Pfarrer Uwe Krause schlägt Grabstein für den Vater

„In Stein gemeißelt“ - Ein Kopfabdruck in Grauwacke-Gestein

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Viel Kraft muss Pfarrer Uwe Krause aufwenden, um mit dem Hartmetallmeißel und Hammer den Stein zu bearbeiten.

Altena - Ein gepflegter Garten umgibt das Pfarrhaus von Uwe Krause in Dahle. Mittendrin: ein halbes Dutzend oder mehr Skulpturen, Reliefs, Darstellungen aus Stein. Sie alle lohnen einen zweiten Blick. Denn die Grauwacke-Skulpturen, die Schnecken aus Granit oder Bamberger und polnischem Sandstein sind nicht etwa irgendwo gekauft. Es sind eben keine einfachen Dekostücke, die sich der Pfarrer aus dem Urlaub mitgebracht hat. Der Pastor hat alle Stücke selbst im Wortsinne mit seiner Hände Arbeit „in Stein gemeißelt!“

„Sehen Sie hier: Ein Kopfabdruck in Grauwacke-Gestein. Beim Meißeln schlugen die geschmiedenen Eisen Funken. Erst gehärteter Stahl hinterließ die Spuren in dem stark quarzhaltigen Gestein.“ Und Krause fügt an und weist mit der Hand auf „den Kopf“: „Das Steinkissen liegt in unserem Garten.

Kopfabdruck in Grauwacke-Gestein. Eine Arbeit, die das ganze Können des Dahlers erforderte. „Beim Meißeln schlugen die geschmiedeten Eisen Funken. Erst mit gehärtetem Stahlwerkzeug ging es voran

Gerade so, als ob in diesem Moment jemand aufgestanden ist. Der Kopfabdruck ist noch frisch...“ Vor knapp einem Jahr begann der Seelsorger, erste Steinarbeiten anzufertigen. Inspiriert wurde dabei der Sohn eines Handwerkers („mein Vater war Malermeister“) - von Sanierungsarbeiten an seiner Kirche. Immer wieder zog es Krause an die Südmauer der Kirche, die schwer unter dem Wetter der vergangenen Jahre und Jahrzehnte gelitten hatte. Und Krause schaute sich so manchen „Schlag“ von den Steinmetzen ab, wenn sie Steine austauschten. Er stellte Fragen und gab sich dann selbst „an die Aufgabe, einmal einen Stein zu behauen.“ Uwe Krause ist ein Mann des Wortes - nicht nur auf der Kanzel und in der Kirche. Er kann erzählen, er kann ausschmücken, er kann berichten und er fesselt mit Worten. Und so macht es Freude, wenn er vom Selbststudium aus Büchern spricht, vom Anschauen kleiner Filmchen im Internet und den diversen Selbst-Versuchen mit Hammer und Meißel, den ausgewählten Stein so in Form zu bringen, wie er sich das dachte.

Die Lutherrose in einer Interpretation des Dahler Pfarrers. Geschlagen hat er sie aus Sandstein aus der Volksrepublik Polen

„Erst habe ich mit normalen Werkzeugen gearbeitet. Doch dann habe ich begriffen, dass geschmiedetes Spezialeisen den Stein doch ganz anders „frisst“, sagt er gut aufgelegt. Und er schaffte sich entsprechende Meißel, aber auch Hämmer und Schlagwerkzeuge, an. Von unterwegs, von Freunden, aus dem Urlaub, eben überall, wo ihm „interessante Steine“ ins Auge sprangen, nahm er sie, wenn erlaubt, mit nach Hause. Zwar gibt es entsprechende Steine natürlich auch im Fachhandel. Aber mindestens zwei Euro pro Kilogramm sind dann fällig „und was sind schon zwei, drei Kilo Stein?“, fragt Krause und lacht. „Damit kann man doch nichts anfangen!“ Vor Jahresfrist hatte Krause bereits die Idee, aus einem aus den Sommerferien mitgebrachten Findling einen Grabstein für seinen verstorbenen Vater zu gestalten. Ambitioniert, sicher.

Wagnis gelingt

Doch er wagte es und schaffte es auch. „Auf dem Findling ist jetzt vorne der Name meines Vaters eingemeißelt. Er erinnert mich dankbar an unsere gemeinsame Lebensgeschichte.“ Und er fügt bedauernd an, „aber die kann leider nicht mehr mit frischen Erlebnissen fortgeschrieben werden.“ Es sei gar nicht einfach gewesen, den Stein zu bearbeiten, die richtige Schrift „einzugravieren“ und beizubehalten. Aber das Stück sei jetzt eben ein ganz besonderes Familien-Unikat. Warum arbeitet Krause ausgerechnet in Stein? Eine Frage, die er so beantwortet: Erst habe er in und mit Holz arbeiten wollen.

Für seinen Vater Walter Krause gestaltete er einen Grabstein aus einem mächtigen Findling.

Sich dann aber doch für Stein entschieden und schlägt dazu den Bogen zur Menschheitsgeschichte. Krause zitiert die Bibel und das Alte Testament. „Seit Ur-Zeiten haben Menschen Gedenksteine errichtet, um sich zu erinnern. Gerne verewigten sich Könige. Steinstelen erinnern an auch an geltende Gesetze.“ Wenn er deshalb heute einen Meißel in die Hand nehme, könne er sich körperlich „an einem Stein abarbeiten“. Das geschieht natürlich nur mit entsprechendem Kopfschutz, oft im eigenen Garten, früher in der Garage und heute nur noch im Keller. Uwe Krause hat sich extra vor den Eingang seiner Werkstatt eine Staubwand eingebaut. „An sich ist Stein ja nicht schmutzig.

Stein springt

Aber er springt.“ Schnecken, Tierköpfe, Stelen, Körperdetails: Krause versucht, sich vor der Arbeit und dem Meißeln in „den Stein“ hineinzudenken. Und irgendwie kommt dann auch der Meister aller Meister im Gespräch aufs Tapet: Michelangelo. Der habe dem Sinn nach gesagt, wenn er Figuren oder Statuen aus Stein schlage, seien sie ja schon drin in der Masse, er müsse sie nur freilegen. Nun, mit dem Meister vergleicht sich Krause natürlich nicht. Er überlegt aber sehr genau, bevor er den Hammer schwingt. Er versucht, in den Block hineinzusehen und fertigt durchaus auch Skizzen an und hat sich angelesen, wie Steinmetze bestimmte Punkte setzen, um eine Figur mit

dem Meißel zu formen.

Ganz persönlich

„Das Ergebnis von persönlicher Auseinandersetzung, Fantasie und Intuition kann nicht erzwungen werden. Der Stein ist vielschichtig in seiner Substanz. Manchmal hat man viel Arbeit investiert und er bricht. So muss man stets offen bleiben und versuchen, selbst dann noch das Beste daraus zu machen.“

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