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Starke Nachfrage beim Boostern: Kommunen setzen auf Impfbus statt -zentren

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Von: Maximilian Birke, Susanne Fischer-Bolz

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In Werdohl und Balve sollen kleine Impfzentren eröffnen. Daran beteiligt sind örtliche Hausärzte. Für Altena und Nachrodt ist ein solches Vorgehen zunächst nicht geplant. Die Bürgermeister setzen beim Impfen und Boostern auf eine andere Strategie.

Altena/Nachrodt – „Der Impfbus kommt“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat und ist froh, dass bald auch Bürger in Nachrodt-Wiblingwerde ohne viel Tam-Tam und ohne Terminabsprache eine Impfung bekommen können. Standort: vielleicht auf dem Edeka-Parkplatz, vielleicht am Holensiepen, vielleicht in der Dorfmitte Wiblingwerde.

„Nehmt das Angebot wahr“, appelliert die Bürgermeisterin an alle, während der Märkische Kreis mit Hochdruck daran arbeitet, für Booster-Impfungen zusätzliche, niedrigschwellige Angebote vor Ort zu schaffen – auch in Nachrodt-Wiblingwerde und in Altena. In der Burgstadt steht der Impfbus am morgigen Donnerstag – jetzt zum vierten Mal – von 9 bis 12 Uhr am Parkplatz Küstersort.

Impfbus macht Station auf dem Wochenmarkt

Donnerstags ist in Altena Markt und es sind mehr Leute in der Stadt als an anderen Wochentagen – ein perfektes Timing sozusagen. In Nachrodt gibt es kein ähnliches Event, sodass man in der Doppelgemeinde auf die Spontanität der Bürger setzen muss.

„Die Menschen schätzen die spontane, unkomplizierte und praktische Chance, vor Ort geimpft werden zu können. Die Abläufe sind gut eingespielt und routiniert. Das Gesamtpaket kommt bei den Impfwilligen gut an. Es ist daher gut möglich, dass wir dieses Angebot ausweiten werden“, sagt Alexander Bange, Pressesprecher des Kreises.

Kreis begrüßt Initiativen der Hausärzte

Initiativen zur Booster-Impfung wie in Balve und Werdohl begrüßt der Kreis ausdrücklich – aber sie sind in Altena oder Nachrodt im Moment nicht geplant. In Balve wurde auf Initiative der Hausärzte Dr. Gregor Schmitz und Dr. Paul Stüeken ein Impfzentrum am Krumpaul binnen weniger Tage aufgebaut worden – für die Drittimpfung gegen Corona.

In der Burgstadt und in der Doppelgemeinde sind es die Hausärzte, die die Auffrischungsimpfungen in ihren Praxen anbieten. Und die kommen mit den Booster-Impfungen kaum hinterher – wie Hausarzt Matthias Hartig. 100 Drittimpfungen pro Woche schafft er mit seinen Mitarbeiterinnen an der Altenaer Straße 43.

Verimpft wird ausschließlich Biontech, wobei es immer noch keine Einzelspritzen gibt, sondern aus einem Fläschchen sechs bis sieben Impfdosen genutzt werden. Das bedeutet aber auch, dass entsprechend viele Impfwillige vor Ort sein müssen. Eine großer organisatorischer Aufwand.

Starke Nachfrage in Arztpraxen

Telefonisch ist die Praxis kaum noch zu erreichen. Es klingelt permanent, die Nachfrage nach den Booster-Impfungen ist riesig. „Das gilt für alle Altersklassen“, sagt Britta Klein. Dabei wird natürlich der Zeitpunkt der Zweitimpfung abgefragt, um einen passenden Termin vereinbaren zu können.

„Aber die sechs Monate können wir nicht immer einhalten. Da hängen wir hinterher. Wenn der Impfbus jeden Morgen irgendwo in der Nähe stünde, wäre das für uns sehr hilfreich“, so Britta Klein. Übrigens: Es gibt nicht viele Bürger, die sich aufgrund der Inzidenzen, Appelle oder Einschränkungen nun doch für eine Erstimpfung entscheiden. „Vielleicht am Tag einer oder zwei“, erzählt Britta Klein.

Keine Probleme bei Verfügbarkeit von Impfstoff

Auch der Altenaer Hausarzt Friedrich-Ernst von Seidlitz führt in seiner Praxis eher wenige Erstimpfungen durch. Bei ihm würden pro Woche ebenfalls etwa 100 Impfdosen verabreicht. Sechs bis maximal 20 davon sind Erst- oder Zweitimpfungen. „Impfstoff ist reichlich da“, betont von Seidlitz.

An dieser Stelle sei man inzwischen deutlich weiter als noch vor einigen Monaten, als die Hausärzte mit den Coronaschutzimpfungen beginnen durften. Noch immer müsse er aber den Bedarf für eine Woche im Voraus kalkulieren und bestellen.

Frage nach Sinnhaftigkeit kommunaler Impfzentren

Ob ein Impfzentrum in Altena sinnvoll wäre, stellt von Seidlitz vorsichtig infrage. „Je mehr geimpft sind, desto besser ist es“, sagt der Allgemeinmediziner. „Es ist bloß fraglich, ob man mit einem kommunalen Impfzentrum wirklich das Boostern beschleunigen kann.“ Man müsse eruieren, wie groß überhaupt der Bedarf ist, denn es gibt verschiedene Vorgaben.

Unter anderem ist vorgeschrieben, dass die Zweitimpfung sechs Monate zurückliegen muss. Grundsätzlich sagt von Seidlitz: „Wenn irgendwo Not am Mann ist und ein Impfarzt gesucht wird, bin ich der letzte, der sich verweigert.“

Bürgermeister Uwe Kober (CDU) hat sich mit der Idee eines Impfzentrums für Altena noch nicht beschäftigt. Großes Thema sei in der Verwaltung derzeit vielmehr, wie die 3G-Regel am Arbeitsplatz umgesetzt werden kann. Spontan meint Kober: „Ein Impfzentrum werden wir ad hoc vermutlich nicht gestemmt bekommen, weil wir keine Leute dafür haben“.

Er halte es für sinnvoller, dass der Impfbus verstärkt die Burgstadt anfährt. „Das Impfangebot vor Ort muss nicht unbedingt stationär sein“, betont der Altenaer Bürgermeister.

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