Tabakbörse Schlippe gibt's nicht mehr

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Leere Zeitungsregale: Die Tabakbörse Schlippe hat geschlossen.

Altena – Das war’s: Bernd Schlippe hat zum letzten Mal die Eingangstür der Tabakbörse im Stapelcenter abgeschlossen. Eine Ära endet.

Er und seine Frau Andrea schweren Herzens beschlossen, ihr Geschäft nach 30 Jahren aufzugeben und beruflich neue Wege zu gehen. 

Am letzten Tag waren die Zeitschriftenregale schon restlos leer. Den beiden Geschäftsleuten kam dabei eine Besonderheit des Zeitschriftenhandels zugute. Er arbeitet mit der sogenannten Remission. 

Das bedeutet, dass nicht verkaufte Zeitschriften an die Verlage beziehungsweise an den Großhandel zurückgegeben werden und vom Einzelhandel nicht bezahlt werden müssen. „Das war natürlich sehr gut für uns“, sagt Schlippe, der in den letzten Tagen viele dicke Zeitungspakete packte und an den Großhandel zurückschickte. 

Keine Rabatte auf Tabakwaren möglich

Nach der Schließung der Bahnhofsbuchhandlung war die Tabakbörse Altenas größtes Zeitschriftengeschäft. Zu Spitzenzeiten führten die Schlippes über 1400 verschiedene Titel. 

Anders als  bei den Zeitschriften lief es mit den anderen Waren, die Schlippes im Programm hatten. Zigaretten und andere Tabakwaren mussten von ihnen ge- und dann weiterverkauft werden, Rabatte sind auch bei Räumungsverkäufen nicht zulässig. 

Das regelt das Tabaksteuergesetz, in dem festgelegt ist, dass diese Erzeugnisse nur zu exakt dem Preis abgegeben werden dürfen, der auf der Steuerbanderole aufgedruckt ist, die man auf jeder Packung findet. „Viele Stammkunden haben uns die Restbestände ihrer bevorzugten Marke abgekauft“, berichtet Schlippe. 

Viele Kunden sehr traurig

Trotzdem blieb noch die eine oder andere Packung im Regal. Was damit jetzt werden soll, wissen die Schlippes nicht so genau – beide sind Nichtraucher. 

Andrea und Bernd Schlippe haben die Tabakbörse geschlossen.

Nach der Schließung von Schreibwaren Trippe hatte die Tabakbörse noch Schul- und Bastelbedarf ins Sortiment aufgenommen. Das sind Artikel, bei denen ein ganz normaler Abverkauf möglich war. Kulis und Hefte, Pappe zum Basteln, Tintenpatronen und vieles mehr gingen zum halben Preis weg und fanden guten Absatz. 

Ein viertes Standbein war die Lotto-Toto-Annahmestelle: Die dafür erforderlichen Geräte werden bald von Westlotto abgeholt. 

Die Schlippes hatten ihre Entscheidung zur Schließung des Geschäftes Anfang des Monats öffentlich gemacht. Viele Kunden seien darüber sehr traurig gewesen, berichtete Schlippe am letzten Öffnungstag. „Bei den meisten überwog dann aber das Verständnis“, berichtet er. 

Corona-Krise gab den Rest

Viele hatten der Tabakbörse über Jahrzehnte die Treue gehalten. Die Tabakbörse befand sich ursprünglich an der Kirchstraße und zog dann in den Vorkassenbereich des Allkauf-Warenhauses im Stapelcenter. 

Nach dessen Schließung ging es ein Stockwerk tiefer in die Passage, wo die Geschäfte dann wieder besser liefen, als der Toom-Markt eröffnet wurde. 

Dessen Schließung im Jahr 2017 brachte erneut schwere Zeiten mit sich. Den letzten Anstoß für die Schließung gaben dann die mit der Corona-Krise verbundenen Unsicherheiten.

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