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Komplize als wenig glaubwürdiger Zeuge

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Von: Thomas Bender

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Justizia
Das Amtsgericht Altena verhandelt einen Fall von Telefonbetrug. © David-Wolfgang Ebener

Mit der Vernehmung eines Komplizen ist im Amtsgericht Altena der Prozess gegen einen 30-Jährigen fortgesetzt worden, der einer Bande von Telefon-Trickbetrügern als Abholer gedient haben soll. Eine Seniorin aus Altena hat im Verlauf des Prozesses berichtet, wie sie um Goldschmuck im Wert von 180 000 Euro „erleichtert“ wurde. Im Angeklagten erkannte sie den Mann wieder, der den Schmuck bei ihr abgeholt haben soll.

Altena – Inzwischen ist ein Strafverfahren vom Niederrhein hinzugekommen. Dort soll der Angeklagte bei einer 91-Jährigen aufgetaucht sein und einiges mitgenommen haben. Die Dame ist inzwischen verstorben.

Zur Aufklärung wurde der 48-jährige Komplize des Angeklagten ins Amtsgericht geladen. Er war wegen seiner Beteiligung an Betrugstaten gegenüber älteren Frauen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden, von denen er drei Jahre im Gefängnis und in einer Entziehungsanstalt verbracht hat. Er hatte wegen seiner rechtskräftigen Verurteilung kein Zeugnisverweigerungsrecht und musste gegen seinen ehemaligen Komplizen aussagen.

Widersprüche und wenig glaubwürdige Angaben

Einige Widersprüche und wenig glaubhafte Angaben in seiner Aussage ließen ahnen, dass ihm das nicht gefiel. Die Ereignisse vom 30. August 2019 schilderte er so: „Ich habe einen Anruf bekommen und einfach gemacht, was die von mir verlangt haben.“ „Die“, das war unter anderem ein Anrufer in der Türkei, der den Kontakt zu den älteren Damen herstellte und ihnen ein angebliches Bedrohungsszenario vorgaukelte. Er erzählte ihnen, dass ein Polizist bedrohte Wertsachen abholen werde. Der Zeuge bemühte sich, schon seine Rolle zu der eines Gehilfen herabzustufen, der lediglich auf Anweisung Dinge abgeholt habe. Das passte nicht zur Verurteilung zu fünf Jahren Haft. In eine ähnliche Rolle wollte der Zeuge nun offenbar den Angeklagten bringen. Dieser habe gar nicht genau gewusst, worum es ging, als der Zeuge mit ihm zu der 91-Jährigen in Wesel fuhr. Zur Begründung habe er ihm diese Geschichte erzählt: „Ich möchte Geld abholen. Jemand hat bei mir Schulden. Wir holen das bei seiner Oma.“

Drahtzieher in der Türkei

Mangels finanzieller Masse sei der Angeklagte mit der Seniorin zur Bank gefahren, um dort Geld abzuholen. „Sie hat es zwei Mal versucht, aber sie hat es nicht geschafft, Geld abzuheben“, erinnerte sich der Zeuge. Der Angeklagte habe anschließend aber die Bankkarte und die PIN der alten Dame abgeholt. Auch Schmuck gehörte zur Beute. Die Betrüger hoben zwei Mal 1000 Euro ab und teilten das Geld mit dem Telefon-Drahtzieher in der Türkei.

Der Richter staunt

„Ich wollte nicht, dass die Leute wissen, dass wir Betrug machen“, versicherte der Zeuge, der an jenem Tag auch noch andere Personen im Auto hatte. Richter Dirk Reckschmidt staunte über die angeblich verbreitete Ahnungslosigkeit der Mitfahrer und fragte nach: „Es ist völlig normal, an einem Abend mit vier Leuten zu einer alten Dame zu fahren, die so dement ist, dass sie es nicht schafft, Geld von ihrem Konto abzuheben?“ Der Angeklagte solle nicht die geringste Ahnung gehabt haben, „warum man mit einer dementen Frau zur Bank fährt, ihre Bankkarte mitnimmt und zwei Mal 1000 Euro abhebt?“ Einmal verplapperte sich der Zeuge und verwendete das Wort „Trick“ im Zusammenhang mit der Aufklärung der Mitfahrer.

Aufhorchen lassen vor Gericht immer die Wahrheitsbeteuerungen von Zeugen. Der 48-Jährige lieferte einige. Von „Ich beschütze keinen. Ich habe alles gedreht“ bis „Das ist die Wahrheit – ob Sie das glauben oder nicht.“ Nicht nur die Staatsanwältin blieb skeptisch. Sie warf dem Zeugen vor, seine Mittäter zu schützen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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