Dirigent des Altenaer Blasorchesters hat einen Notensatz zum Lied geschrieben

Thorsten Goslar erfindet den Knickebein ohne Reue

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Unten Minzlikör, in der Mitte Kirsche und oben weißer Curaçao – das ist die prozentige und vorsichtig zu schichtende Basis für Knickebein. Könner sorgen vor und belassen den Minzschnaps vor der Zubereitung im Gefrierschrank und die Kirsche im Kühlschrank, während der Curaçao bei Zimmertemperatur hinzugegeben wird. Die Liköre erhalten so eine Textur, die ein Zusammenfließen im Glas verhindert. Vorsichtig wird darauf ein Eigelb gesetzt. Ein Hauch Kaffee- und Pfefferpulver sorgen für den einzigartigen Geschmack.

Altena - Jeder Altenaer Schütze kennt es, doch instrumental begleitet hat das Knickebeinlied noch niemand gehört. Der Grund dafür ist simpel: „Es gab nirgendwo einen Notensatz dazu“, berichtet Thorsten Goslar schmunzelnd. Das hat der Dirigent des Altenaer Blasorchesters nun geändert. Auf die Sprünge geholfen hat ihm das alte Volkslied „Du, du liegst mir am Herzen.“

Wer sich den Refrain des Knickebeinlieds und die Eingangsmelodie der alten Volksweise im Kopf übereinanderlegt, dem muss die frappierende Ähnlichkeit auffallen. „Man hätte eher drauf kommen können“, lacht auch Thorsten Goslar, der 2017 in einer Musikzeitschrift den Namen des echten Sandwirts Andreas Hofer las, aber auch dort keinerlei Hinweise auf irgendeine Notenliteratur zu dem berühmten Studentenliedchen auf seine Person.

„Ich hab mir dann das Knickebeinlied mal zu Hause vorgenommen, es mir vorgespielt und bin dann in die volkstümliche Musik abgedriftet“, erklärt Goslar den Werdegang des Knickebein-Notensatzes. „,Du, du liegst mir am Herzen’ ist ein leichter bayrischer Walzer, er könnte sogar aus Tirol stammen, wo Andreas Hofers Gasthaus ,Am Sand’ gestanden hat. Aber es ist nichts überliefert über die genaue Entstehung. Doch eine Notenbasis war schon mal da!“

Zum Schützenfest kann es endlich auch mal instrumental aufgeführt werden, das Altenaer Knickebeinlied.

Auf dieser fertigte Thorsten Goslar einen vierstimmigen Satz fürs Altenaer Blasorchester, der im Rahmen einer Vorstandssitzung der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft im Haus Lennestein Premiere feierte. „Das Witzige war: Die Schützen haben es gar nicht erkannt, obwohl sie es am gleichen Abend sogar noch gesungen hatten“, so Goslar. Alle Instrumente im Ensemble sind in die Fassung eingebunden und die Musiker freuen sich sehr, diese Perle beim Schützenfest 2018 spielen zu können. „Erst recht, nachdem wir 2015 mangels Dirigenten gar nicht mitspielen konnten“, erinnert sich Goslar traurig zurück.

Bis dahin will er noch „ein paar Schnörkel“ für die Holzbläserstimmen einbauen, damit es noch ein wenig runder klingt. Dann darf kräftig eingestimmt werden in „Knickebein, Knickebein, Du mein Vergnügen...“

Die Vorstandsmitglieder der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft haben Thorsten Goslars Satz als Weltpremiere gehört.

Traditionell wird das Lied vor dem Verzehr des Kult-Cocktails mit dem rohen Eigelb von einem ausgewählten Schützen a cappella angestimmt: „Als der Sandwirt von Passeier Innsbruck hat im Sturm genommen, ließ er sich ein Dutzend Eier und ein Dutzend Schnäpse kommen. Machte daraus eine Mischung, trank sie aus und knickte ein. Und seit dem heißt diese Mischung in ganz Deutschland Knickebein...“

Das Schöne: Die Instrumentalversion ermöglicht maßlosen Knickebeingenuss. Wer sich vom gehaltvollen Getränk einen zu viel gönnt, der könnte tatsächlich leicht einknicken, denn nicht nur der Alkohol, sondern auch das Ei zeigt irgendwann Wirkung.

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