Sehen, was dem Auge verborgen bleibt

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Eine Thermografiekamera eignet sich hervorragend zur Fehlersuche in verschiedensten Bereichen. Hier richtet Klaus Sauer sein Gerät auf eine Photovoltaik-Einheit.

Altena -  Dinge sichtbar machen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben müssen – ein interessanter Gedanke. Klaus Sauer aus Evingsen kann hierfür auf eine Technik zurückgreifen, die teils faszinierende Einblicke erlaubt.

Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik hat sich mit seinem kleinen Unternehmen neben der SPS-Automation durch die Thermografie ein zweites Standbein erschlossen. Unter Thermografie versteht man ein Verfahren, das auf den ersten Blick große Ähnlichkeit mit der herkömmlichen Fotografie aufweist. Ziel der Thermografie ist jedoch die Ermittlung der Oberflächentemperatur von fast beliebigen Objekten. Dabei wird die Stärke der Infrarotstrahlung, die von einem bestimmten Material ausgeht, als Maß für dessen Temperatur interpretiert. Eine Wärmebildkamera mache im Grunde nichts anderes, als die für das menschliche Auge unsichtbare Infrarotstrahlung in elektrische Signale umzuwandeln, erklärt Klaus Sauer. Daraus erzeugt die Kamera dann ein Bild in „Falschfarben“ wie es offziell heißt.

Heraus kommen zwar falsche Farben, aber bisweilen auch äußerst faszinierende Bilder. Wenn Sauer loszieht , um die Burg Altena zu fotografieren zum Beispiel – oder die Fuelbecker Talsperre. Das Auge könne nur Licht von etwa 380 bis 780 Nanomtern Wellenlänge wahrnehmen, erklärt der Ingenieur. Die Wärmebildkamera erfasse dagegen einen Bereich von 8 bis 14 Mikrometern und könne so bereits geringste Temperaturunterschiede sichtbar machen. Um das zu demonstrieren, schaltet er seine modernste Kamera ein, ein Produkt aus dem Hause Jenoptik, und bringt ein Livebild auf den Monitor seines Laptops. Dann zielt er auf seine Schuhspitze und zieht den Fuß in einem Bogen über das Laminat - ohne großen Kraftwand. Die Wischspur wird in orange-gelblicher Farbe auf dem Monitor angezeigt – es ist die Reibungswärme, die zwischen Schuhsohle auf Fußboden entstanden ist. Nicht etwa ein bisschen Abrieb, „sondern kinetische Energie“, erklärt Sauer. „Thermografie lässt einen sehen, was das menschliche Auge nicht kann.“

Eine eindrucksvolle Demonstration. Gedacht aber ist die Kamera im Gegenwert mindestens eines Kleinwagens für andere Zwecke: Sauer ist zertifiziert für den Bereich der Bau-, Industrie- und Elektrothermografie und auch als Sachverständiger tätig.

In der Bauthermografie gehöre es dazu, „nachts um die Häuser zu schleichen“, sagt er mit einem Lächeln. Dann lassen sich thermische Sünden sicher aufspüren. - tk

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