Digitalarbeiter in Altena

„Summer of Pioneers“ startet: Pionierin erzählt, was Altena erwarten kann

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Christina Quast koordiniert den „Summer of Pioneers“.

Der Frühling ist noch gar nicht richtig in die Gänge gekommen, da klopft in Altena schon der Sommer an die Burgmauern. Anfang Juni beginnt der Summer of Pioneers, bei dem sich vieles um die Zukunft der Stadt drehen wird.

16 kreative Digitalarbeiter, die für ein halbes Jahr in Altena leben und in CoworkingSpaces arbeiten werden, sollen innovative Projekte in und für die Stadt entwickeln, neue Impulse geben und sich mit ihren Ideen für Altena einbringen. Christina Quast, die den ersten „Summer of Pioneers“ im brandenburgischen Wittenberge miterlebte und -gestaltete, wird mit ihrem Erfahrungsschatz das Projekt in Altena koordinieren. Mit der 39-Jährigen aus Dortmund, die ihre möblierte Wohnung an der Kirchstraße schon bezogen hat, sprach AK-Redakteur Lars Schäfer.

Frau Quast, Sie haben bereits einige Tage in Altena verbracht. Wie fällt der erste Eindruck aus?
Mir ist aufgefallen, dass sich seit dem ersten Treffen für Interessenten des Projektes im Oktober, als ich auch schon dabei war, recht viel getan hat in dieser doch kurzen Zeit. Ich denke da an die neue Brücke oder an neue Geschäfte. Ich habe mich auf jeden Fall auf Anhieb wohlgefühlt, als ich mal die Lenne entlanggegangen bin und schon so ein paar nette Plätze entdeckt habe, die man nutzen könnte, wenn die Sonne denn mal scheint.

Nämlich wo?
Das Lenneufer auf jeden Fall. Ich fand auch die Steinerne Brücke ganz nett, bis dahin bin ich schon gekommen. Und dann muss ich auch mal raus aus dem Stadtzentrum und über die Berge. Da gibt es sicherlich noch viel zu entdecken.

Was gefällt Ihnen in oder an dieser Stadt auf Anhieb besonders gut?
Es ist in Altena, wie ich finde, recht bergig. Das gefällt mir. Die Stadt liegt im Tal, die Häuser sind ja quasi untereinander gestapelt. Das finde ich spannend, denn das findet man auch nicht überall so. Für mich ist es wichtig, weil ich kein Auto fahre, dass es einen
Zuganschluss gibt. In Altena ist vieles sehr nah beieinander. Man kann auch in der Fußgängerzone wohnen, wo man alles Wichtige hat, was man benötigt. Aber man benötigt auch nur zehn Minuten, um irgendwo alleine am Ufer zu sitzen. Andersrum braucht man nicht lange, um mal in eine Großstadt zu pendeln. Ich bin gespannt und freue mich darauf, alles mal kennenzulernen. Wie zum Beispiel viele nette Gastronomien oder Läden.

Wenn man Ihren Namen im Internet sucht, findet man Schlagworte wie freie Digital-Journalistin, Trainerin oder selbstständige Hashtaghüterin. Geben Sie uns doch bitte einen Einblick in Ihr Berufsleben.
Grundsätzlich bin ich seit meinem Studium – ich bin gelernte Journalistin – selbstständig. Ich habe dann sehr schnell einen Fokus auf digitale Tools (ein Tool ist ein Werkzeug oder Hilfsprogramm, Anm. d. Red.) entwickelt. Einerseits für Journalisten. Ich schreibe dann darüber, welche Tools empfehlenswert sind. Und andererseits auch für Veranstaltungen und Events. Seit der Corona-Pandemie, also seit fast einanderthalb Jahren, kümmere ich mich sehr stark um die Betreuung und Moderation von digitalen Veranstaltungsformaten. Da ist eben die Schnittstelle zwischen Tools und Events. Und selbstständige Hashtaghüterin ist eine Berufszeichnung, die mir aufgrund meiner Tätigkeit gegeben wurde – und tatsächlich über Twitter kam. Weil ich eben auch viele Veranstaltungen als Journalistin über Social Media betreut habe und die Live-Berichterstattung über Social Media gemacht
habe. Und da der Hashtag bei Twitter ja ein großes Merkmal ist, hat mich jemand, auch über Twitter, als Hashtaghüterin bezeichnet. Ich habe das dann als meine Berufsbezeichnung übernommen. Ich wäre wohl selbst nicht auf einen so kreativen Begriff gekommen. (lacht)

Für Sie reicht also ein Laptop, ein Smartphone und ein Internetanschluss, um auf der ganzen Welt arbeiten zu können...
Genau so ist das! Ich habe tatsächlich alles auf klein. Wenn ich bei einer Veranstaltung vor Ort bin, habe ich alles, was ich benötige, im Handtaschenformat dabei. Durch das Homeoffice habe ich jetzt alles verdoppelt, sodass ich immer redundante Technik habe. Und größere Bildschirme. Aber das passt alles in einen Karton.

