Naturtrüber Apfelsaft vom Nettenscheid / Landwirt Jochen von der Crone glücklich

Super-Sommer und nasses Frühjahr bescheren Mega-Apfelernte

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Nach wie vor Handarbeit: Das Abernten der Obstbäume auf den Streuobstwiesen auf dem Nettenscheid. Hugo von der Crone legte sie einst auf mehr als einem halben Hektar Land an. Weil das Pflücken von Hand mit den Arbeitsschritten Leiter anlehnen, schütteln, aufsammeln und das Versuchen, möglichst keine Druckstellen zu erzeugen, mühsam ist, entwickelte Ewald von der Crone einen Schüttelmechanismus, der vor den Trecker gespannt wird.

Altena - Süßlicher Geruch liegt in der Luft. Kofferraumklappen schlagen. Personen schleppen rote, gelbe und grüne Eimer mit Äpfeln über den Hof. Und überall im Rund des gepflegten Bauernhofes stehen weitere Kisten, Wannen und Behälter mit Obst, so weit das Auge reicht. „Ja, das ist bei Weitem nicht alles meine Ernte“, sagt Jochen von der Crone auf dem Hof Schulte-Horst in Eisborn. „Doch die hier und dort, der gut gefüllte Anhänger, das ist meine Apfelernte 2018 vom Altenaer Nettenscheid.“

Seit Jahren arbeitet der Nebenerwerbs-Landwirt aus Altena mit Michael Breitsprecher und Klaus Schulte, die die mobile Presse „Obst auf Rädern“ betreiben, zusammen. 

Die Anlage ist nicht wirklich groß. Man kann sie sich räumlich vorstellen wie einen mobilen Fischwagen auf dem Wochenmarkt. Mehr als 3200 Kilogramm Äpfel der Sorten Jakob Lebel, Boskop, Ontario, Schöner von Herrenhut, Dülmener Rosenapfel, Elstar und Berlepsch hat von der Crone mit vielen Erntehelfer gepflückt und lässt sie nun in Eisborn zu Apfelsaft pressen.

„Ich erwarte dabei schon, dass wir so um die 1600 Liter Saft erzielen werden“, blickt er optimistisch nach vorn. 

Jochen von der Crone hat mehr als drei Tonnen Äpfel der Sorten Berlepsch, Boskop, Jakob Lebel, Ontario und Elstar geerntet.

Sein Großvater Hugo hatte vor vielen Jahrzehnten auf mehr als einem halben Hektar Land auf dem Nettenscheid eine Streuobst-Wiese angelegt. Allerdings: Nur zum Verspeisen ist die Menge zu groß, selbst in nicht so erntestarken Jahren wie 2018. „Da sind wir auf die Idee gekommen, eigenen Apfelsaft pressen zu lassen.“ 

Der gehört mittlerweile zum festen Verkaufsangebot auf dem Hof. „Das Getränk ist naturtrüb, schmeckt aber herrlich“, schwärmt der Landwirt und kann garantieren, „da steckt Null Chemie drin.“ Handlich abgepackt wird der Saft in je fünf Liter Pappboxen. Die sind sogar wieder verwendbar, denn ihr Innenleben besteht aus einem Plastikschlauch mit Zapfhahn zum problemlosen Dosieren der Menge, die man trinken will.

Im Häcksler wird das Obst fein gehackt und in Tücher geschlagen.

Bevor das Team der Bio-Bauern um Michael Breitsprecher und Klaus Schulte die Nettenscheider Äpfel in Eisborn verarbeiten, ist aber erst mal das Pflücken angesagt. „Das ist schon sehr mühsam“, sagt von der Crone. „Leiter anlehnen, schütteln, aufsammeln, versuchen, möglichst keine Druckstellen zu erzeugen, weil das Obst dann schneller fault.“ 

Bereits vor Jahren kamen die von der Crones auf die Idee, die Apfelernte zu mechanisieren. Vater Ewald hatte den Geistesblitz, eine Art „Schüttel-Mechanismus“ vor den Traktor anzubauen. „Wir legen jetzt ein Stahlseil um den Baum, sorgen mit dem Trecker und der kleinen Maschine an der Front für Bewegung und das Obst fällt vom Baum.“ 

Kinder aus der Nachbarschaft und weitere Erntehelfer unterstützen Jochen von der Crone beim Ernten. Und natürlich hat sich auch bewährt, dass unter die Bäume große Planen ausgebreitet werden, damit die vom Traktor geschüttelten Äpfel auch weich fallen. Sie werden anschließend in Säcke gepackt und noch ein paar Tage in der offenen Scheune gelagert. 

In Kesseln wird der Saft auf 80 Grad erhitzt und von Klaus Schulte in Kunststoffschläuche per Zapfhahn abgefüllt.

Und wie ist das mit dem Essen der Früchte? „Einen gewissen Teil unserer Winteräpfel verbrauchen wir natürlich auch selbst oder verkaufen sie ab. Sie landen nach dem Pflücken noch für einige Wochen im Keller. Dort, in der Dunkelheit, reifen viele noch etwas nach.

Sie werden dann mürbe und schmecken beim Verzehr ganz hervorragend.“ Der von-der-Crone-Apfelsaft 2018 besteht – wie seine Vorgänger – aus verschiedenen Apfelsorten. Das hat einen guten Grund. Klaus Schulte von der mobilen Obstpresse: „Gemischt wird der Naturtrübe noch aromatischer. Man kann bei uns im Sauerland jeden Apfel zu Saft pressen, essen kann man aber lange nicht jeden.“ 

Innerhalb eines Jahres sollte der Saft verbraucht sein, das rät der Obst-Presser jedem seiner Kunden, auch wenn der Pasteurisator den Saft ohne Chemie haltbar macht. Jochen von der Crone: „Fruchtsaftfreunde können sich darauf verlassen: Unser Obst vom Nettenscheid ist nicht gespritzt oder behandelt. Das ist Natur pur!“

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