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Manche haben schwer zu knacken

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Von: Thomas Keim

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Ganz entspannt volltanken? Ein Vergnügen, dass man sich schon leisten können muss. Viele setzen auf kleinere Spritmengen.
Ganz entspannt volltanken? Ein Vergnügen, dass man sich schon leisten können muss. Viele setzen auf kleinere Spritmengen. © Keim

Altena – Ein Blick auf die Preistafel der Tankstelle an der Bahnhofstraße, Freitagmittag. Diesel steht bei 1,60 Euro, Diesel Ultimate bei 1,80. Für Superbenzin (E10) werden 1,71 aufgerufen, für Super E5 1,77. Ultimate 102 kommt nur in den Tank, wenn jemand 1,97 Euro blechen will.

Der Handwerker

Kai Schümann ist Inhaber eines Fachbetriebes für Sanitär- und Heizungstechnik in Dahle. Zu seiner Flotte gehören fünf Fahrzeuge, die mit Diesel gefüttert werden wollen. Und es müssen im Dienst am Kunden auch mal längere Strecken zurückgelegt werden, etwa nach Iserlohn oder Lüdenscheid. „Das summiert sich dann schon“, sagt Kai Schümann. Die Firma hat in der Vergangenheit keine Anfahrt berechnet, nur die Wegstrecke ab Werkstatt. Jetzt findet sich auf den Rechnungen aber auch eine Fahrzeugpauschale, „um zumindest einen Teil der Mehrkosten auszugleichen“, berichtet Kai Schümann. Eine Hoffnung, dass die Benzin- oder Dieselpreise in der Zukunft wieder sinken könnten, hat der Dahler nicht: „Das wird sich auf dem Niveau einpendeln.“

Ein Pflegedienst

Zehn Fahrzeuge rollen in der Flotte des Pflegedienstes ProVita, der an der Werdohler Straße zu Hause ist. „Viele hunderte Kilometer fahren wir jeden Tag“, berichtet Inhaberin Sabine Thüer. Das Ärgerliche: Für einen jeden Hausbesuch bekommt ProVita von der Kranken- oder Pflegekasse eine sogenannte Hausbesuchspauschale – sie liegt bei 1,92 Euro. Unabhängig davon, ob der Dienst 5 oder 20 Kilometer fahren muss. „Das macht sich betriebswirtschaftlich natürlich massiv bemerkbar“, sagt Sabine Thüer. Und es gebe „keinerlei Chance, auf die wachsende Belastung zu reagieren. „Unsere Preise werden uns nach Entgeltpunkten zugewiesen.“

Sabine Thüer hat beobachtet, dass es in ihrer Branche bereits zu ersten Insolvenzen gekommen ist.

Die Inhaberin des Pflegedienstes berichtet, dass sie auch über einen Wechsel auf E-Fahrzeuge nachgedacht hat. Das Netz der Ladepunkte sei aber derzeit noch vergleichsweise dünn.

Der Baubetriebshof

Er hat mit den Belastungen durch die Spritpreiserhöhungen auch zu tun, aber sie verursachen an der Brachtenbeck nicht so starke Schmerzen wie anderenorts. Es geht um 25 Fahrzeuge, berichtet Bauhofleiter Robert Groppe, im Winter, wenn geliehene Unimogs dazu kommen, um 30 Fahrzeuge. Nach einem Rahmenvertrag für Kommunen und Feuerwehren bezieht der Bauhof seinen Treibstoff zu einem Durchschnittspreis – einen Rabatt gibt es noch dazu, so Robert Groppe. So machen die Treibstoffkosten ein eher kleines Teil im Getriebe aus. „Personalkosten und Instandhaltung sind da weit gewichtigere Posten“, sagt Groppe.

Ein Mittelständler

Die Treibstoffpreise seien die eine Sache, sagt Fabian Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Lüling. Sie träfen natürlich die Pendler und die Unternehmen würden das auch durch die Spediteure zu spüren bekommen. Schmidt lenkt den Blick aber auch auf die Preise für Strom und Gas – die hätten sich an der Börse verdrei- oder vierfacht. Das sei schon „ein echtes Brett“. Bei energieintensiven Unternehmen müsse man da mit Unterschieden in Höhe von sechsstelligen Beträgen rechnen.

Ein Taxiunternehmen

Katja Dreesmann von „Taxi Katja“ bringt es trocken auf den Punkt: „Wir sind die ärmsten Schweine im Moment.“ Ihre Flotte aus fünf Fahrzeugen übernimmt sehr viele Krankenfahrten. Die werden von den Kassen nach vorgegebenen Preisen unter Berücksichtigung der Strecke erstattet. „Diese Tarife müssten jetzt erhöht werden“, sagt Katja Dreesmann. „Man sollte uns in schwieriger Zeit nicht zappeln lassen, sonst geht es uns an den Kragen.“

Der Märkische Kreis

Der Märkische Kreis hat derzeit einen Fahrzeugbestand von 74 Fahrzeugen. Nicht mitgerechnet sind die Einsatzwagen für den Rettungsdienst.

41 Fahrzeuge sind PKW (darunter zwei E-Fahrzeuge). 15 davon stehen den Bediensteten in einem Fahrzeugpool für Dienstfahrten und Dienstreisen zu Verfügung. „Ebenfalls im Pool sind zwei E-Bikes“, merkt Pressesprecherin Ursula Erkens an.

Darüber hinaus gibt es spezielle Fahrzeuge, darunter auch zehn Nutzfahrzeuge (Sprinter) im Bereich Öffentliche Ordnung und Bürgerservice, Vermessungsfahrzeuge, Fahrzeuge für die Bereitschaftsdienste in den Bereichen Umwelt, Jugendamt, Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung, Gesundheitsamt und Ausländerbehörde oder Fahrzeuge für den Außendienst IT, für die Schulverwaltung und den Fachdienst Kultur- und Tourismus. Für die Bewirtschaftung der diversen Außenlagen an kreiseigenen Gebäuden stehen neun Zugmaschinen zur Verfügung.

Aber: „Wie sich die aktuellen Benzinpreise auf den Haushalt auswirken, kann der Kreis bisher noch nicht abschätzen.“

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