„Verwahrentgelte“

Strafzinsen: Auch Sparkasse und Volksbank halten jetzt die Hand auf

Sparschwein
+
Wer zu viel spart, wird bestraft: Für Einlagen über 100000 Euro verlangt die Vereinigte Sparkasse neuerdings ein „Verwahrgeld“.

Auf „Verwahrentgelte“ ­ - so nennen Geldinstitute selbst gerne Strafzinsen auf Einlagen ihrer Kunden - müssen sich neuerdings auch Kunden der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis und der Volksbank im Märkischen Kreis einstellen.

Altena - Die Negativzinsen betreffen allerdings zurzeit nur diejenigen, bei denen das bei der Bank geparkte Geld 100.000 Euro überschreitet. Sparkassen-Sprecher Tomislav Majic bestätigt diese Marke. „Das ist ein Thema, an dem keiner mehr vorbeikommt.“ Seit Jahresbeginn sei das so.

Praxisbeispiel: Hätte ein Sparer aktuell auf Tagesgeld- und Girokonto eben jene 100.000 Euro liegen, so wäre es nicht nur so, dass die Tages- und Festgeldzinsen unterhalb der Inflationsrate lägen, de facto also Jahr für Jahr ein Kaufkraftverlust stattfände und das Ersparte praktisch an Wert verlöre. Mit einem „Verwahrentgelt“ müsste der Sparer nun auch noch 0,5 Prozent seines Ersparten ans Geldinstitut abgeben. Bei 100.000 Euro wären dies im Jahr immerhin 500 Euro. Im Sparstrumpf im Keller wäre der Verlust geringer.

Strafzinsen bei Sparkasse und Volksbank: Gründe liegen bei der EZB

Was nach einem Thema klingt, über das sich die Spargemeinde trefflich aufregen könnte, ist auf den zweiten Blick vor allem eine Folge der Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die bittet seit 2014 die Geldinstitute, die kurzfristig Geld bei der Notenbank parken wollen, zur Kasse. Anfangs mit 0,1 Prozent, inzwischen mit 0,5 Prozent der Einlage. Wenn nun eine Sparkasse oder eine Volksbank ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent beim Kunden erhebt, dann ist dies der Betrag, den das Geldinstitut selbst an die EZB weitergeben muss. Nicht die Bank vor Ort verdient, sondern die EZB.

In der Praxis kommt zur Tiefzinspolitik der EZB allerdings noch ein anderer Faktor: Im Pandemiejahr 2020 ist in Deutschland mehr gespart worden. Das setzt die Banken zusätzlich unter Druck. Das bestätigt auch Tomislav Majic: „Der Konsum geht zurück, es bleibt mehr auf dem Konto. Die Leute fahren auch nicht mehr in Urlaub.“ Das Pandemie-Ergebnis ist also: Es wird mehr gespart.

Strafzinsen bei Sparkasse und Volksbank: „Nicht so viele Sparer betroffen“

Wegen der Grenze von 100 000 Euro seien nicht so viele Sparer betroffen, sagt Tomislav Majic. „Und wenn es einen Kunden betrifft, dann wird aktiv das Gespräch mit ihm gesucht“. Dabei sollen Anlage-Möglichkeiten aufgezeigt werden. „Es geht dann ja auch darum, wie viel der Kunde mit uns macht.“ Ziel sei es also nicht nur, das Verwahrentgelt zu vermeiden, sondern auch Möglichkeiten einer Rendite zu eröffnen.

Mit anderen Worten: Wer sein Geld zum Beispiel in Fonds anlegt, muss kein Verwahrentgelt fürchten und darf im günstigen Fall sogar auf einen Kaufkraftzugewinn hoffen. Allerdings ist dies natürlich auch mit einem Risiko verbunden. Einen ähnlichen Weg geht die Volksbank im Märkischen Kreis, die Verwahrentgelte ebenfalls für Beträge ab 100000 Euro erhebt. Bei anderen Instituten liegt die Grenze sehr viel niedriger, zum Beispiel bei der Sparda-Bank West: Sie hält bereits ab 25000 Euro die Hand auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare