Klarer Auftrag für Christen in der neuen Islamdebatte

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Klaus Pfeffer betonte: „Das Christentum ist eine Religion des ersten Schrittes.“ 

Altena - Generalvikar Klaus Pfeffer hat den Katholiken von St. Matthäus am Sonntag einen Rat gegeben: „Konzentrieren Sie sich nicht nur auf die Menschen, die nicht da sind. Das Glück derer, die kommen, ist eigentlich wichtiger. Das sollten unsere Gemeinden viel öfter beherzigen“, betonte der Geistliche im Gespräch auf dem Roten Sofa.

Inmitten der zahlreichen Bestrebungen, Kirchenfremden die Türe zu öffnen, gingen die Kirchentreuen oft verloren. „Man muss auch fragen, ob sie sich noch wohlfühlen in ihrer geistlichen Heimat.“

Glaubenswege, das zeigte der Talk unter der Moderation von Christiane Frebel und Stefan Kemper deutlich, sind immer noch sehr unterschiedlich. Klaus Pfeffer schilderte eine noch recht frische Facebook-Begegnung mit einem alten Bekannten aus seiner Heimatstadt Neuenrade, der im Internet schwer gegen die Kirche wetterte: „Er kam au einem katholischen Elternhaus, die Eltern waren mir auch bekannt. Aber der Versuch, den Sohn in vorgegebene Glaubensstrukturen zu pressen, ist da fürchterlich ins Gegenteil umgeschlagen. Wer im Glauben zur Unfreiheit sozialisiert wird, sieht keinen Gewinn für sich.“

Jutta Lahrmann, die noch recht neue Referentin für Jugendpastoral im Sauerland, hatte als Kind die Wahl. „Ich habe mich wohl schon in sehr jungen Jahren aufgeregt, wenn ich nicht mitgenommen wurde in die Kirche. Ich hatte dort keine negativen Erfahrungen gemacht und mich immer wohl gefühlt“, schilderte die zweite Gesprächspartnerin im Pfarrsaal St. Matthäus.

Mit offenen Armen war sie auf der Suche nach einer christlichen Jugendgruppe im CVJM Deilinghofen aufgenommen worden, obwohl Katholiken dort als exotisch galten. Bei der Berufswahl war klar, dass es um junge Leute und Theologie gehen sollte.

„Mein Glück war das Theologiediplom, das ich aufgrund des Lehramtsstudiums erst gar nicht machen wollte. Heute habe ich dadurch sehr viel mehr Möglichkeiten im Beruf.“

Christiane Frebel fragte direkt: „Nimmt Religiosität bei jungen Leuten ab?“ Jutta Lahrmann, die im Märkischen Kreis Schüler ab Jahrgangsstufe 9 betreut, glaubt, dass sie beliebiger wird. „Werte wie Vertrauen werden immer noch sehr hoch gehängt und junge Leute haben noch immer ein starkes Ungerechtigkeitsempfinden, auch der Kirche gegenüber. Das sind aber Themen, bei denen man ansetzen kann, um über Glaube und Kirche ins Gespräch zu kommen.“

Massen an Jugendlichen, das weiß Jutta Lahrmann, werde Kirche wohl kaum erreichen können. „Wenn man aber zwei, drei Jugendliche von einem Angebot begeistern kann und die das Weitertragen, ist schon viel erreicht.“ Der Glaube junger Leute sei durchaus da. „Nur sagen mir viele, dass sie nicht so glauben, wie die Kirche das wolle. Individualität ist ganz wichtig geworden.“

Interessant zu hören in diesem Zusammenhang war Klaus Pfeffers „Berufungsmoment“: Ein Pfarrer sagte zu dem frisch ausgebildeten Journalisten, dass viel mehr „normale Leute“ den Priesterberuf ergreifen müssten. „So Leute wie Du!“ richtete der Geistliche das Wort an Klaus Pfeffer, der die Herausforderung annahm und mit dem Theologiestudium begann.

Stark beeinflusst ist Pfeffer bis heute vom Lutheraner Dietrich Bonhoeffer, was manchen Katholiken überrascht. „Er hat wunderbare Worte zu sensiblen Bereichen wie Krankheit, Sterben und Trauer gefunden, die ganz nah an der Lebenswirklichkeit dran sind.“

Über Bonhoeffer kam das Gespräch zur jüngsten Islam-Aussage Horst Seehofers: „Es ist fatal, eine Religion wie den Islam ausschließen zu wollen, ganz besonders für einen Christen. Hat uns nicht die Bergpredigt gelehrt, dass das Christentum eine Religion des ersten Schrittes ist?“, fragte der Generalvikar. In der neue entfachten Diskussion sieht Klaus Pfeffer einen klaren Auftrag: „Gerade wir sollten da jetzt mal für andere Töne sorgen“, betonte er gegenüber dem Publikum. Das freut sich schon auf den Herbst, wenn der beliebte Talk auf dem Roten Sofa in eine neue Runde geht.

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