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Fund macht sprachlos: Kätzchen ausgesetzt

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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Diese acht kleinen Kätzchen wurden vor zwei Wochen auf einem Firmenparkplatz an der Ihmerter Straße ausgesetzt.
Diese acht kleinen Kätzchen wurden vor zwei Wochen auf einem Firmenparkplatz an der Ihmerter Straße ausgesetzt. © Agentur

Acht Kätzchen, sechs bis acht Wochen alt, eingesperrt in eine Hundebox. Mit einem Schälchen Wasser ausgestattet, aber abgestellt da, wo sie nicht hingehören: Der Fund auf einem Firmenparkplatz an der Ihmerter Straße vor zwei Wochen hat die Tierschützerinnen in Altena sprachlos gemacht. Wieder einmal.

Altena – „Wir gehen davon aus, dass jemand die Katzen züchtet, das zu viel wurde und sie jetzt einfach auf diesem Weg entsorgt wurden“, sagt Linda Papenfuß. Sie gehört zur Altenaer Untergruppe des Tierschutzvereins Iserlohn, wurde von Mitstreiterin Sabine Schröder am 12. Juli nach dem Katzenfund alarmiert und brachte die Katzen ins Tierheim nach Iserlohn. „Sie waren voller Flöhe, Milben, nicht entwurmt“, beschreibt Papenfuß den Zustand der Katzenbabys: „Sie stammen aus zwei Würfen. Es ist ein Perser-Siam-Mix.“ Sie sind noch zu klein für eine Weitervermittlung und müssen jetzt erst einmal ärztlich versorgt, geimpft und aufgepäppelt werden – eine Aufgabe, die Papenfuß allein nicht stemmen kann, auch wenn sie die „Katzenseele“ der Gruppe ist, wie Sabine Schröder meint.

Fast täglich unterwegs

Gefragt ist sie oft, wenn Meldungen über auffällige Fellnasen eingehen. Sie besitzt Katzenfalle und Chip-Lesegerät, kann so Besitzer feststellen, betreut Futterstellen und hat einen Blick dafür, welches Tier Hilfe braucht. Gerade in den vergangenen beiden Wochen war die Altenaerin fast täglich unterwegs – ehrenamtlich und im privaten Auto. So sammelte sie in Grünewiese einen Kater ein, fuhr mit ihm zum Kastrieren und Chippen nach Iserlohn und setzte ihn anschließend wieder aus (gefüttert wird er regelmäßig von Anwohnern). Eine entwischte Hauskatze brachte sie ins Tierheim, wo der Sohn der Besitzerin sie am Ende wiederfand.

„Sie war sehr schlecht dran“

Nicht immer geht es so gut aus. Eine Britisch Kurzhaarkatze, die sich am vergangenen Wochenende in einen Anbau geflüchtet hatte, konnte die zu Hilfe geholte Tierschützerin mit viel Mühe aus ihrem Versteck locken. „Sie war sehr schlecht dran“, berichtet Papenfuß. Nach Absprache mit dem Tierheim brachte sie die Rassekatze zum Tierarzt nach Menden. „Der stellte fest, dass ein Stück Enddarm ausgetreten und bereits von Maden befallen war. Das Tier muss Höllenqualen gelitten haben und wurde eingeschläfert“, sagt sie. So etwas tue ihr im Herzen weh. Die Vermutung liegt nahe, dass die Besitzer die Tierarztkosten gescheut haben. „Wir fürchten, dass das im Herbst noch schlimmer wird“, sagt Papenfuß. Ab Oktober gilt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte. Zusammen mit steigenden Futterkosten könnte da manchem Besitzer sein vierbeiniger Genosse zu teuer werden. Ohnehin nimmt aktuell die Zahl der abgegebenen oder gefundenen Tiere zu, weil sie vor der Urlaubsfahrt im Weg sind oder, in der Corona-Pandemie angeschafft, jetzt lästig werden.

Linda Papenfuß mit Molly und Bella, zwei der Katzen, die bei ihr „hängen geblieben“ sind und die sie nicht mehr missen möchte.
Linda Papenfuß mit Molly und Bella, zwei der Katzen, die bei ihr „hängen geblieben“ sind und die sie nicht mehr missen möchte. © Goor-Schotten, Hilde

Tierheim überfüllt

Auch das Tierheim in Iserlohn ist überfüllt, in nur wenigen Tagen ist die Zahl der Katzen auf 41 gestiegen. Und so übernimmt Linda Papenfuß von dort auch wieder Pflegekatzen. Zwei kleine hatte sie gerade als Urlaubsvertretung da, am Donnerstag hat sie eine Katzenmutter mit ihren vier Babys abgeholt. Weitere werden dazu kommen. Sie kann die Pflegetiere getrennt betreuen, ungestört von den eigenen fünf Samtpfoten. „Das hat sich irgendwie so entwickelt“, sagt sie über ihre gewachsene und immer wieder mal anders zusammengesetzte Katzenfamilie. Moritz, der erste Kater, war zugelaufen und wollte nicht mehr weg. Andere hat sie zur Pflege aufgenommen und wollte sie dann nicht mehr missen, so wie Molly, die mehr tot als lebendig am Straßenrand saß.

In der Nacht unterwegs

„Durch ihren nächtlichen Zeitungsjob kennt sie alle Katzen in der Stadt“, beschreibt Sabine Schröder ihre engagierte Mitstreiterin, die in mehreren Bezirken das Altenaer Kreisblatt verteilt. Und da laufen ihr etliche Katzen über den Weg, denn die Tiere sind von Natur aus dämmerungsaktiv. „Manche sehe ich jede Nacht, andere einmal in der Woche.“ Es sind Freigänger mit einem festen Zuhause darunter, die an Menschen gewöhnt sind. Andere sind herrenlos. „Die lassen sich nicht anfassen, wissen aber, wann sie was bekommen“, sagt Papenfuß. Sie versorgt hungrige Tiere mit Futter und hat immer ein Leckerchen dabei. Ein großes Problem sei es, dass viele Katzen nicht kastriert seien, obwohl dies in Altena für Freigänger ebenso Pflicht ist wie die Kennzeichnung mittels Tätowierung oder Mikrochip. Papenfuß empfiehlt das auch für reine Hauskatzen. „Wie schnell sind sie mal entwischt“, sagt sie. Ohne Kennzeichnung sei es dann oft Glückssache, den Ausreißer im Tierheim wiederzufinden.

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