Auf der Suche nach dem alten Stadttor

+
Die Scherbe aus dem Blumenthal‘schen Haus mit gut sichtbaren Wappenelementen und rechts die Abbildung in einem Katalog des Burgmuseums. Der vollständige Krug ist auf das Jahr 1570 datiert worden. -

Andreas Blumenthals Haus an der Lennestraße hält immer wieder eine Überraschung bereit. Krug-Fragment mit herzöglichem Wappen

Von Thomas Keim

ALTENA -Wer ein altes Haus sein eigen nennt, der hat immer was zu tun. Je älter das Haus, desto mehr wächst der Aufgabenkatalog für den Eigner. Nicht jeder allerdings hat das Glück, für die viele Arbeit immer mal wieder mit einer handfesten Überraschung belohnt zu werden. Im Falle des Hauses Lennestraße 67 sind es diesmal Spuren, die auf eines der einstigen Stadttore hindeuten und eine Scherbe – eine Scherbe, wie sie nur in einem Gebäude auftauchen kann, dass eine lange Geschichte hat.

Die hat das Haus Lennestraße 67 zweifellos – aber sie ist nicht ohne weiteres zu fassen. Zwei Vorbesitzer nutzten es als Reformhaus und Drogerie, davor war hier das Kolonialwarengeschäft von „Frau E. Steller“ ansässig. Um 1740 hatte sich dort ein Bäcker namens Op der Beck niedergelassen. Auf seine Tätigkeit weist noch heute ein Kamin mit „professionellen“ Dimensionen hin, den Blumenthal im rückwärtigen Teil des Hauses entdeckte. Heute nutzt ihn der Altenaer zum Schmieden.

Jetzt hat der Hobby-Archäologe und Hausforscher in der so genannten Huckengasse an der Nordseite seines Hauses Putz von der Wand abgeklopft – und bekam ein weiteres Mal Grund zum Rätseln. In etwa zwei Metern Höhe fanden sich in der Wand drei starke Quader. Mit kundigem Blick ist außerdem zu erkennen, dass dort wohl früher einmal ein Bogen ansetze, der in Richtung Lenne strebte. Blumenthal hat seit längerem die Vermutung, dass sein Haus – zumindest Teile davon – einmal zum mittelalterlichen Stadttor gehörte. Das Grundstück liegt auf einer Fläche, die in einer alten Flurkarte als „Tor an der Reihe“ bezeichnet wird. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, warum die Parzellen ausgerechnet diesen Namen erhielten. Das war um 1200, zu einer Zeit, als die Stadt an Blumenthals Haus begann und an der Lutherkirche endete.

Der Hausforscher macht außerdem darauf aufmerksam, dass seine Immobilie mit dem Burgtor und dem „Kicküm“ sauber in einer Flucht liegt. Wenn dort einst – wie vermutet – ein Vorposten der Burg lag, wird für Blumenthal ein Schuh draus: „Da konnte man das ganze Tal abriegeln.“

Nicht schlecht staunte Blumenthal auch bei einer weiteren seiner hausinternen Grabungen. Im rückwärtigen Bereich des Ausstellungsraumes stieß er in etwa 40 Zentimetern Tiefe auf eine Scherbe, die sich von den vielen anderen, die er schon gefunden hatte, unterschied. Deutlich waren Teile einer Verzierung zu erkennen. „Irgendwo hatte ich das schon mal gesehen“, erinnerte sich der Hausforscher. In einem Katalog des Burgmuseums wurde er fündig: Er ist überzeugt, das Fragment eines Kruges mit dem Wappen des Herzogtums Kleve Jülich Berg gefunden zu haben. Ein vollständiges Exemplar – datiert auf das Jahr 1570 – gibt es im Burgmuseum.

Für Andreas Blumenthal wird die Suche nach den übrigen Geheimnissen der alten Immobilie weitergehen. Irgendwo wird sie schon noch liegen, die letzte große Überraschung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare