Strom kommt aus dem Wasser

Walter Gäckler (rechts) zeigte dem Landrat und seinen Gästen das Material, aus dem die beiden Schläuche des Wehres bestehen. Er wusste aber auch Interessantes über die Geschichte der Anlage zu berichten. Foto: Bender

Altena -  Nach ihrer Sanierung dürfte die Wasserkraftanlage Schwarzenstein eine der leistungsfähigsten im Märkischen Kreis sein: Ihre Leistung betrage bei optimalem Wasserstand bis zu 420 Kilowattstunden, erklärte gestern Walter Gäckler.

Der Rentner kennt das Wehr wie kein zweiter: Im Buchholz aufgewachsen, trieb er sich als Kind schon an der Lenne herum. Als Lehrling bei VDM musste er im Winter mit „Eisstangen“ dafür sorgen, dass kein Treibeis in den Obergraben driftete. Seit die Wehranlage an einen Privatmann verkauft ist, kümmert er sich in dessen Auftrag darum, dass Wehr und Turbine bestens in Schuss gehalten werden.

Gestern gab es aber etwas Neues für den Hüter des Wehres: Einen Landrat hat er dort noch nie begrüßen können. Und die für Umwelt zuständige Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümpel sowie rund 20 interessierte Bürger aus dem Märkischen Kreis hatte Thomas Gemke gleich noch im Schlepptau, als die Klimatour des Kreises gestern an der Wehranlage Station machte.

Den Einsatz regenerativer Energien und sonstige Intiativen zur Verminderung des CO2-Ausstoßes im Märkischen Kreis zu zeigen – das ist das Thema der dreitägigen Tour, zu der der Landrat eingeladen hatte. Am Schwarzenstein war Wasserkraft Thema. Die wurde an dieser Stelle schon genutzt, als sie noch nicht zur Stromerzeugung, sondern zum Antrieb von Wasserrädern diente, wusste Gäckler zu berichten. Strom wird seit gut 100 Jahren erzeugt, zunächst zum Eigenverbrauch des Werkes. Inzwischen wird er ins Stromnetz eingespeist – natürlich auch, um Geld damit zu verdienen, wie Gäckler frank und frei erklärte.

Damit die Euros auf der Grundlage des Energieeinspeisegesetzes weiter rollen können, wurde in den vergangenen Jahren erheblich investiert: Die alte Wehranlage wurde durch ein modernes Schlauchwehr ersetzt –ein luftgefüllter Schlauch staut die Lenne auf und reguliert vollautomatisch den Wasserstand. Bei Hochwasser macht das Wehr sich flach, das Wasser kann frei abfließen – gut für die Anlieger oberhalb, für die die Hochwassergefahr jetzt deutlich gesunken ist.

Im Zuge der Wehrsanierung wurde auch eine Fischtreppe eingebaut, an der zurzeit eine Reuse im Einsatz ist – ein Biologe untersucht, ob der Fischaufstieg auch angenommen wird. Bis zu 40 Fische pro Nacht würden registriert, erklärte Gäckler dem Landrat und seinen Gästen und führte dann noch die „Schnecke“ vor – eine Art Wasserrad, die durch das Restwasser angetrieben wird. Mindestens drei Kubikmeter müssen nämlich ins eigentliche Flussbett abgegeben werden. Ein Teil fließt durch die Fischtreppe, der Rest treibt die Schnecke an. Sie hat eine Leistung von etwa 25 Kilowatt – allein das reicht aus, um 44 Einfamilienhäuser zu versorgen.

von Thomas Bender

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