Ein Taxi ist zu teuer

ALTENA - Samstagabend, kurz vor der Tagesschau – Marvin scheint zu glühen. 39,3 Grad zeigt das Fieberthermometer, Wadenwickel helfen nicht. Ganz klar: Der Vierjährige gehört zum Arzt. Jetzt hat seine Mutter ein Problem: Monika F. ist allein erziehend und muss mit dem Hartz IV-Regelsatz auskommen. Für sie kann die neue Regelung zum echten Problem werden.

Monika F. wohnt am Mondhahn – mit dem Bus ist sie zur Notdienstpraxis im Iserlohner Elisabethkrankenhaus zwei Stunden unterwegs, bei zweimaligem Umsteigen und einem längeren Fußmarsch, weil das Iserlohner Krankenhaus zumindest abends nicht gut per Bus zu erreichen ist. Und zurück geht‘s gar nicht mehr, die letzte Rückfahrt beginnt um 20.48 Uhr.

Also muss ein Taxi her, was für das fiebernde Kind ohnehin die bessere Lösung ist. Von Dahle nach Iserlohn und wieder zurück – das kostet gut 50 Euro. Was Monika F. sich eigentlich nicht leisten kann: Ganze 30,72 Euro für Verkehrsmittel sind in den monatlichen Regelsätzen für sie und Marvin enthalten.

Ein krankes Kind wird so zum finanziellen Härtefall. Trotzdem werden weder die Stadt beziehungsweise die Arge noch die Krankenkasse der Mutter helfen können – Sonderzahlungen seien für solche Fälle nicht vorgesehen, bedauert Wolfgang Friess, der für „Soziales“ zuständige Fachbereichsleiter. Und bei den Krankenkassen verweist man darauf, dass die Taxikosten für „normale“ Arztfahrten (die Fahrt zur Notdienstpraxis gilt als solche) schon seit Jahren nicht mehr übernommen werden – Ausnahmen gälten nur für Gehbehinderte und Pflegebedürftige, sagte AOK-Pressesprecher Ralf Jurka gestern auf Anfrage.

Nur eine Hoffnung bleibt der Mutter: Dass der Arzt zu ihr kommt. Neben der Notdienstpraxis – in der stets auch ein Kinderarzt bereit steht – gibt es in jeder Nacht im Kreis zwei „mobile“ Ärzte. Zwischen 22 und 8 Uhr sind nur die im Dienst. Über den Einsatz entscheidet eine Arztrufzentrale (Tel. 0180-50  44 100). Allerdings: Ob der Notdienst ins Haus kommt, hängt nicht vom Geld ab, sondern allein von medizinischen Gründen. Entschieden werde darüber von „medizinisch geschultem Personal“, verspricht die Kassenärztliche Vereinigung.

Letzten Endes ist Monika F. nur das zu wünschen, was Friess so umschreibt: „Hoffentlich kann jeder in solchen Fällen auf die Unterstützung von Freunden, Nachbarn oder Verwandten bauen.“ ▪ von Thomas Bender

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