„Leerstände sind schon krass“

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Für das Projekt „Summer of Pioneers" schauten sich 40 Interessierte die Stadt an.

Altena – „Die Leerstände in der Innenstadt sind schon krass“, fasst Enno Mühlhoff seinen Ersteindruck in Worte. Der Schüler kommt aus Lippstadt und überlegt, sich beim Projekt „Summer of Pioneers“ zu bewerben. Hierbei sollen ab Mai nächsten Jahres 20 kreative Köpfe für ein halbes Jahr in die Burgstadt kommen und Impulse geben für die Probleme vor Ort – ganz egal, ob es um die Leerstände oder die Industriebrachen geht.

 Erste Projekte könnten etwa im Kulturbereich sichtbar werden. Gut 40 potenzielle Bewerber und weitere Interessierte waren am Samstag zum Schnuppertag in die Burgstadt gekommen. „Ich bin überrascht, dass so viele da sind“, freute sich Kämmerer Stefan Kemper im Namen der Stadt. Mit entsprechend Abstand war der Saal der Burg Holtzbrinck fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Kemper beschrieb Altena als Stadt „von ganz unterschiedlichen Reizen“. Man könne sagen, die Stadt an der Lenne leide an vielen Leerständen – einerseits. Andererseits könne man diese auch als Vorteil sehen, sie jetzt anzubieten. 

Beim Spaziergang zur Burg konnten sich die Interessierten einen ersten Eindruck von der Innenstadt verschaffen. Was schon feststeht: „Zwei Leerstände sollen als Co-Working-Spaces genutzt werden“, erklärte Projektinitiator Frederik Fischer. Wenn die nicht reichten, könne man immer noch weiterschauen. In diesen Räumen werden die Pioniere dann gemeinsam arbeiten – für sich oder als Team. Einen Vorteil sieht Fischer darin, dass sich die Leerstände zentral in der Innenstadt befinden. 

Interessierte kommen aus Berlin

 Als mögliche Bewerber waren jüngere wie ältere Kreative gekommen. Ihre Motivationen reichten von „Bock auf Land“ über „Müde auf die Stadt“ bis „Ich möchte die Gegend besser kennenlernen und etwas bewegen“. Schüler Enno Mühlhoff erklärte: „Ich weiß noch nicht so richtig, was ich nächstes Jahr nach dem Abitur machen möchte. Ich finde das Projekt einfach spannend.“ Was auffiel: Die Interessierten, viele davon selbstständig, könnten größtenteils auch nur über das Internet arbeiten. Ein halbes Jahr Altena wäre damit möglich.

 Das gilt auch für Carsten und Nina Meier, die mit ihrem Sohn aus Berlin angereist waren und damit die längste Anreise hatten. „Wir könnten uns vorstellen, hier mitzumachen“, erklärte der junge Familienvater. Die beiden zeigten sich beeindruckt von der Landschaft und den Gebäuden („mega schön“). Einen weiteren guten Grund für einen Tapetenwechsel sehen sie hier: „Uns fehlt die Natur.“ Fest steht: Wenn sie mitmachen, müssten sie sich ordentlich umgewöhnen: „Das würde natürlich schon eine Umstellung werden – von mehr als 3,5 Millionen auf 17000 Einwohner“, verglich Nina Meier. Ihre Unternehmensberatung könnte das Ehepaar auch von Altena aus führen. 

„Tolles Potenzial“ sieht Birgit Eschbach aus Bad Honnef bei Bonn in der Burgstadt. Sie denke ebenfalls darüber nach, sich zu bewerben. Dann würde sie mit Hund Billy einziehen. In den letzten Wochen habe sie eine Tour durch dutzende Städte in Deutschland gemacht. Dabei sei ihr aufgefallen, dass viele die Städteentwicklungen der letzten 20 Jahren verpasst hätten. „Das bietet Chancen“, meint die Kommunikationswirtin, die auch von Altena aus arbeiten könnte. 

Zu Fuß oder per Aufzug im Innenhof der Burg angekommen, erklärte Altenas baldiger Bürgermeister, Uwe Kober: „Wohnen in Altena ist so attraktiv wie selten.“ Als Beispiel nannte er ein Einfamilienhaus mit gutem Grundstück. Das koste hier vielleicht die Hälfte als etwa in Dortmund. Auch sonst sei Altena eine tolle Stadt. Der Bahnhof liege zentral und mit der „hoffentlich im nächsten Jahr kommenden ICE-Verbindung“ sei man schnell in Dortmund. Kober bezeichnete das Projekt als „grandios gut“ und freue sich, wenn im Anschluss möglichst viele dauerhaft in der Burgstadt bleiben.

 Erstmal nur Konzepte für Schwarzenstein

 Wieder in der Burg Holtzbrinck, warf Roland Balkenohl, Abteilungsleiter Planen und Bauen der Stadt, einen Blick auf die Brache Schwarzenstein. Dass an diesem Schandfleck in dem halben Jahr, in dem die Pioniere hier sind, allerdings schon etwas passiert, schließt Initiator Fischer im Gespräch aus. „Wenn überhaupt erstellen wir Konzepte.“ Potenzial biete das riesige Areal dennoch reichlich, meint Fischer, der es sich bereits angesehen hatte. Besucht wurde die Brache Schwarzenstein am Samstag indes nicht. Wer mitmacht, bekommt fast ein Rundum-Sorglos-Paket, aber kein Stipendium. Wohnungen in Altena zeigte der Chef der Baugesellschaft den Interessierten nach dem offiziellen Teil.

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