Zu Besuch bei Dr. med. Joachim Matuszewski 

Den Tagen mehr Leben geben: Palliativmedizin in Altena

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Dr. med. Joachim Matuszewski praktiziert als niedergelassener internistischer Hausarzt in Altena an der Lindenstraße 47. Er ist Palliativmediziner und gehört dem Netzwerk „Palliativmedizinischer Konsiliardienst Lüdenscheid-Olpe“ an.

Altena - Unheilbar kranken Menschen unnötiges Leid auf ihrem letzten Lebensabschnitt ersparen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen: Darum geht es in der Palliativmedizin. Dr. med. Joachim Matuszewski hat sich dieser Aufgabe in Altena verschrieben.

Die Menschen werden alt und älter. Doch das bedingt auch, dass sie häufig schwer erkranken und ihre Lebensqualität in Richtung Abschied kaum noch zu ertragen ist. Genau da setzt die Palliativmedizin an. 

Sie ist nach Definition der WHO „die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung (....) wo die Beherrschung von Schmerzen, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen höchste Priorität besitzt.“ 

Dr. Joachim Matuszewski aus Altena weiß, wovon er spricht und er legt das Papier mit der eher sperrigen Definition aus der Hand. Er ist einer von zehn Medizinern, die sich im Palliativmedizinischem Konsiliardienst (PKD) Lüdenscheid-Olpe zusammengeschlossen haben.

Du zählst, weil Du du bist

Das Credo der Gruppe ist: „Du zählst, weil Du du bist. Und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens eine Bedeutung haben“, zitiert der Arzt Cicely Saunders. Der englischen Krankenschwester, die 1918 geboren wurde, werden diese Worte nicht nur zugesprochen, sie gilt auch als Begründerin der modernen Palliativmedizin. 

Palliation bedeutet Linderung, abgeleitet aus dem lateinischen pallium für Mantel oder palliare mit einem Mantel umhüllen. Und Joachim Matuszewski räumt gleich zu Beginn seiner Ausführungen mit einem weitverbreiteten Irrglauben auf. „Die palliative Versorgung beginnt nicht erst mit der letzten Lebens- oder der Sterbephase. Sie muss frühzeitig in die Behandlung eines Schwerkranken integriert werden“, sagt er.

An der Außenwand der Praxis von Dr. Joachim Matuszewski ist auch das Palliativ-Zeichen (rechts) angebracht.

Seit 2007, so erklärt der Altenaer Internist mit eigener Hausarztpraxis an der Lindenstraße 47, „haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine ambulante Palliativversorgung.“ Am 8. Dezember 2015 ist das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) in Kraft getreten. Ziel ist die Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland. 

Dazu gehöre in erster Linie eine „gezielte Informierung über bestehende Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung.“ Plötzlich liegt ein farbiger Flyer vor dem Arzt. Eine Pusteblume ziert das Titelbild – irgendwie ein Zeichen von Schönheit und Vergänglichkeit in einem. Es enthält kurz und knapp alles Wissenswerte rund um den bereits erwähnten Palliativmedizinischen Konsiliardienst Lüdenscheid-Olpe. 

24 Stunden täglich erreichbar

„Für uns zehn an diesem Netzwerk beteiligte Ärzte haben das individuelle Wohlergeben und die Selbstbestimmung der betroffenen Menschen in ihrer Umgebung die höchste Priorität“, sagt der 58-Jährige. „Wir verstehen den Menschen als Einheit und respektieren seine individuelle Persönlichkeit“, schiebt der dreifache Familienvater nach. Matuszewski wohnt in Nachrodt, praktiziert in Altena und ist für Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Lüdenscheid, Halver, Schalksmühle, Meinerzhagen, Herscheid, Plettenberg, Balve, Neuenrade, Werdohl und Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein zuständig.

 „Wir sind als PKD 24 Stunden täglich erreichbar, auch am Wochenende, sonntags und an den Feiertagen“, unterstreicht der Arzt. Das garantieren neben den Ärzten auch vier angestellte Pflegefachkräfte. Ihnen allen geht es in der „ambulanten palliativmedizinischen Versorgung stets und vor allem um die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität in der verbleibenden Zeit zu Hause oder im gewohnten Umfeld.“

 „Leiden sind überall dieselben“, antwortet Matuszewski auf die Frage, ob es typische Erkrankungen in Altena gibt und sagt: „Belastende Symptome wie zum Beispiel Schmerzen, Übelkeit, Luftnot, Angst und Unruhe unter besonderer Berücksichtigung der psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Kranken gibt es an jedem Ort. Unser Ziel ist es, zu lindern und zu behandeln.“ 

Netzwerk Palliativ-Medizin

Immer wieder spricht der Altenaer Mediziner vom Netzwerk Palliativ-Medizin. Er meint damit die Kollegen Haus- und Fachärzte in der Region ebenso wie ambulante Pflegedienste, Hospizdienste, die Palliativstationen, Krankenhäuser, Sanitätshäuser, Apotheken, Seelsorger, Wundmanger und Physiotherapeuten. 

