1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Tafel seit einem Jahr in Altena aktiv

Erstellt:

Von: Hildegard Goor-Schotten

Kommentare

weihnachtstafel
Im weihnachtlichen Outfit erfolgte die letzte Ausgabe der Tafel im Jahr 2021. © Goor-Schotten, Hilde

Für den 4. Januar ist die erste Tafel-Ausgabe des Jahres 2022 im Stellwerk an der Lüdenscheider Straße geplant. Und ein bisschen Spannung gibt es im Vorfeld – ganz ähnlich der vor ziemlich genau einem Jahr, als die Altenaer Tafel zum ersten Mal ihre Türen öffnete. „Wir wissen noch gar nicht so genau, was wir so kurz nach dem langen Neujahr-Wochenende verteilen können. Das hatten wir ja so noch nicht“, sagt Organisatorin Anette Wesemann. In einem Punkt sind sie und das Tafel-Team aber sicher: „Es wird auf jeden Fall reichen.“

Altena – Dass auch noch der letzte Tafel-Kunde bei den Ausgaben am ersten und zweiten Dienstag im Monat mit einer gut gefüllten Tasche nach Hause gehen kann, war von Beginn an das Ziel der Ehrenamtlichen, die seit einem Jahr die Altenaer im Blick haben, bei denen das Geld knapp ist.

Ein Drittel sind ältere, alleinstehende Menschen

Wie wichtig ihre Arbeit ist, zeigt die Entwicklung der vergangenen Monate. „Wir hatten am Anfang 40 Haushalte, die sich für die Tafel registriert hatten. Jetzt sind es 154 mit mindestens 350 Personen“, berichtet Anette Wesemann. Nach der Flut im Juli seien die Zahlen noch einmal hochgegangen, und das Ende ist sicher noch nicht da.

Es sind viele ältere, alleinstehende Menschen, bei denen die Rente nicht zum Leben reicht. Auf fast ein Drittel schätzt die Stellwerk-Leiterin ihren Anteil. Es sind Familien mit Kindern – in der größten unter den Tafel-Kunden gibt es acht. Es sind Geflüchtete, Menschen mit Migrationshintergrund, Altenaer, die durch Corona ihren Job verloren haben oder denen zuletzt die Flut nicht nur den Boden unter den Füßen weggezogen hat. „Einige schämen sich, dass sie hierherkommen. Mancher traut sich erst jetzt. Wohl für niemanden ist es leicht, sich an die Tafel zu wenden“, sagt Anette Wesemann. Deshalb werde auch niemand abgewiesen.

Im Schnitt 80 Personen pro Ausgabetag

Im Schnitt kommen an jedem Ausgabetag etwa 80 Personen, die sich hier mit Lebensmitteln versorgen. Im Laufe des Jahres haben sich die Abläufe gut eingespielt. Montagmittags fährt der Kühlwagen der Lüdenscheider Tafel vor, ohne die es die Einrichtung in Altena gar nicht gäbe. Der Wagen macht seine Runde entlang der Supermärkte in der Region und lädt am Stellwerk ab, was er an ausgemusterten Lebensmitteln eingesammelt hat. Es sind vor allem Waren mit ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum: Obst, Gemüse, Fleisch und Brot. Im Stellwerk steht ein Team bereit, packt aus und sortiert. „Jeder Salatkopf wird in die Hand genommen, Obst zum Teil abgewaschen. Es ist echt viel Arbeit“, beschreibt Anette Wesemann den Aufwand. Da wird die eine schimmelige Orange aus dem Netz geholt, die welken Außenblätter vom Kohl entfernt. „Der Rest ist meist sehr gut genießbar. Es geht uns ja auch darum, Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren.“

Zur Not wird nachgekauft

Dienstags treten zwei weitere Tafel-Teams an: Morgens werden anhand der Kundenlisten Kisten vorgepackt, nachmittags geht es an die Ausgabe. Von Anfang an wurden dafür Termine ausgegeben. „Wir wollten lange Wartezeiten und Schlangen auf der Straße vermeiden“, sagt Anette Wesemann. Nach Vorlage des Ausweises können sich die Besucher aus den passenden Kisten aussuchen, was sie mitnehmen möchten. Es sei eine große Herausforderung für die Ehrenamtlichen, die Ware so einzuteilen, dass auch die Letzten etwas bekommen. Aber es habe immer geklappt. Wenn es doch mal nicht ganz reicht, wird schon mal schnell nachgekauft. Oder es wird mit den haltbaren Lebensmitteln ergänzt, von denen meist etwas vorrätig ist. Für beide Fälle ist die Tafel für Spenden sehr dankbar. „Wir freuen uns immer sehr, wenn jemand mal Nudeln, Reis oder Konserven vorbeibringt.“

50 ehrenamtliche Helfer

50 Helfer kümmern sich, Männer und Frauen, Junge und Alte: Sie arbeiten jeweils zu dritt und werden dabei von einer Stellwerk-Mitarbeiterin unterstützt. „Für mehr Personen sind die Räume einfach zu klein“, sagt Anette Wesermann und bedauert, dass sich manche der Engagierten noch nicht kennengelernt haben. Auch der Kontakt zu den Tafelkunden ist etwas eingeschränkt.

Geplant ist daher für das neue Jahr ein Tafelfrühstück mittwochs nach den Ausgabe-Tagen in der Freiheit 26. Und vielleicht Kochkurse. „Es bleiben oft nicht so gängige Dinge in den Läden übrig, die dann bei uns landen und mit denen nicht alle etwas anfangen können“, erklärt Anette Wesemann. Für ältere Frauen ist der Bund Suppengrün oder der Kohlkopf interessant. Die jüngeren geflüchteten Frauen seien glücklich über Auberginen, Tomaten und Zucchini. Aber viele wüssten eben auch nicht, wie man die Lebensmittel zubereiten kann. Im Frühjahr soll mit praktischen Anleitungen geholfen werden, wenn alles klappt.

Dankbarkeit ist groß

Der Elan ist nach dem ersten Jahr ebenso wenig verflogen wie der Bedarf. Die Akzeptanz und Dankbarkeit gegenüber der Tafel sind groß. Auch die netten Kleinigkeiten kommen an: Blumen, die mal mitverteilt werden können, ebenso wie Nikolaustüten vor Weihnachten. Und mitunter fließen auch Tränen. Wenn zum Beispiel die Tafelhelferinnen angelieferte Grabgestecke weihnachtlich umdekorieren und so in mancher Wohnung für ein klein bisschen Adventsstimmung und Rührung sorgen.

Auch interessant

Kommentare