1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Auf den Spuren der Stolpersteine

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Bender

Werbepostkarte von Willi Heckmann / 1936
Auch den aus Altena stammenden Musiker Wilhelm Heckmann steckten die Nazis ins KZ - wegen Homosexualität. © Fotograf: Carl Linke

Der Spur der Stolpersteine folgten am Mittwoch die Neuntklässler der Sekundarschule. Dort gehört es zum Lehrplan im Fach Geschichte, dass sich die Jugendlichen mit der Verfolgung von Juden, Behinderten, Homosexuellen und anderen als „unwert“ angesehenen Menschen durch die Nationalsozialisten beschäftigen – und dabei auch der Frage nachgehen, was ganz konkret hier, in ihrer Heimatstadt Altena, vorgefallen ist.

Altena – Das ist ein Ansatz, den Ulrich Weispfennig sehr begrüßt. Sechs Millionen erforderte Juden – das sei eine riesengroße, abstrakte Zahl, sagte er, als er und Stefanie Ingenpaß die Schüler am Markaner in Empfang nahmen. Greifbar und authentisch werde das Grauen, wenn man durch die Stolpersteine an das Schicksal der Heinemanns, Schnitzlers, Meiers und anderer Familien erinnert werde, die einst in Altena lebten und während der NS-Diktatur ins Konzentrationslager gesteckt wurden. Das haben die meisten von ihnen nicht überlebt.

Die Stolpersteine seien eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig, erklärte Weispfennig den Schülern. Sie werden dort ins Straßenpflaster eingelassen, wo von den Nazis verfolgte Menschen lebten. Es handelt sich um Steine mit einer Messingplakette, in die die Lebensdaten eingraviert sind. Dort, wo heute der Burgaufzug ist, stand das Bekleidungsgeschäft von Berta und Lehmann Meier. 1938 wurde ihr Geschäft „arisiert“, also einem nationalsozialistisch gesinnten Deutschen übergeben.

Heute sind die letzten Juden aus Altena abgewandert.

Akte aus dem Jahr 1942

Die Schnitzlers hätten dann in die ehemalige Synagoge an der Fritz-Thomée-Straße umziehen müssen, erklärten Ingenpaß und Weispfennig ihren jungen Zuhörern. 1942 wurden sie deportiert – „heute sind die letzten Juden aus Altena abgewandert“, hielt die Stadtverwaltung damals in einer Akte fest. Sie liegt heute im Stadtarchiv.

Deren Leiterin Monika Biroth war eine große Hilfe, als Ingenpaß und Weispfennig die Stolperstein-Aktion 2015 zusammen mit einigen Mitstreitern nach Altena holten. Mithilfe der Archivarin habe man viel herausfinden können über das Schicksal der Verfolgten.

Alle Stolpersteine werden von Demnig selbst hergestellt. Der Künstler lege großen Wert darauf, die Angaben der Stolperstein-Initiativen vor Ort zu verifizieren, erklärte Weispfennig den Schülern. Dabei arbeitet er mit dem Bundesarchiv in Koblenz und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zusammen. An den Angaben aus Altena habe man dort nie etwas auszusetzen gehabt, sagte Ingenpaß.

Zehn Stolpersteine hat die Initiative bisher verlegt – neun für deportierte jüdische Mitbürger und einen für den behinderten Altenaer Alfred Wolff, der 1941 in Hadamar ermordet wurde.

Nachfahren der Heinemanns besuchten Altena

Es gab mehr als zehn Altenaer, die von den Nazis verfolgt wurden. Die Aktion werde deshalb auch fortgesetzt, sagte Ingenpaß den Schülern – zum Beispiel mit einem Stolperstein für den damals sehr bekannten Musiker Wilhelm Heckmann, der in Altena aufwuchs und wegen angeblicher Homosexualität in „Schutzhaft“ genommen wurde. Er kam ins KZ Mauthausen, wo er das Lagerorchester leitete.

Geld für weitere Steine sei noch vorhanden, erklärte Ingenpaß am Rande der Veranstaltung mit den Schülern. Ein Teil davon stammt von Nachfahren der Familie Heinemann, denen das spätere Kaufhaus Böhrer gehörte. Vor dem liegen heute gleich vier Stolpersteine. Sie erinnern an Siegmund Heinemann, der 1939 mit seiner Familie nach Belgien auswanderte. 1943 wurden zunächst seine beiden Töchter verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo eine von ihnen im Jahre 1944 starb. Heinemann und seine Frau Helene kamen kurze Zeit später in ein Gestapo-Lager, überlebten die Nazi-Herrschaft und wanderten 1954 mit ihrer Tochter Hannelore in die Vereinigten Staaten aus. Ingrid Dobiey-Heinemann und Steven Heineman mit seiner Frau Leslie und drei Kindern aus Scarsdale im US-Staat New York waren 2016 in Altena, um nach den Spuren ihrer Ahnen zu suchen. ben.-

Auch interessant

Kommentare