Warum sind Sie beim Summer of Pioneers dabei? Was genau macht den Reiz aus?
Das schließt an die letzte Frage an. Ich bin nicht an einen Ort gebunden, um zu arbeiten. Und finde es dann schön, abseits des
Bildschirms was anderes zu sehen, Gegenden zu erkunden. Ich habe schon immer – und völlig unabhängig vom Summer of Pioneers – über einen zweiten Standort nachgedacht. Weil ich eben nicht an eine Stadt oder einen Standort gebunden sein, sondern den Mix aus Stadt und Land haben möchte. Da kam so ein Summer of Pioneers gerade recht. Wenn ich unterwegs bin, dann bin ich da auch gerne länger. Also länger als eine klassische Touristin. Ich möchte dann eher so wohnen, wie jemand vor Ort.

Sie haben in Wittenberge den Pionier-Sommer 2019 bereits erlebt und gesagt, dass er ein „voller Erfolg“ gewesen sei. Woran zeigt sich dieser Erfolg?
Der Erfolg zeigt sich schon allein daran, dass das Projekt verlängert wurde. Das ist ein Punkt. Ein anderer Punkt: Nach Ende des Projekts sind mindestens ein Dutzend Pioniere geblieben und haben das Ganze in einer Community (englisch für Gemeinschaft, Anm. d. Red.) fortgesetzt, in der sich inzwischen mehr als 60 Leute befinden, die sich gerne in der Prignitz vernetzen und zusammenarbeiten möchten. Und die Interesse haben, dort hinzuziehen.

Sie sagen, dass ein Dutzend Pioniere in Wittenberge geblieben sind. Warum sind Sie nicht geblieben?
Ich bin tatsächlich auch länger geblieben, also über die Projektzeit hinaus. Insgesamt waren es 15 Monate. Seitdem der aktuelle Lockdown läuft, bin ich zurück in Dortmund, weil man wegen Corona einfach auch monatelang nicht viel machen konnte und alles zu war. Und dann kam das Angebot, dass ich den Sommer of Pioneers in Altena mitgestalten und eben auch Altena entdecken kann. Was ja auch gerade von der Landschaft komplett gegensätzlich ist zu Wittenberge, das komplett flach ist. Dank Homeoffice arbeite ich aber auch weiterhin für Kunden in der Prignitz und und bin mit der Community dort verbunden.

Warum wird Altena vom Pioniergeist profitieren?
Weil viele Pioniere mit unterschiedlichen Blickwinkeln kommen, mit unterschiedlichen Hintergründen. Und auch mit der Lust, etwas zu schaffen und vielleicht die Dinge zu entdecken, die man als Bürger vor Ort gar nicht so im Blick hat. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind den Pionieren total wichtig. Und diese Möglichkeiten gibt es in diesen kleineren Städten oder Örtchen. Man kann viel tun. Wichtig ist, dass es zum Austausch kommt. Und ich bin sicher, dass wir etwas schaffen werden. Vielleicht auch Sachen, die man nicht gedacht hätte. Auf der Liste in Wittenberge standen nach einem halben Jahr 30 verschieden große Projekte.

Stichwort Industriebrache Schwarzenstein: „2021 habt ihr als Pioniere die einmalige Chance, die Nachnutzung für Schwarzenstein zu prägen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein neues Kapitel in der Stadtentwicklung einzuläuten“, hieß es in der Ausschreibung für den Pionier-Sommer. Die Erwartungshaltung ist nicht gerade klein...
Genau. Wir müssen einfach schauen, was möglich ist und mit was sich die Leute einbringen können. Wir haben einen Schwerpunkt auf erneuerbare Energien und Digitales. Aber ich habe auch schon gemerkt, dass gerade aus Industriebrachen, aus Industriekultur etwas zu machen, auf großes Interesse stößt. Diese Möglichkeit hat man ja auch nicht überall. Ich glaube, es geht dann richtig los, wenn sich die Gruppe zusammengefunden hat und dann auch erste Ideen auf Papier kommen.

Apropos zusammenfinden. Am Mittwoch gab es ein Zoom-Meeting, in dem sich die Pioniere vor ihren Laptops schonmal beschnuppern konnten. Wie ist Ihr Eindruck von den Männern und Frauen, die demnächst in Altena leben und arbeiten werden?
Wie schon angeklungen, gibt es eine sehr, sehr bunte Mischung mit unterschiedlichen Herkünften und unterschiedlichen Formationen – die Pioniere kommen als Pärchen, als Familie mit Kind, allein, als digitaler Nomade. Einer wird von Gran Canaria aus nach Altena kommen. Alle werden ihre Sichtweisen mitbringen und sich erstmal zusammenfinden müssen. Sie sind jedenfalls alle gespannt auf Altena.

Am 7. Juni geht es in CoworkingSpaces los. Aber Hand aufs Herz: Sie haben die ersten Ideen doch schon sicher im Koffer oder auf dem Rechner...
Ich glaube tatsächlich, dass jeder Einzelne schon Ideen hat. Ich auch. Wie schon gesagt: Veranstaltungen zu organisieren ist mein Ding. Vielleicht am Anfang wegen Corona digital. Aber ich hoffe sehr, dass man auch Veranstaltungen in Präsenzform veranstalten kann. Meiner Meinung nach bekommt das Ganze erst seinen Reiz, wenn sich die Pioniere zusammenfinden, besprechen und Dinge gemeinsam verbessern. So, dass sich Gruppen und Projekte bilden. Und dann das Ganze kombinieren mit den Leuten vor Ort. Denn dann kommen viele Ideen zusammen – und es kann etwas Neues oder Größeres entstehen.

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