Spontaner Mobbing-Flashmob

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Phan ist aufgrund ihres schrillen Erscheinungsbilds und ihrer ausgeprägten Fantasie ein leichtes Mobbing-Opfer. Ihre Geschichten werden von ihren Mitschülern zwar als spannend empfunden, doch sie machen das Mädchen auch unglaubwürdig. 

Altena - Mitten im Matheunterricht stürmt sie das Klassenzimmer der 4a auf dem Breitenhagen: Phan will sich verstecken vor dem fiesen Mobber Mob. Natürlich gewähren ihr die Schüler den benötigten Schutz.

Der unerwartete Gast ist willkommen. Phans fantasievolle Geschichten kommen gut an. Aber auch sie sind der Auslöser für die Attacken, denen sie täglich ausgesetzt ist...

Man könnte es einen Mobbing-Flashmob nennen, den die theaterpädagogische Aktion „Pisak“ mit den Grundschülern veranstaltet: Ohne Vorankündigung stürmen die Theaterpädagogen Ines Bollmeyer und Dirk Wittke den laufenden Unterricht und sind sofort in ihren Rollen. Da ist Phan, die sich so bunt und schrill kleidet und irgendwie in einer Fantasiewelt festzustecken scheint. Immer dabei: Ihr Kummerkästchen, in das sie ihre Sorgen hineinschreit.

Das lässt sie natürlich merkwürdig erscheinen. Ihre „Freunde“ trägt sie in ihrer Tasche bei sich: Ein Haufen Stofftiere, allen voran ein Hase mit eingenähter Spielzeugpistole. Die ist dazu da, nachts die Schatten an der Wand zu vertreiben. Der Papa tut es nicht mehr, er hat die Familie verlassen. Auch diese seelische Verletzung macht Phan zu einem leichten Opfer, wie die Viertklässler im Laufe des Stücks schnell herausfinden.

Die Klasse wird aktiv ins Geschehen eingebunden. Auch von Dirk Wittke, der die Kinder in der Rolle von Mob nicht täuschen kann. Er gibt nur den coolen Fiesen. Warum, das stellt sich im Laufe des Stücks „Schattenkrieger“ heraus: Auch er war einst ein Außenseiter, als er neu an die Schule kam. Sein heutiger „bester Freund“ machte ihn selbst durch Erpressung zu seinem Komplizen. Aus Gründen der Anerkennung macht Mob deshalb mit beim Ärgern: Solange er beleidigt, erniedrigt und erpresst, stellt er selbst was dar.

Auf die Schliche kommt das junge Publikum dieser Geschichte erst nach und nach. In Rückblenden vervollständigen sich die Charaktere des Pisak-Theaters. Ines Bollmeyer und Dirk Wittke kommen nach dem Schlussapplaus wieder, um mit den Schülern beider vierter Klassen über das Stück zu sprechen und die frischen Erlebnisse zu reflektieren.

Eingeladen wurden die Theaterpädagogen von Angelika Wagner im Namen der städtischen Jugendhilfe. Ein akuter Mobbingfall ist dem Projekt nicht vorausgegangen. „Natürlich gibt es auch an unserer Schule Streit und Reibereien, die sein müssen“, erklärt Schulleiter Jörg Schlüter. „Anti-Mobbingarbeit betreiben wir aber präventiv.“

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