Mit starker Leselupe die Vergangenheit neu erleben

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Rudolf Schneider besitzt ein altes Buch.

ALTENA - „Es ist einfach interessant und spannend.“ Das sagt Rudolf Schneider, dem kürzlich das Buch „Altenas Vorzeit“ wieder in die Hände fiel. Und seit diesem Tag liest der 84-Jährige „mit wachsender Begeisterung“ in dem Werk, dessen Erstauflage im Jahre 1871 auf den Markt kam.

Gedruckt wurde die „Sammlung historischer Vorträge zur Altenaer Geschichte“ im Druck- und Verlagshaus P. A. Santz, Altena (Westfalen), der Keimzelle unserer Zeitung.

168 Seiten umfasst das Bändchen, dessen 3. Nachdruck aus dem Jahr 1933 der gebürtige Burgstädter heute sein Eigen nennt. „Es ist schon schwierig, die Worte zu entziffern. Sie sind in einer Druckschrift gehalten, die ich zwar noch gelernt habe, die aber schwer zu lesen ist“, sagt der Mann, der früher ein leidenschaftlicher Tüftler und Bastler war. Unsere Leser erinnern sich sicher: Rudolf Schneider baute einst seinem Enkelsohn einen Porsche, und zwar nicht aus einem Bausatz, sondern aus festem Holz so originalgetreu nach, dass der junge Mann nicht nur in dem Gefährt Platz nehmen konnte und damit über den Gehsteig flitzte, „alle Armaturen, Räder, der Spoiler – alles war dem Original so nah wie möglich nachempfunden.“

Aber zurück zu „Altenas Vorzeit.“ Das Werk, das belegt die erste Seite, stammt aus der Feder von V. R. Vorländer. Etwas kleiner und deutlich schmaler gesetzt ist die Berufsbezeichnung dieses Literaten, nämlich: Pfarrer und Schulinspektor.

„Ja“, schmunzelt Rudolf Schneider ein wenig in sich hinein, Geistliche seien eben in allen Zeiten nicht nur belesen, sondern auch klug gewesen.

Und wenn er das in einen hellbraunen Umschlag eingeschlagene Werk jetzt in die Hand nimmt, muss der Pensionär etwas vorsichtig damit umgehen. Nicht nur, dass die Blätter scheinbar nicht auf dem allerbesten Papier gedruckt wurden, auch die Heftung hat durch das viele Lesen gelitten, „auch wenn bis jetzt noch nicht eine Seite fehlt“, wie der Besitzer stolz anmerkt.

Geschichten, die einmal Vorträge waren, werden in dem Druckwerk lebendig. Etwa: „Die Beisetzung der Leichen des Grafen Engelbert I. im Kloster zu Kappenberg“ oder gleich zur Einführung die „Sage von Adolf und Eberhard zu Kleve und die Gründung der Burg Altena.“

Es mache ihm große Freude, mit der Lupe „Altenas Vorzeit“ wieder zu neuem Leben zu erwecken, sagt Rudolf Schneider. Mit Hilfe des Vergrößerungsglases gehe das Lesen einfach besser von der Hand und auch die in sich verschlungenen Buchstaben könnten vom Auge des Lesenden „besser entwirrt“ werden.

Und wo hat Rudolf Schneider das Buch her? Nach einigem Nachdenken ist er ganz sicher, „dass ich es geerbt habe und natürlich weitergebe.“ Wenn auch für ihn die Sprache an vielen Stellen schon sehr „gestiefelt“ sei, empfehle er jedem, der sich darin vertiefen wolle, sich einfach ein paar Minuten auf die Schreibe einzulassen. „Manches muss ich auch wie eine Kuh wiederkäuen“, lacht der Altenaer. „Also mehrmals lesen, aber, ich habe ja Zeit“, sagt‘s und nimmt das wertvolle Familienstück erst einmal wieder unter seine Fittiche. „Wissen sie, als Altenaer Junge kenne ich hier jeden Stein und Steg. Und vieles, was der Pfarrer Vorländer da aus den Aufsätzen und Vorträgen zusammengeschrieben hat, ist mir von den alten Gemarkungen noch bekannt. Ja, ,Altenas Vorzeit‘, das ist für mich an vielen Stellen auch so ein bisschen ein Ausflug in meine eigene Kinderzeit.“

von Johannes Bonnekoh

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