Im Dienst der katholischen Kirche

Tag der Geschwister: Die Schnells - ein Team für Gott

Patrick und Sandra Schnell: Die beiden Geschwister stehen im Dienst der katholischen Kirche.
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Patrick und Sandra Schnell: Die beiden Geschwister stehen im Dienst der katholischen Kirche

Patrick und Sandra Schnell: Zwei Geschwister, die beide für die katholische Kirche wirken. Sandra Schnell als erste Frau im Bistum Essen an der Spitze einer Pfarrei. Ein Gespräch unter Geschwistern.

Am 10. April ist der Tag der Geschwister. Wer einen Bruder oder eine Schwester oder beides hat, weiß, was das bedeutet. Man kann wunderbar zusammen spielen. Man kann sich aber auch wunderbar streiten. Von einer herzlich-innigen Verbindung unter den Geschwistern kann man im Fall von Patrick und Sandra Schnell durchaus sprechen.

Noch dazu sind beide in der katholischen Kirche engagiert. Und arbeiten beide im Sauerland. Die große Schwester Sandra arbeitet neuerdings – als erste Frau im Bistum Essen – in der Pfarrei St. Matthäus in Altena als Pfarrbeauftragte. Pfarrer Patrick Schnell leitet die Pfarrei St. Laurentius in Plettenberg.

