Süderlande-Verein ehrte vor 130 Jahren seinen Stifter Karl Mummenthey

Ein Pokal kehrt zurück

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Ein prachtvolles Stück aus Altenaer Produktion.

Altena - Das ist eine dieser Geschichten, die das Leben schrieb – und zwar viel besser als jeder Schriftsteller. Ihren Anfang nahm sie am 29. Juli 1888 im Bentheimer Hof in Hohenlimburg. Warum dort und nicht in Altena, das ist nicht überliefert.

 Fakt ist, dass an jenem Tage Karl Mummenthey von Wesel an die Lenne reiste, um eine Ehrung des „Verein für Orts- und Heimatkunde im Süderlande“ entgegenzunehmen – er war dessen Gründungsvorsitzender.

Die Ehrengabe hatte es in sich, bestand sie doch aus einem prächtigen, in der Altenaer Silberschmiede Künne gefertigten Pokal. Nach der Ehrung fuhr Mummenthey nach Hause und mit ihm der Pokal. 130 Jahre später ist das gute Stück in voller Pracht zurückgekehrt – „wir haben ihn beim Goldschmied aufpolieren lassen“, berichtet Heinrich Simpson aus Bielefeld.

Seine Frau Adelheid war eine Nachfahrin von Mummenthey und hatte den Pokal geerbt. Nach ihrem Tod stellte sich die Frage, was aus dem Pokal werden sollte. Eigentlich war vorgesehen, dass Sohn Bernhard ihn bekommen sollte. Aber dann tagte der Familienrat und traf eine ganz andere Entscheidung: „Wir wollten, dass er nach Altena zurückkehrt“. Das war leichter gesagt als getan.

Der Familie Simpson ging es zwar nicht in erster Linie ums Geld, verschenken wollte sie den Pokal aber auch nicht. Über den Kaufpreis schweigen die Beteiligten – aber dass das gute Stück nicht ganz billig gewesen sein wird, ergibt sich schon aus dem reinen Materialwert: Der Pokal wiegt gut zwei Kilo und besteht aus 800er Silber. Hinzu kommt die hohe Handwerkskunst, die hier zum Ausdruck kommt.

Geschaffen wurde der Pokal in der Silberschmiede Künne, die einst dort stand, wo sich heute die Deutsche Bank befindet. Sie war weit über die Grenzen des Deutschen Reiches hinweg bekannt. Blattornamente, silbernes Weinlaub mit Weintrauben in naturgetreuer Darstellung, vier Plaketten mit Darstellungen der Burg, einer Würdigung Mummentheys und anderen Motiven und obendrauf Hermann der Cherusker – ein überaus prächtiges Geschenk.

Wer war Karl Mummenthey, dass die Altenaer ihn so hoch ehrten? Er kam 1871 als Lehrer nach Altena und gab dem kulturellen Leben in der damals in voller Blüte stehenden Stadt viele Impulse. 1875 gründete er mit Gleichgesinnten den „Verein für Orts- und Heimatkunde im Süderlande“, der schon 1879 an der Thoméestraße das erste Altenaer Museum eröffnete. 1888 wechselte Mummenthey an eine Schule in Wesel, weil er im Rheinland bessere Bildungschancen für seine drei Töchter vermutete. Ihn für seine Verdienste zu ehren, war dem Museums-Verein ein großes Anliegen. Deshalb beschloss er am 16. Mai 1888, ihm „als Ehrengabe einen silbernen Pokal im Werte von 450 Mark zu überreichen. Die Mittel sollen durch freiwillige Spenden der Mitglieder aufgebracht werden“.

450 Mark entsprachen 1888 etwa drei Monatslöhnen eines Facharbeiters – viel Geld also. Museumsleiter Sensen vermutet aber, dass der Pokal sogar noch deutlich teurer war, bei der Sammlung also mehr Geld als erwartet zusammenkam. Zurück zur Familie Simpson und deren Wunsch, den Pokal zu verkaufen: Wenn solche Angebote an Museumsleiter Sensen herangetragen werden, dann weiß der, an wen er sich wenden kann: An die „Freunde der Burg Altena“, die sich als direkte Nachfolgeorganisation des „Verein für Orts-- und Heimatkunde im Süderlande“ verstehen.

Natürlich hat dieser Verein auch Vorsitzende – aktuell ist das Bernd Falz, der zur Präsentation des Pokals am Donnerstag Heinrich Simpson auch Caroline Pfleging begrüßen konnte. Deren Vater Dr. Horst Pfleging war bis 2009 Vorsitzender der Freunde der Burg. Er und auch seine Frau Eva hatten verfügt, dass nach ihrem Tod statt Blumen und Kränze Spenden für die „Freunde der Burg“ gewünscht seien.

Als Dr. Pfleging 2013 starb, kam soviel Geld zusammen, dass eine Drahtplastik von Stefanie Welk angeschafft werden konnte. Die Spenden nach dem Tod von Eva Pfleging im Juni 2018 ermöglichten jetzt den Ankauf des Mummenthey-Pokals, der in einer Vitrine im Ausstellungsraum „Dies und das“ bewundert werden kann.

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