Wasserwerk am Stortel ist heute eine coole Partylocation der Stadtwerke

Theke über einem elf Meter tiefen Schacht

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Aus dieser Perspektive ist gut zu erkennen, dass diese Bar mal ein Brunnen war. „Über dem Loch ist ein Boden eingezogen worden, der Brunnenkranz wurde zur Theke umfunktioniert“, erklärt Stadtwerke-Chef Marc Bunse

Altena - Die drittgrößte Wassergewinnungsanlage der Stadt ist heute ein schmuckes Industriedenkmal mit dem Charme einer modernen Partystube. Die Stadtwerkemitarbeiter haben in Eigenregie viel investiert, um aus der stillgelegten Pumpanlage einen Raum für festliche Gelegenheiten zu machen.

Wer bei Partys im Wasserwerk Bier und Cola ausschenkt, der steht über einem elf Meter tiefen Brunnen. Daran erinnert noch das mosaikgefließte Rondell, das heute Bar und Herzstück des Raums ist. Über den tiefen Brunnenschacht ist ein stabiler Holzboden gezogen worden, sodass ein Absturz ausgeschlossen ist.

Das schmucke Bruchsteinhaus ist heute ein Industriedenkmal und wird noch von einem Mitarbeiter als Werkswohnung genutzt.

 „Der Kran, mit dem man früher in den Brunnen hineinsteigen konnte, ist zwar noch da, aber der ist schon seit Jahren außer Betrieb“, erklärt Ralf Berlet. Der Leiter Netze hat das Wasserwerk bis zu seiner Schließung noch begleitet. Das war 2002 und die Bevölkerung in Altena war so weit zurückgeschrumpft, dass das mehrfach durch das Felsgestein gefilterte Wasser nicht mehr für die Versorgung in der Stadt benötigt wurde. „Obwohl es durch die Felsen hier eine super Qualität hatte. Viele Leute haben ja immer gedacht, dass hier Lennewasser abgepumpt würde. Aber das ist ein Irrtum.“ Vom Pump- und Leitungssystem ist heute nichts mehr zu sehen am Stortel. Es wurde nach der Stilllegung des Werks zurückgebaut. Aus drei Pumpen wurde das Grundwasser einst nach oben geholt, 70 Kubikmeter pro Stunde. Zum Hochbehälter musste es jedoch einen weiten Weg nehmen. Jener Transport war unwirtschaftlich geworden, nachdem nicht mehr so viel Trinkwasser in Altena benötigt wurde und Fuelbecke und Springer-Quelle für die Versorgung ausreichten. Acht Jahre war es still im alten Wasserwerk, bis 2010 Marc Bunse sich von Ralf Berlet mal alle Anlagen im Bestand zeigen ließ. „Ich fand den Industrieflair des Gebäudes sehr schön. Außen die gemütlichen Backsteinmauern, innendrin der Brunnen, der Kran, die Schalttafel... Dann haben wir als Team mal überlegt, was wir mit dem Haus machen könnten.“ Bis auf die Holzarbeiten haben die Mitarbeiter dann alles selbst erledigt und einen kleinen Saal gestaltet, der seinesgleichen sucht.

Ralf Berlet im Untergeschoss des Wasserwerks. Dort befinden sich noch sämtliche Rohranschlüsse in den Wänden.

Genutzt wird er aber nicht exzessiv: „Wir machen hier Weihnachtsfeier und Betriebsfest und gelegentlich vermieten wir den Raum auch zum Selbstkostenpreis an Vereine und Institutionen. Aber nicht zu oft, denn in dem Haus ist auch noch eine vermietete Werkswohnung, deren Bewohner wir ja nicht ständig mit Feten aus dem Bett holen können“, erklärt Marc Bunse. Bis in die 60er Jahre hinein war übrigens auch jeden Tag immer jemand im Haus: „Da gab es noch einen Drei-Schicht-Betrieb hier drin“, weiß Ralf Berlet. Anschließend wurde modernisiert und das Werk bedurfte nur noch gelegentlich einer Mitarbeiterpräsenz. Aus dieser Zeit stammen auch noch alle industriellen Relikte. Was einfallen lassen musste sich das Team nur für die hohen Decken, die Gespräche im Raum fürchterlich hallen ließen. Deshalb hängt heute ein ausgedienter Fallschirm unter der Decke. Aus Denkmalschutzgründen konnte baulich nicht allzu viel verändert werden, ohne dass die Kosten explodiert wären. „Deshalb haben wir uns beim Umbauen auf neue Toiletten beschränkt“, so Bunse. Anfragen bekommt er viele. „Wenn es danach ginge, wäre hier alle 14 Tage eine Fete.“

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