Frau Schnell, Sie sind seit Ostermontag als Pfarrbeauftragte in Altena tätig...
Ja, der Einführungsgottesdienst fiel coronabedingt leider aus. Es gab einen Videogottesdienst statt einer großen Liturgiefeier.
Und Sie sind die Schwester von Patrick Schnell...
Ich dachte immer, er wäre mein Bruder. Es hieß früher immer „das ist doch der Bruder von Sandra“. Und jetzt ist es umgekehrt. So weit ist es schon gekommen (lacht).
Hatten Sie zuhause den Hut auf?
Ja, schon. Ich bin die älteste von vier Geschwistern. Der Jüngste ist mein 44-jähriger Bruder Robin, dann kommen Natalie (45 Jahre) und Patrick (49) – und wir heißen alle noch Schnell. Mein Mann hat meinen Namen angenommen.
Wie ist Ihr Verhältnis heute untereinander ?
Wir haben eigentlich einen guten Kontakt und n am Wochenende alle vier eine Zoom-Konferenz gemeinsam mit unseren Eltern gemacht
Wie war denn Patrick, den Sie englisch aussprechen (Pätrick), als Kind?
Wir waren die Großen, die anderen waren die Kleinen. Er war eigentlich brav, wobei ich nicht alles mitbekommen hatte. Als Kind war er der Ruhige und hat viel gelesen. Ich war Babysitterin, hatte Flötenunterricht und viele andere Sachen.
Herr Schnell, waren Sie wirklich so ruhig und was hat Sie an Ihrer Schwester genervt?
Ich war in der Tat im Großen und Ganzen eher ruhig und eine Leseratte und Sandra gerne unterwegs. Geschwister nerven sich gegenseitig schon mal, da könnte ich jetzt nichts Bestimmtes erwähnen.
Frau Schnell, Sie sind in Herscheid groß geworden? Da wächst man geschmeidig auf, oder?
Wenn man katholisch ist, kann man da auch einsam aufwachsen...
Wieso das?
Als ich Jugendliche war, waren alle in meiner Jugend evangelisch – außer mir. Und ich war das einzige Mädel. Ich hatte noch einen Lehrer, der sagte: „Was, Sie sind katholisch und vom Land? Dann qualifizieren Sie sich mal.“ Mein Bruder war ja Messdiener, ich durfte es nicht sein. Sie sehen, das zieht sich durch mein Leben.
Gab es einen Moment, in dem Sie dachten, der Patrick wird mal Pfarrer?
Eigentlich nicht. Wir sind religiös aufgewachsen, aber er hat ja auch erst nach einer Lehre den Weg in die Kirche gefunden.
Herr Schnell, haben Sie gedacht, dass Sie mal Seite an Seite für den gleichen Herrn mit Ihrer Schwester arbeiten würden?
Nein, zunächst nicht, ich wollte ja ursprünglich auch gar nicht Priester werden. Und dann kam es anders.
Frau Schnell, was war Ihr Antrieb?
Ich war sehr engagiert in der Gemeinde, in der Theatergruppe, habe Musik gemacht, Kommunionunterricht gegeben und bin da reingewachsen. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr und einem Praktikum habe ich gedacht, ich mache das auch mal.
Den besten Kontakt hatten Sie zu...?
... tatsächlich zu Patrick. Mit Natalie habe ich in einem Zimmer geschlafen. Die Jungs hatten jeweils ein eigenes. Die Kindheit zu Hause ist einfach eine ganz eigene Zeit.
Haben Sie viel miteinander gespielt?
Wir haben alle vier viel miteinander gespielt. Es gab ja auch noch nicht diese heutigen Ablenkungsmöglichkeiten. Wir haben kleine Adventsfeiern vorbereitet oder zusammen den Tisch als Überraschung für die Eltern gedeckt.
Wie war das für Sie mit drei Geschwistern?
Ich habe es immer genossen, mit Geschwistern aufzuwachsen. Deswegen war für mich auch klar, dass ich nicht nur ein Kind haben möchte.
Wie viele Kinder haben Sie?
Vier – ein Mädchen und drei Jungs. Der Nachzügler ist zehn, der älteste 28 Jahre alt.
Gehen Ihre Kinder regelmäßig in die Kirche?
Das ist unterschiedlich. Wie es bei uns auch früher war. Meine jüngeren Geschwister sind auch keine regelmäßigen Kirchgänger.
Ihren neuen Job in der Kirche gab es vorher nicht.
Das stimmt. Es gab bislang keine Leitungsfunktion für Gemeindereferentinnen. Das nennt sich jetzt Pfarrbeauftragte.
Gibt es auch mehr Geld?
Ja, aber wie viel mehr weiß ich noch gar nicht.
Herr Schnell, sind Sie stolz auf Ihre Schwester?
Na klar, sie schreibt ja gewissermaßen Geschichte, zumindest in unserem Bistum und in dieser Region.
Wie ist die Mentalität der Gläubigen in Altena?
Es gibt auch hier viele kleinere Orte mit wenigen Katholiken, deshalb muss man sich ein wenig tummeln. Im Moment erlebe ich die Menschen hier sehr aufgeschlossen und engagiert.
Wie ist Ihre Einstellung zur evangelischen Kirche?
Ich bin sehr ökumenisch eingestellt und habe da in meiner alten Gemeinde viel bewegt und würde mich freuen, wenn wir das in Altena auch hinbekommen. Wir müssen da jetzt ein bisschen zusammenhalten und als Christen zusammenstehen und nicht die Unterschiede so sehr nach vorne holen. Denn das, was uns verbindet, ist das Allermeiste.
Herr Schnell, Sie glauben nicht an das Zölibat-Ende und die Priesterweihe von Frauen in den nächsten zehn Jahren, würden sich eine solche Entwicklung aber wünschen?
Der Zölibat ist ja nicht zuletzt eine spirituelle Lebensform in der Nachfolge Jesu. Diese Lebensform ganz aufzugeben, kann ich mir nicht vorstellen. Ob sie verpflichtend sein muss, ist wieder etwas anderes.
In den orthodoxen Kirchen gibt es zölibatär lebende Priester und solche, die verheiratet sind. In beiden Lebensformen wird die Gegenwart des Herrn in seiner Gemeinde sichtbar. Dass Frauen die Weihe empfangen können, kann ich mir gut vorstellen, auch das lässt sich theologisch begründen.
Die Diskussion an sich tut uns gut, so lange sie mit gegenseitigem Respekt geführt wird, aber diese Fragen müssen auf anderer Ebene entschieden werden. Am Ende geht es immer um die Verbreitung des Evangeliums, das ist unser Auftrag in der Welt.

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