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Schwarzenstein bröckelt: Bundesstraße wieder frei

ALTENA ▪ Riesenglück hatte am Dienstag eine Autofahrerin auf der B 236: Sie konnte gerade noch rechtzeitig bremsen, als vor ihr Dutzende von Ziegelsteinen auf die Straße fielen. Sie stammten vom Haus Werdohler Straße 60, das offensichtlich zumindest in Teilen bereits eingestürzt ist.

Von Thomas Bender

Die Polizei war rasch vor Ort und reagierte angesichts des Bauschutts, der sich über die gesamte Fahrbahnbreite verteilt hatte, schnell und radikal: Die Bundesstraße wurde sofort komplett gesperrt, vor allem aus Richtung Werdohl bildete sich schnell ein langer Stau. Ordnungsamt und Bauaufsicht waren ebenfalls schnell zur Stelle. Im Gespräch mit Anliegern fanden sie heraus, dass am Sonntag Teile des Dachstuhls im seit Jahren völlig maroden Gebäudes in sich zusammengefallen waren. Dabei dürften sich die Ziegelsteine am Gesims gelockert haben, die dann auf der Straße landeten. Die Stadt sei von dem Vorfall am Wochenende nicht informiert gewesen, betonte Bürgermeister Dr. Hollstein.

Um sich einen genaueren Überblick zu verschaffen, wurde die Drehleiter der Feuerwehr angefordert. Stefanie Sand, Mitarbeiterin der Bauaufsicht, kletterte in den Korb, um so den Schaden gefahrlos aus der Nähe betrachten zu können. Ein Gerüst, dass seit Jahren an dem Haus steht und Fußgänger vor herabfallenden Steinen schützen soll, erwies sich bei diesen Kontrollen als nicht mehr standfest, es wurde daraufhin von der Feuerwehr abgerissen. Außerdem räumte die Wehr noch einiges an losen Steinen ab, so dass die schlimmste Gefahr nach einer Stunde beseitigt war und der Verkehr wieder einspurig fließen konnte.

Der Nachrodter Abbruchunternehmer Siegfried Müller wurde ebenfalls zum Schwarzenstein gerufen. Von ihm erhoffte sich die Stadt Hinweise darauf, wie weitere Schäden verhindert werden können. Seinem Rat folgend wurden am Nachmittag große, zum Teil mit Sand gefüllte Container vor die Bauruine gestellt. Sie sollen verhindern, dass weitere Gebäudeteile auf die Straße stürzen.

Das sei natürlich nur eine Sofortmaßnahme, der weitere folgen müssten, sagte der Bürgermeister. Hollstein hatte den Schwarzenstein schon nach seinem Amtsantritt im Jahr 1999 zur Chefsache erklärt, sich anschließend aber immer wieder an Chafik Itani die Zähne ausgebissen. Um das Haus Werdohler Straße 60 gab es vor Jahren gar einen Rechtsstreit. Einst war es Bestandteil des VDM-Komplexes und gilt damit als Gewerbeimmobilie. Itani verlangte, es zum Wohnhaus zu erklären – ein Ansinnen, mit dem er scheiterte.

Das weitere Vorgehen ist kompliziert, weil die Eigentumsverhältnisse verworren sind. Am Schwarzenstein gibt es eine Reihe unterschiedlicher Eigentümer – teils handelt es sich um Privatleute, teils um Firmen aus dem Unternehmensgeflecht des 2011 von seinem Sohn umgebrachten Geschäftsmanns Chafik Itani. Dazu gehört auch die sms manufactering GmbH. Das ist eine ebenfalls im Schwarzensteinkomplex ansässige Firma, die sich mit Galvanik und anderen Techniken zur Oberflächenbehandlung beschäftigt.

Sie stand bisher als Eigentümer des Hauses Werdohler Straße 60 im Grundbuch, hat aber nach Informationen unserer Zeitung vor einigen Wochen einen so genannten „Eigentumsverzicht“ erklärt. Nach einem solchen Schritt wird ein Grundstück „herrenlos“, das Land kann es übernehmen, muss das aber nicht tun. Solange es keinen neuen Besitzer gibt, ist der Alteigentümer für die Gefahrenabwehr verantwortlich. Das regelt das Ordnungsbehördengesetz der Landes.

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