Und Matuszewski nimmt auch die Angst in Richtung Kosten. Er sagt: „Die Leistungen des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes sind für gesetzlich Versicherte kostenlos. Privat Versicherten wird eine Rechnung erstellt, die bei der Krankenkasse eingereicht wird.“ Der Altenaer ermuntert Betroffene, sofern sie es können, aber auch Angehörige, die Palliativmedizin und ihre Vertreter anzunehmen, Kontakt zu suchen.

Endlichkeit des Lebens

Es sei leider häufig so, dass die meisten Menschen versuchten, den Gedanken an die Endlichkeit des eigenen Lebens so lange wie möglich von sich fernzuhalten. Es gebe aber immer wieder Situationen, in denen das nicht mehr möglich sei, etwa bei einer unheilbaren Krebserkrankung. „Die Palliativmedizin versucht stets den Menschen so zu begleiten und zu stärken, dass ihnen ein guter Umgang mit dieser äußerst belastenden Situation gelingt“, sagt der Mediziner noch einmal. 

Der Palliativmedizinsche Konsiliardienst wünscht sich für die Zukunft, eine weitere Förderung der finanziellen Situation stationärer Kinder- und Erwachsenen-Hospize sowie ambulanter Hospizdienste. „Auch sollte die Palliativversorgung und Hospizkultur in stationären Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser weiter gestärkt werden.“

Gezielte Informationen fehlen oft

In dieses Bild passe auch, dass es gelingen müsse, den Gesetzgeber zu bewegen, die Sterbebegleitung als ausdrücklichen Bestandteil des Versorgungsauftrags der Pflegeversicherung anzuerkennen. Selbst im Internet - dem Medium dieser Zeit - fehlten oft gezielte Informationen, etwa über bestehende Kooperationen.

Manchmal vermissen die Palliativ-Mediziner eine gezielte Informierung über bestehende Angebote in der Hospiz- und Palliativorsorge. Auch daran müsse „ständig gearbeitet werden. Denn, ich wiederhole mich noch einmal. Ziel der Palliativmedizin ist der Erhalt jeder bestmöglichen Lebensqualität bis zum Tode.“ www.pkdlo.d oder palo-dasnetz.de

Angehörigen von lebensbedrohlich erkrankten Personen kommt in der Palliativmedizin und Betreuung durch die Fachkräfte eine besondere Rolle zu. So bietet das Krankenhaus Plettenberg etwa „Familiale Pflege“ an. Das ist ein Pflegetraining direkt am Krankenbett, circa 30 bis 40 Minuten. Kontakt über den Palliativmedizinischen Konsiliardienst Lüdenscheid-Olpe, PKD, unter der Telefon-Nummer: 02359/509 0 112 PKDLO@t-online.de

Zahlen:

Seit dem 1. Januar 2018 hat der PKD Lüdenscheid-Olpe 665 Patienten aufgenommen. Zurzeit werden 330 Patienten betreut. 

Dazu gehören die Krankheitsbilder der -Onkologie -Herz-Kreislauferkrankungen -Neurologische Erkrankungen -Lungenerkrankungen -Mehrfacherkrankungen Pflegeheime sind seit 2016 verpflichtet, mit ambulanten Hospizdiensten zusammenzuarbeiten

Der PKD:

Der Palliativmedizinische Konsiliardienst Lüdenscheid-Olpe, PKD, wurde 2011 gegründet. Heute gehören ihm zehn Ärzte an, die sich speziell mit Palliativmedizin beschäftigen. Die Zentrale befindet sich in 58566 Kierspe, Kölner Straße 77 bis 79. 

Der PKD ist 24 Stunden täglich erreichbar, auch an Wochenende, sonntags und an Feiertagen. Tel. 02359/509 0 112, Fax: 02359/296 215, PKDLO@t-online.de 24 Stunden-Telefon: 0170 2494783 www.pkdlo.de

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