In Altena waren es sogar noch viele

Auch eine Stichwahl wie die vom Sonntag verursacht hohe Kosten – und es gehen nur wenige zur Stimmabgabe.

Altena - Das erste Ergebnis kam nach noch nicht einmal fünf Minuten – kein Wunder, mussten in der Grundschule Evingsen doch nur 32 Stimmen gezählt werden. Dort wie in den anderen Wahllokalen herrschten bei der Landratsstichwahl am Samstag Leere und Langeweile.

Wie berichtet, beteiligten sich gerade mal 26 Prozent der Altenaer Wähler. Und das war noch ein guter Wert: In Meinerzhagen lag die Beteiligung unter 16 Prozent, kreisweit waren es 19,6 Prozent.

„Ich fand das geisterhaft“ – so fasste Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein seine Eindrücke vom Wahlsonntag zusammen. Zu den Stichwahlen kommt es, wenn im ersten Wahlgang keiner der Bewerber um das Amt des Landrates oder des Bürgermeisters mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Eingeführt hat das die rot-grüne Landesregierung, Hollstein war schon immer dagegen. Die katastrophale Wahlbeteiligung von Sonntag bestärke ihn natürlich in seiner Kritik, sagte Hollstein.

Drei Gründe sprechen nach Ansicht der Kritiker gegen die Stichwahl. Da sind zum einen die Kosten. Allein für Porto und die „Erfrischungsgelder“, die den Mitgliedern der Wahlvorstände zustehen, werden rund 8000 Euro fällig. Insgesamt habe die Wahl einen fünfstelligen Betrag gekostet, weiß Tanja Jäker aus der Stadtverwaltung. Ob es eine Erstattung gäbe, könne sie noch nicht sagen.

„So geringe Wahlbeteiligungen bedeuten auch, dass die Legitimation der Amtsinhaber sinkt“, warnt Hollstein . Das ist wohl wahr – Fakt ist schließlich, dass von 338324 Wahlberechtigten Märkern gerade mal 40832 Gemke gewählt haben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ihm etwa 88 Prozent der Bürger nicht ihre Stimme gegeben haben. Dritter Kritikpunkt Hollsteins: Eine so geringe Wahlbeteiligung führe auch dazu, dass Stichwahlen einer Lotterie glichen.

Viele Politiker jedweder Coleur forderten nach dem Wahlbeteiligungs-Schock vom Sonntag, die Stichwahlregelung wieder zurückzunehmen. Hollstein gehört dazu – „aber ich glaube nicht, dass das Land das tun wird“, sagte er. Zu groß wäre dann der Gesichtsverlust.

Da bleibt dem Altenaer Bürgermeister nur, vor der eigenen Tür zu kehren: Bei immer niedriger werdenden Wahlbeteiligungen müsse die Stadt sich auch Gedanken über den mit der Stimmabgabe verbundenen Aufwand machen. Ob es in Altena auf Dauer wirklich 22 Wahllokale geben müsse, sei auf jeden Fall zu hinterfragen, sagt er. - Von Thomas Bender

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