Und wieder ein glückliches Händchen

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Prächtiges Bühnenbild, sorgfältig besetzte Rollen. ▪

ALTENA ▪ Wenn eine bereits im Vorfeld ausverkaufte Premiere, häufiger Szenenapplaus, minutenlang andauernde, zum Teil rhythmische Beifallskundgebungen ein Indiz für die Qualität einer Aufführung sein sollten, kommt man um die Feststellung nicht umhin, dass sich das Ensemble der Laienschauspielergruppe „Auf Draht“ wieder einmal einen Erfolg auf die Fahnen schreiben kann.

Einen von vielen. Das Ensemble führte am vergangenen Samstagabend im „Haus Lennestein“ die Komödie „Die Balkonszene“ von John Chapman und Anthony Marriot auf. Bei der Auswahl der Besetzung des Stückes zeigte „Auf Draht“ ein ausgesprochen glückliches Händchen. Die Rolle des etwas trotteligen aber äußerst sympathischen Earl Godfrey verkörperte Frank Lengelsen auf das Vortrefflichste. Die Rolle des absolut „abgedrehten“ und alles ins Chaos stürzenden Poeten schien Tobias Vogt wie auf den Leib geschrieben. Und die Wahl, Kirsten Kreisel als etwas hyperaktive und zum Teil hysterische Besitzerin eines exklusiven Heiratsvermittlungs-Institutes auftreten zu lassen, war hevorragend. Alle Rollen waren sehr gut besetzt. Sie schienen den Schauspielerinnen und Schauspielern zu passen wie ein Maßanzug. Und zu ihnen wiederum passte auch die völlig überdrehte und unterhaltende Komödie. Sie begann mit dem versponnenen Poeten Jeremy Grover (Tobias Vogt), der um die Gunst der Inhaberin des Institutes, Constance, (Kirsten Kreisel) buhlt. Um sich seiner zu erwehren, bittet sie Earl Godfrey, kurzfristig ihren Ehemann zu spielen. In der Zwischenzeit versucht das neue, spanische Dienstmädchen (Katharina Konitzer) sich an das Londoner Leben zu gewöhnen.

Der von der Darstellerin vorgetragene Akzent war hörenswert. Diana (Jessica Reinhardt), Privatsekretärin der Inhaberin des Hauses, hat alle Hände voll damit zu tun, den Überblick zu behalten. Denn zwischenzeitlich taucht auch noch der anglikanische Kanonikus Fitch (Jens Weihl) auf, um die Dienste der Agentur in Anspruch zu nehmen. Unglücklicherweise trifft –natürlich im ungünstigsten Augenblick- Sybill (Heike Mayweg) ein und muß zur Kenntnis nehmen, dass er soeben als Gatte von Constance vorgestellt wird.

Mittlerweile hat selbst Polizist Hill (Wolfgang Lengsfeld) den Überblick verloren, der eigentlich nur ermitteln wollte, weil es einen angeblichen Selbstmordversuch gegeben haben soll. Er macht aber eine ganz andere Entdeckung in der Person von Mrs. Meadows (Ulrike Vogt). Sie, Stammkundin in der Agentur, war eigentlich nur gekommen, um Ehemann Nummer Drei zu finden. Denn der erste verstarb, der zweite sitzt im Knast. Wegen Bigamie. Also muss ein dritter her. Irgendwie träumten alle Beteiligten von einem neuen Partner. Aber wer hat denn nun wen gekriegt? Der Ausgang des Stückes überrascht. Und daran ist ein alter Computer nicht ganz unschuldig. Ein Uralt-Modell, welches man wahrscheinlich schon zu den Dinosauriern des technischen Zeitalters rechnen kann. Aber gleichwohl hat er die überraschende- Lösung parat. Launige Darstellerinnen und Darsteller, eine Souffleuse, die nicht wirklich viel zu tun hatte und ein glänzend gelauntes Publikum.

Mehr braucht man nicht für einen unterhaltsamen Abend. Und den bot „Auf Draht“. Das zeigte der Schlussapplaus. Nicht unbeteiligt am Erfolg waren die Regisseure Heike Mayweg und Dietmar Vogt. Sie bewiesen Fingerspitzengefühl für die Abläufe der Szenen und Dialoge. Die Wochenendvorstellungen sind bereits ausverkauft. Lediglich für die Aufführungen in der Woche sind noch Karten zu bekommen. Sie kann man im Restaurant „Haus Lennestein“, im Café Merz, der Buchhandlung Katerlöh oder im Versicherungsbüro Vogt erhalten. Der Besuch lohnt, denn das Chaos auf der Bühne ist das „Ding“ von „Auf Draht“. Und das zeigte die Premiere des Stückes auf´s Neue. ▪ hb

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