Bei Sternsingern gilt: Kinder helfen Kindern

Pfarrer Ulrich Schmalenbach: ,,Es gibt auf der Welt so viele Kinder, die kein Zuhause mehr haben. Danke, dass ihr denen helft.“

ALTENA -  Inge Lamster hat die Sternsinger gesichtet, als sie gerade das Geschirr spült. Sie winkt Jonathan Lehmkuhl und Philipp Bürger zu sich ans Haus heran, zückt fünf Euro und eine Tafel Schokolade. ,,Ich freue mich immer, wenn die Sternsinger kommen”, erklärt die Rahmederin.

Von Ina Hornemann

Die jungen Leute bringen an diesem Samstagmittag etwas Leben in den schmalen Stich ,,Zum Hohle”.

Inge Lamster steht als Protestantin gar nicht auf der Liste von Christiane Frebel. Sie begleitet Jonathan Lehmkuhl und Philipp Bürger als Fahrerin. Zu Fuß allein ist die Aktion Dreikönigssingen nicht mehr zu bewältigen. Auch Inge Lamsters Tochter Antje Schmermbeck öffnet die Tür spontan, um etwas zu spenden. ,,Ist bestimmt gar nicht so leicht, noch an Sternsinger zu kommen”, vermutet sie. Deshalb freut sie sich besonders über den spontanen Besuch. Christiane Frebel setzt die evangelischen Mitbürger spontan auf die Besuchsliste fürs nächste Jahr. In der kleinen Stichstraße stehen regulär eine Handvoll Adressen von Katholiken für den Sternsingerbesuch auf dem Papier.

Nicht alle der gelisteten Altenaer haben die Aktion im Hinterkopf, als Jonathan Lehmkuhl und Philipp Bürger an der Haustür klingeln. Andre Frakowiak ist überrascht. ,,Ach ja, da war doch was!”, sagt der Hausherr lachend und ruft in Richtung Wohnstube: ,,Jürgen, hast Du mal zehn Euro klein?”

Die Sternsinger sagen ihren Spruch auf: ,,Sternsinger kommen und Sternsinger singen. Wollen Euch Licht und Segen bringen. Könige kommen und Könige schreiben Zeichen des Segens, die bei Euch bleiben. Wir ziehen nun weiter auf Straßen und Wegen. Ihr seid behütet durch Gottes Segen. Wir verabschieden uns bis zum nächsten Jahr: Kaspar, Melchior und Balthasar.”

Dass drei Könige auf Tour gehen, ist selten geworden. Es gibt zu wenige Kinder und Jugendliche, weshalb auch ein paar Erwachsene sich Gewand, Krone, Spendendose und einen Stern schnappen und von Samstag bis Montag von Haus zu Haus ziehen. ,,Früher wurden die Kommunionkinder einfach verpflichtet”, weiß Christiane Frebel noch. Die Katholische Junge Gemeinde macht es heute auch Sechsjährigen schon schmackhaft, als Sternsinger zu gehen. ,,Die gehen aber nur ein oder zwei Straßen mit. Sie sollen Spaß daran finden und nächstes Jahr wieder Lust daran haben”, erklärt Frebel.

Weil Sternsinger knapp sind, gibt’s die klassische Rollenverteilung auf Kaspar, Melchior und Balthasar auch nicht mehr. Zwei Könige müssen reichen – und einen dunkelhäutigen gibt’s auch nicht mehr, weil viele Kinder die Schminke im Gesicht nicht gut vertragen.

Zum Bedauern von Jonathan Lehmkuhl und Philipp Bürger gibt es auch immer wieder verschlossene Türen. Am Türpfosten von Familie K. klebt noch der Segen von 2009 und auch 2014 macht wieder niemand auf. Aber die erste Etappe ist geschafft.

Weiter geht es, solange die Füße tragen. 19 Sternsinger sind an diesem Wochenende unterwegs. Treppauf und treppab, von Tür zu Tür. Und wer noch Power hatte, machte am Sonntag noch mal weiter.

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