„Stell dir vor, der Aufzug fährt ab nächste Woche“

Andreas Blumenthal in seiner Lederwerkstatt in Altena.

ALTENA ▪ An Ideen mangelt es Andreas Blumenthal nicht – und auch nicht an kritischen Fragen. Stichwort Krämerdorf zum Beispiel. Der 46-Jährige kann mit seiner Lederwerkstatt an der Lennestraße 67 vielleicht als Muster für so einen Krämerladen gelten. So könnten sie vielleicht aussehen, die Geschäfte und Geschäftchen dieses Innenstadt-Projektes.

Welche Erfahrungen hat Blumenthal an seinem Standort gemacht? Gute, wenn sich der Blick nicht nur auf die Laufkundschaft richtet. Die nämlich macht sich rar. „Der Ladenverkauf“, berichtet Blumenthal, „macht vielleicht fünf Prozent aus.“ Auftragsarbeiten bilden den Löwenanteil seiner Arbeit, und davon kommen rund 95 Prozent von außerhalb. Gebrauchsartikel für Motorradfahrer, Reiter und Jäger fertigt Blumenthal dann, auch schon mal Zubehör für das so genannte Re-Enactment, also das Nachstellen historischer Schlachten. Die Mittelalter-Szene sieht er dagegen in einer eher rückläufigen Entwicklung.

Kein Gespräch über die Altenaer Innenstadt ohne das Thema Burgaufzug. „Das ist eine Chance für die Stadt“, sagt Blumenthal ganz klar. Aber um diese Chance zu nutzen, müssten weitere Voraussetzungen erfüllt sein. „Das Umfeld muss gestaltet werden“ – Attraktivität müsse her, also Anziehungspunkte und Blickfänge. In diesem Zusammenhang stellt Blumenthal eine nachdenkliche Frage: „Stell dir vor, der Aufzug fährt ab nächste Woche und die ersten Touristen kämen die Stadt herauf gelaufen... Welchen Eindruck würden die bekommen?“

Dem 46-Jährigen ist aufgefallen, dass sich die öffentliche Innenstadt-Diskussion in den vergangenen Wochen fast nur um den Burgaufzug gedreht hat. „Man sollte lieber die Zeit sinnvoll nutzen, bis der Fahrstuhl da ist.“

Zu bedenken sei überdies, dass die Touristen ein Saisongeschäft bleiben werden. „Wovon sollen die Krämer im Winter leben?“

Ideen für zusätzliche Attraktionen gebe es, „auch ohne Investitionen.“ Blumenthal nennt die Reiterhöfe, Mountainbike- oder Kanutouren, einen Kletterhang oder Après-Ski mit DJ und Flutlicht am Kohlberg. „Das würde laufen.“ ▪ Von Thomas Keim

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