Lage spitzt sich zu

Stornierungen ohne Ende: Wirten bricht Weihnachtsgeschäft völlig weg

Viele Weihnachtsfeiern werden storniert, vor allem Firmen sagen ihre Feiern ab. Für die Gastronomen bedeutet das herbe Verluste.
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Viele Weihnachtsfeiern werden storniert, vor allem Firmen sagen ihre Feiern ab. Für die Gastronomen bedeutet das herbe Verluste.

Besinnliche Feier im Kreise der Kollegen? Ob sie Mitarbeiter zur Weihnachtsparty einladen, überlegen sich Firmen in diesen Zeiten zweimal. Die Gastronomen beklagen schon jetzt zahllose Stornierungen. Wirte bangen um die Existenz. Manche Unternehmen gehen aber auch neue Wege.

Altena/Nachrodt – Besinnliche Feier im Kreise der Kollegen? In Zeiten wie diesen kaum vorstellbar, meint Peter Wilm Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Lüling, die wegen Corona ihre Weihnachtsfeier längst abgesagt hat. Natürlich in Absprache mit dem Betriebsrat, wie das Unternehmen betont. Die Brüder Karakus, in deren Haus Lennestein gefeiert werden sollte, seien ebenfalls informiert worden, berichtete Schmidt gestern.

„Die Gastronomie trifft das natürlich hart“, weiß der Unternehmer. Aber auch andere müssen sich auf Einbußen gefasst machen: Bei Lüling war es seit Jahren Brauch, dass auf der Weihnachtsfeier der Hut rumgeht und Spenden der Belegschaft vom Unternehmen großzügig aufgestockt und fürs SOS-Kinderdorf und anders wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt wurden. Auch bei Lüling herrschte Kurzarbeit. Ob man da die Mitarbeiter erneut um Spenden bitten kann, sei angesichts der Einkommensverluste zu überlegen, meint der Geschäftsführer.

Belegschaftsversammlungen statt großer Weihnachtsfete

Verschiedene Belegschaftsversammlungen statt eine große Weihnachtsfeier soll es bei den Walzwerken Einsal geben. „Dieses Jahr müssen wir die Weihnachtsfeier in der Form, wie wir sie mögen, schweren Herzens ausfallen lassen“, sagt Geschäftsführer Dr. Bodo Reinke. Die Ehrungen der Walzwerke-Jubilare finden zwar statt, „aber auch nicht wie sonst. Wir versuchen aber eine andere Form zu finden, damit die Mitarbeiter eine Anerkennung bekommen“, so Reinke. Die Risiken bei einer großen Feier seien einfach zu hoch.

Grundsätzlich kommt das Unternehmen ganz gut durch die Corona-Zeiten. „Es ist nicht die Pandemie das Problem, sondern die Angst vor der Pandemie“, sieht Dr. Bodo Reinke auch übervorsichtiges Handeln als Sorgenmacher. „Das richtige Maß zu finden, ist auch nicht einfach.“ Zurückhaltung bei großen Festen sieht Dr. Bodo Reinke nicht nur im geschäftlichen, sondern auch im privaten Bereich. Die Feier für den 85. Geburtstag seiner Mutter wurde verschoben. „Das ist sehr bedauerlich, aber die ganze Familie hat es so gesehen, dass man das nachholen kann.“

„Wir werden das nicht überleben.“

„Wir werden das nicht überleben.“ So lautet die düstere Prognose von Walter Droste, dem Inhaber der gleichnamigen Gaststätte in Dahle. Damit meint er nicht unbedingt sein eigenes Lokal, sondern die Gastronomie insgesamt. In der Hoffnung, dass es besser werden könnte, habe er für die Vorweihnachtszeit Anmeldungen für einige größere Veranstaltungen gehabt, erklärte der Dahler. „Aber jetzt wird storniert, storniert, storniert.“ Wofür der Gastwirt übrigens durchaus Verständnis hat. „Es macht ja Sinn, sich zu schützen.“

Nicht nur die Veranstaltungen brächen weg, sondern auch das Tagesgeschäft: „Die Leute ziehen sich zurück“, hat Droste beobachtet, „und wenn man den Laden für drei Gäste aufmacht, dann verbrennt man jeden Abend Geld.“ Nicht nur in der Gastronomie, sondern auch im privaten Rahmen wird nicht mehr so viel gefeiert wie sonst, berichtet Droste. Folge: Der Partyservice als zusätzliches Standbein des Lokals wird ebenfalls kaum noch gebucht.

Noch Hoffnung im Café Klunterbunt

Viele Möglichkeiten, in Nachrodt-Wiblingwerde zu feiern, gibt es nicht mehr. Und jetzt fällt für einige Zeit auch die „Schöne Aussicht“ weg. In der Weihnachtszeit wird die Gaststätte in Wiblingwerde gar nicht öffnen – Manfred Winkhaus muss sich am Knie operieren lassen. In Rennerde hofft unterdessen Gisela Gundermann, dass es noch Anmeldungen für kleinere Weihnachtsfeiern im Café Klunterbunt geben wird. „Bis zu 25 Leute sind möglich. Aber noch hat sich niemand gemeldet.“

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