden.“

Dass es bei der Jmra schön war, das sah man besonders zur Schützenfestzeit, als sogar Kränzebinden auf dem Werksgelände stattfand. Die gesamte Nachbarschaft in der unteren Rahmede schätzte das Unternehmen, besonders die Anwohner der darübergelegenen Südstraße. „Das Werk ist eine tragende Stütze für die Straße. Das sieht man ja jetzt beim Abriss gut. Da müssen sich die Planer gut Gedanken machen, dass diese Statik erhalten bleibt.“

Berthold Wege spricht für seine ehemaligen Arbeitskollegen mit, wenn er sagt, dass ihn der Anblick auf der Baustelle schmerzt. „Wir hatten dort die schönste Arbeitszeit unseres Lebens.“ Die Industriekaufleute, Werkzeugmacher, Schlosser, Elektriker, Fachlageristen, Versandmitarbeiter und Betriebsleiter waren eine Familie. Getroffen hat man sich nach Feierabend oft im „Werk III“. „Das war der Tunnel, die benachbarte Gaststätte.

Und auch während der abteilungsinternen Weihnachtsfeiern blieben die Kollegen nie allein: „Irgendwann sind dann alle anderen auch dazu gekommen.“

Firma mit gelebter Inklusion

Jmra, das war schon vor Jahrzehnten gelebte Inklusion: Kriegsversehrte fanden dort ebenso Arbeit wie Menschen mit geistigen Einschränkungen, die leichte Hilfstätigkeiten verrichten und so ihren Lebensunterhalt verdienen konnten.

In den 90er Jahren zeichnete sich ab, dass die vielgeschätzten Arbeitsplätze nicht mehr ewig so existieren würden: Die zunächst als Kooperationspartner agierende Firma Prüm übernahm das Altenaer Unternehmen. „Aber die waren in erster Linie auf den Markennamen Inox aus und nicht an der Weiterführung interessiert.“

Drei Entlassungswellen folgten

Drei Entlassungswellen folgten und das Schicksal der Jmra war ein Jahr vor der Schließung der Firma im Jahr 1999 besiegelt. Berthold Wege gehörte zu den letzten an Bord, denn die EDV musste bis zum letzten Tag weiter laufen. „Natürlich war die Kündigung für uns alle ein Schlag. Viele waren Familienväter und noch längst nicht im Rentenalter.“ Aber der Firmenname Jmra im Lebenslauf war was wert: „Arbeitgeber wussten: Die Mannschaft von da konnte gut malochen.“ Fast alle fanden schnell Anschluss auf dem Arbeitsmarkt, auch über den Stammtisch hinaus bestehen noch einige Kontakte zur alten Belegschaft. Die wünscht sich, auch wenn der Abschied von der scheidenden Industriebrache schmerzt, auch wieder Leben in dem geplanten Nahversorgungszentrum einkehrt. „Es ist leider viel kaputt gegangen in Altena. Das kann ein guter Neuanfang sein.“

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