Studentin: „Schützenfest ist kultureller Sonderfall“

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Nadine Hampel ist stolz auf ihr Buch, das es seit kurzem zu kaufen gibt.

ALTENA ▪ Schützenfest gleich Ausnahmezustand: Das weiß in Altena nahezu jeder. Warum das allerdings so ist, damit hat sich jetzt Studentin Nadine Hampel auseinander gesetzt.

„Das Schützenfest als kultureller Sonderfall: Dargestellt am Beispiel einer westfälischen Kleinstadt – eine kulturell-phänomenologische Erläuterung.“, heißt ihr Buch, das jetzt im VDM-Verlag erschienen ist. 67 Seiten umfasst das Werk.

In verständlicher Weise beschäftigt sich Hampel mit der Entwicklung des Schützenfestes, Brauchtümern und Bestimmungen. „Das Buch ist für jeden Altenaer gedacht, den es interessiert, wie seine Stadt zum Schützenfest gekommen ist“, erklärt sie. Entstanden ist es im Rahmen ihrer Bachelorarbeit.

Idee war schnell gefunden

Nadine Hampel hat an der Universität Siegen Literary, Cultural and Media Studies studiert. Ihre Bachelorarbeit wollte sie im Bereich der Kulturwissenschaft verfassen. Da sie selbst eng mit dem Altenaer Schützenverein verbunden ist, war die Idee schnell gefunden. „Obwohl ich erst dachte, mein Dozent schickt mich rückwärts wieder raus“, lacht sie.

Hampel ist Mitglied des aktuellen Hofstaats und vom Altenaer Schützenfest begeistert. Das merkt man auch in ihrem Buch. Denn was das Schützenfest in der Burgstadt besonders macht, weiß die Altenaerin genau. „Das wird hier riesig gefeiert. Da fragt man sich, wo kommen die ganzen Menschen her“, erklärt die Studentin. Fasziniert habe sie vor allem die lange Tradition der Altenaer Schützengesellschaft. „Die meisten Brauchtümer und Sitten bestehen schon so seit Anfang an“, weiß Hampel. Schießen, Marschieren und auch die Kompanien gebe es seit hunderten von Jahren. Andere dagegen, wie das Brüchtengeding, vergleichbar mit dem Evingser Femegericht, seien mit der Zeit eingeschlafen.

Reiz im gesellschaftlichen Aspekt

In ihrem Buch bezeichnet sie das Schützenfest als einen kulturellen Sonderfall. Warum das so ist, erklärt die 23-Jährige so: „In der heutigen Zeit ist es nicht mehr gang und gäbe, kulturelle Ereignisse noch genauso zu feiern, wie früher.“ Der Reiz des Schützenfestes liegt ihrer Meinung nach im gesellschaftlichen Aspekt. So bilden die Kontakte, die man beim Schützenfest pflegt, den Kern des Brauchtums. „Alle kommen fürs Schützenfest zurück. 30-Jährige schlafen dann wieder bei Mutti im Gästezimmer“, weiß die Studentin.

Ein Kapitel ihres Buches beschäftigt sich auch mit der Trinkkultur der Altenaer Schützen. „Bier ist definitiv das wichtigste Getränk“, stellt Nadine Hampel fest. Aber auch der Entstehung des Knickebeins ist sie auf den Grund gegangen. 1869 sei das Schnapsgemisch zum ersten Mal aufgetaucht. Um dessen Entstehung rankten sich verschiedene Geschichten. So habe angeblich ein Schützenkönig die ungewöhnliche Schnapsmischung erfunden – und sei nach deren Konsum mit den Beinen „eingeknickt“.

Kaum Literatur übers Schützenfest

Aber auch richtige Krimis versteckten sich in der Geschichte der Friedrich-Wilhelm-Gesellschaft: So wurden die Statuten währen der Zeit des Nationalsozialismus im Glockenturm versteckt und dort beinah vergessen.

Die Recherche gestaltete sich für die junge Autorin nicht immer einfach. „Es gibt kaum Literatur übers Schützenfest“, sagt sie. Zahlreiche Besuche im Stadtarchiv, Interviews mit dem Hauptmann und eigene „Brauchtumsforschung“ hielten für Hampel wichtige Ergebnisse bereit. Nach über drei Monaten Arbeit hält sie nun ihr eigenes Buch in den Händen und ist „ein bisschen glücklich“, wie die Studentin lächelnd erzählt. „Schließlich habe ich viel Arbeit und Mühe investiert.“ Sie wünscht sich mit ihrem Buch „die Altenaer noch mehr für ihr Fest zu begeistern.“ ▪ Carolin Hüppe

ISBN-13: 978-3639271850

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