Ein „Stück Evingsen“ mit Bedacht umgestalten

Nur lachende Gesichter, denn „Inne Schledde“ wird es weiter gehen. Darüber freuen sich Magdalene Ossenberg und Wirt Günter Drobig (rechts). Möglich macht es der neue Eigentümer Peter Beckmerhagen, der in dieses Stück Evingsen investiert.

ALTENA - Im Grunde ist ,Inne Schledde’ der letzte Dorfgasthof hier bei uns in Evingsen. Schön, dass es doch noch weitergeht“. Herzhaft drückt Magdalene Ossenberg Peter Beckmerhagen die Hand. Der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Frohn aus der Nette hat das Gastwirtschaft-Ensemble erst unlängst gekauft und möchte es „umfassend, aber behutsam sanieren.“

Auf kleinen Zettelchen hat die 84-Jährige alles Wissenswerte aus der Geschichte des Gasthauses vermerkt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Friedrich führte sie über 20 Jahre „inne Schledde“. Heute sei sie so was wie die gute Seele im Haus, lobt Peter Beckmerhagen, denn die alte Dame wohnt noch im Gebäude der Dorfkneipe.

Seit 1999 steht Günter Drobig hinter dem Tresen und mit seiner Familie auch in der Küche. „Ich konnte ihn überzeugen, erst noch ein bisschen weiter zu machen“, sagt Peter Beckmerhagen. Es sei wichtig, dass es mit der „Schledde“ weitergehe und es nicht etwa durch den Umbau, die Sanierung und die bauliche Aufwertung zu einem Weggang von Stammgästen, aber auch Kegelbrüdern und Vereinen, komme. „Sind die erst einmal weg, wird es schwierig“, ist sich auch Wirt Günter Drobig sicher. Der 66-Jährige ist mit Leib und Seele Gastronom. „Schreiben Sie: Wir sind die einzige Gaststätte in ganz Altena, wo sie sogar noch nachts um 1 Uhr ein gutes, warmes Essen bekommen“.

Magdalene Ossenberg hat längst noch einmal ihre Notizen gelesen und kann so manche Geschichte aus der langen Zeit der „Schledde“ berichten. Etwa dass „Bolle“, der alte Evingser Schützenhauptmann, hier sein Unternehmen, die Firma Elektro Kampmann, gründete. Dass Fahrschulen hier ebenso residierten wie die Gründung von Band und Döring, heute Futura Druck, vor dem Tresen stattfand.

Westfälisch-deftig sei ihre Küche immer gewesen, sagt Magdalena Ossenberg und sagt: „Meinen Mann kannte niemand unter seinem richtigen Vornamen. Der wurde in Evingsen nur Tola gerufen. So haben wir so gar Post bekommen.“

Der Gastraum mit seinem gefliesten Boden und dem Holzständerwerk rund um den Tresen, die beiden Kegelbahnen und der große Saal – groß genug, einer Gesellschaft mit bis zu 150 Personen zu genügen – Peter Beckmerhagen will erst mal „energetische Dinge anfassen. Dämmen, Heizung austauschen, Fenster erneuern.“ Gemeinsam mit seiner Frau („die hat großes dekoratives Geschick und schon viele Ideen“) soll sich dann auch in den Gasträumen etwas tun. Aber alles im Rahmen. „Tradition pflegen heißt auch Bewahren“, sagt Peter Beckmerhagen. „Wir wollen, dass sich die Evingser weiter in ihrer Dorfkneipe wohl fühlen“.

Und ganz besonders wichtig ist dem neuen Eigentümer, dass sowohl der Schützenverein, als auch der TS Evingsen, der SGV oder die Alten Herren – um nur einige zu nennen, „weiter gerne wieder kommen.“ Man wolle niemanden ein Konzept überstülpen, das nicht nach Evingsen passe. „Aber durch solche Maßnahmen können wir auch die Kosten senken. Das ist nun mal unerlässlich“, sagt der Kaufmann.

Zum Haus gehören noch drei Wohnungen – in einer wohnt Günter Drobig. Und das soll vorerst auch noch so bleiben – die Nähe zu seinem Arbeitsplatz hat ihn auch dazu bewogen, noch ein bissen dranzuhängen, „obwohl ich auch schon 66 Jahre alt bin.“

Die Arbeiten werden in Kürze beginnen, aber so, dass möglichst nicht für lange Zeit geschlossen werden muss. Schließlich gibt es in Evingsen ja nur noch „eine wirkliche Dorfkneipe“ wie Magdalena Ossenberg noch einmal betont. „Inne Schledde“ gehöre einfach zum Dorf und ins Dorf.

von Johannes Bonnekoh

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