Syrisch-irakische Katholiken wollen nicht nach Altena

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Rund 200 Mitglieder der syrisch-katholischen Gemeinde aus dem Ruhrgebiet hatten sich im Dezember in Altena umgeschaut.

Altena - Mit fünf Reisebussen waren Mitte November mehr als 200 syrisch-irakische Katholiken aus Essen nach Altena gekommen. Ihr Plan auf Vermittlung des Bistums und der Caritas: Über kurz oder lang ihren Lebensmittelpunkt aus dem Ruhrgebiet ins Sauerland zu verlegen.

Heute, knapp vier Monate später, ist von der damals zu verspürenden Aufbruchstimmung nicht mehr viel geblieben. Zurzeit gibt es nicht eine Familie, die bereit ist, nach Altena umzuziehen. Idee und Plan also auf ganzer Linie gescheitert?

So weit will Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein in einer vorsichtigen Beurteilung nicht gehen. Er sehe diese Entwicklung gelassen, sagte er auf Anfrage. Die Stadt Altena sei weiter offen für die syrisch-irakische Gemeinde und werde keinerlei Druck ausüben. „Ich persönlich habe nie an eine Umsiedlung in der einst angedachten Größenordnung geglaubt.“

Hollstein hofft auf ein Dutzend Familien

Für realistischer hielt und hält der Bürgermeister dagegen, „wenn sich vielleicht ein Dutzend Familien zu diesem Schritt entschließen könnten. Das würde mich freuen.“ Hollstein unterstrich, dass das im November angekündigte Hilfsangebot, die Netzwerke der Stadt in Richtung Schulausbildung der Kinder, Wohnraumfindung und natürlich Jobangebote zu vermitteln, weiter bestehe.

Der Stadt lägen aber nach wie vor keinerlei nähere Informationen über die Interessenten vor. Dazu zählten zum Beispiel der Familienstand oder berufliche Fähigkeiten und Qualifikationen.

Dass es trotzdem weiter Bewegung gibt, macht Hollstein unter anderem an einem Treffen fest, das in den nächsten Tagen in Altena stattfinden soll. In St. Matthäus möchte man eine Art Bestandsaufnahme vornehmen und den Fortgang der Dinge besprechen.

Initiator ist ernüchtert

Auch der Initiator der Aktion, Rudi Löffelsend, stellvertretender Vorsitzender der Caritas-Flüchtlingshilfe im Bistum Essen, ist ernüchtert. Gleichwohl bleibt er laut Aussage gegenüber der Westfalenpost (WP) von Dienstag dieser Woche bei seiner Einschätzung: „Integration ist in kleineren Städten eher möglich.“ Die Zurückhaltung sei maßgeblich, so sagte es Talal Eshaq (66), Vorsitzender der syrisch-irakischen Gemeinde zu Essen, ebenfalls gegenüber der WP, auf viele Kinder der Betroffenen zurückzuführen. Sie wollten nicht aus Essen weg. Ihnen komme eine Schlüsselrolle zu.

Dr. Andreas Hollstein kennt diese Situation aus eigener Anschauung. Er erinnerte sich, wie er als Zwölfjähriger den Umzugswünschen seiner Eltern sehr kritisch begegnet sei. Immerhin lebten die katholischen Syrer und Iraker schon acht, neun Jahre in Essen. Caritas-Mann Rudi Löffelsend gegenüber der WP: „Ich gebe noch lange nicht auf. Es braucht alles viel länger, als wir vermutet haben. Trotzdem, ich bleibe Optimist.“

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