Stolperstein-Initiative arbeitet Geschichte auf

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In Meinerzhagen sind diese sechs Stolpersteine an der Straße Zur alten Post 8 (damals Hauptstraße 6) verlegt worden und erinnern an sechs Opfer des Nationalsozialismus. Gedenksteine wie diese soll es auch in Altena bald geben.

Altena - Bewegende Geschichten und wertvolle Tipps hatte Rolf Janßen am Montagabend, 16. Februar, für die Initiative „Stolpersteine für Altena“ im Gepäck. Das Mitglied der Meinerzhagener Stolperstein-Gruppe erzählte im Lutherhaus von seinen Erfahrungen mit der Aufarbeitung der Geschichte.

Wie das AK mehrfach berichtete, setzen sich seit einiger Zeit Stefanie Ingenpaß und ihre Mitstreiter dafür ein, dass auch in Altena Stolpersteine verlegt werden. An den ehemaligen Wohn- oder Arbeitsorten von Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben oder ermordet worden sind, sollen beschriftete Gedenksteine installiert werden.

Rolf Janßen aus Meinerzhagen blickte am Montagabend auf die Organisation des Projekts in seiner Stadt zurück: Angehörige der Opfer wurden ausfindig gemacht und zur Verlegung der Steine eingeladen. Dass Nachfahren der Opfer und Holocaust-Überlebende vor Ort an der Aufarbeitung der Geschichte teilhaben, sei wichtig und das zentrale Element der Aktion, betonte der Referent. „Jeder Stein steht konkret für einen Menschen. Für die Nachkommen, auch wenn sie den Nationalsozialismus selbst nicht miterlebt haben, ist die Geschichte keinesfalls erledigt“, wusste Janßen. Symbolisch seien am jeweils letzten frei gewählten Wohnort des Opfers Familien zusammengeführt worden.

Ingenpaß und den anderen Zuhörern gingen gleich mehrere Geschichten aus Meinerzhagen unter die Haut. Janßen erzählte, dass eine 16-köpfige Familie – bestehend aus drei Generationen – auf Einladung der Initiative aus Israel angereist sei, ebenso ein Ehepaar mit zwei erwachsenen Kindern aus San Francisco.

Aber nicht immer wollen die kontaktierten Angehörigen den Draht nach Deutschland. So hätte es auch Rückmeldungen gegeben, in denen die Einladung abgelehnt wurde, erklärte Janßen den Altenaern. Jeder finde eben seine Art und Weise, mit der Vergangenheit umzugehen.

Dennoch: Allerlei persönliche Kontakte zwischen Meinerzhagenern und Menschen aus aller Welt seien entstanden. Teilweise seien die Gäste bei Familien untergekommen, erklärte Janßen. Und nicht zuletzt die Schulen könnten Geschichte ganz anders unterrichten als zuvor – anhand von Lebensgeschichten konkreter Personen aus der eigenen Stadt.

Ingenpaß zeigte sich begeistert: „Es war ein schönes Gespräch. Rolf Janßen hat sehr lebhaft und ergreifend geschildert, wie es in Meinerzhagen war. Und hatte viele gute Tipps für uns parat.“

Denn bis es in Altena im November zur Verlegung der Steine kommt, muss noch viel organisiert werden. Die Namen und Lebensläufe der Opfer werden mit Hilfe von Schülern des Burggymnasiums und von Kreis- und Stadtarchiven recherchiert. Aus den Ergebnissen wird der Wortlaut für die Gedenksteine formuliert. Letztere müssen schließlich vom Künstler Gunter Demnig gefertigt werden.

Die Angehörigen werden nach Altena eingeladen – auch wenn es sehr unwahrscheinlich sei, dass jemand nach Altena anreise, wie Kreisarchivar Ulrich Biroth schon einmal gesagt hatte.

Rolf Janßen erklärte am Montag detailliert, was bei der Organisation einer Stolperstein-Verlegung noch alles beachtet werden muss. Dazu gehören Absprachen mit Stadt und Anliegern, die Organisation der Finanzierung durch Patenschaften sowie die Planung eines Rahmenprogramms der Veranstaltung.

Von Kristina Köller

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