Bis die Bänke beben

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Die Sänger bei ihrem umjubelbeten Auftritt. ▪

ALTENA ▪ Selbst die eifrigsten Kirchgänger, die die evangelische Kirche in Evingsen regelmäßig besuchen, werden sich wohl kaum an ein Ereignis erinnern können, bei dem die Sitzbänke wackelten. Doch genau das taten sie am Montagabend.

An diesem Tage – eigentlich ein ganz normaler Probeabend des Evingser Frauenchores – waren Gäste zugegen. Es war der fünfköpfige Männerchor „Die Arche“ aus St. Petersburg. Was diese fünf Sänger ihren Zuhörern boten, war ein Konzert der Spitzenklasse. Igor Proskurin, Nikolai Kruglov, Evgeny Krylov, Valerii Perov und Dimitrij Skazenick singen seit vielen Jahren zusammen und das war auch deutlich zu hören.

Ihre russischen Balladen, Volks- und Kirchenlieder wurden mit außergewöhnlicher Perfektion vorgetragen. Als Solisten waren Kruglov (Tenor) und Proskurin (Bass) zu hören. Es war unglaublich, wie die Sänger ihre jeweilige Gesangspartitur beherrschten. Es herrschte völliger Einklang zwischen den Stimmen der Vortragenden.

Die Stimmen der Sänger erfüllten den Raum. Sie sangen – natürlich – á capella. Gleichwohl hatte man den Eindruck, dass diese fünf Stimmen einen ganzen Chor hätten ersetzen können. Es war kaum nachvollziehbar, wie lang und wie sauber sie einen Ton halten konnten. Gerade die von den Sängern in unterschiedlichen Tonlagen dargebotenen Werke zeugten von großer Professionalität. Deutlich zu sehen war, dass die Besucher nicht nur fasziniert waren. Insbesondere bei den ruhigen und langsamen Vorträgen, die kirchlichen Ursprungs waren und die man als sehr emotional bezeichnen kann, konnten viele der Zuhörerinnen und Zuhörer ihre Tränen nicht zurückhalten. Obgleich sie vermutlich nicht ein einziges Wort haben verstehen können, denn der Vortrag erfolgte ausschließlich in russischer Sprache.

Nach Abschluss des Konzertes der fünf Sänger waren „Standing Ovations“ nur folgerichtig. Doch dass es die Zuhörerinnen und Zuhörer schafften, die Bänke der altehrwürdigen Kirche in Evingsen zum Beben zu bringen, war doch überraschend. Denn während der „Standing Ovations“ traten die Gäste rhythmisch auf den Boden und das wiederum brachte die Sitzreihen in der Tat zum Beben.

Doch selbst diese außergewöhnlichen Sänger erwartete eine Überraschung. Nämlich der Auftritt des Evingser Frauenchores und des MGV Lössel. Beide Chöre stehen unter der Leitung von Eugen Momot. Zunächst trug der Frauenchor „We are the world“ vor. Danach folgte ein gemeinsamer Auftritt mit dem MGV. „Das war ja richtig klasse“, erklärte Kruglov – offenbar beeindruckt – nach dem Konzert im Gespräch mit dem AK. Das außergewöhnliche Konzert in der Evingser Dorfkirche kam auf ebenso außergewöhnliche Art zustande. Normalerweise probt der Frauenchor an jedem Montag. Momot hörte nun davon, dass die russische Formation in Itzstein nahe Frankfurt gastierte.

Da er deren Mitglieder seit über zwölf Jahren kannte, fragte er nach, ob es nicht möglich sei, gemeinsam mit dem Frauenchor und dem MGV Lössel ein kleines Konzert zu geben. Die fünf Sänger sagten spontan zu und reisten eigens für den Auftritt in Evingsen aus dem Frankfurter Raum an. Der Eintritt zum Konzert war frei. Momot bat jedoch um eine Spende, um die Kosten für die Anreise der Künstler zu finanzieren. Und die Gäste griffen tief in die Tasche. Und dort klimperte es nicht, es raschelte – in wahrscheinlich nicht geahntem Umfang.

Ein musikalisch höchst anspruchsvoller Abend. Das bestätigt auch Gaby Tierney, eine der Zuhörerinnen. Ihre Begeisterung war augenscheinlich. Denn sie bediente sich ausschließlich der Superlative. „Es war toll, fantastisch, super. Was für Stimmen.“

Auch Siegfried Teller aus Neuenrade war begeistert. „Musik ist die Sprache der Welt“, sagte er. „Es war einfach nur hervorragend“. Das sahen die Gäste offenbar auch so. „Wenn es irgendwie geht“, so die Vorsitzende des Frauenchores, Andrea Gerdes, „wollen wir versuchen, so ein Konzert noch einmal zu wiederholen.“ Vielleicht kann Eugen Momot da ja behilflich sein. ▪ Von Hartwig Bröer

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