Standhaft im Abbruchhaus: 58-Jährige will nicht raus

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Margarete Michalski vor dem Haus Steinwinkel 1: Hier will die 58-Jährige nicht ausziehen.

ALTENA - Margarete Michalski will nicht ausziehen. Noch nicht jedenfalls. Die letzte Bewohnerin des Hauses Steinwinkel 1 wehrt sich gegen eine Kündigungsklage, die die Baugesellschaft (ABG) in die Wege geleitet hat.

Dass das Mehrfamilienhaus abgerissen werden soll, wurde den Mietern schon im Jahr 2011 mitgeteilt, wenig später gab’s die Kündigungen. Mit großzügiger Frist, wie in solchen Fällen übrig: Neun Monate hatten die Mieter Zeit, sich eine neue Bleibe zu suchen, die Baugesellschaft bot ihre Hilfe an.

Was man ihr vorgeschlagen habe, habe ihr nicht gefallen – so begründet Margarete Michalski, warum sie keines der Alternativangebote annahm. Außerdem hätten sich ihre persönlichen Lebensumstände verändert, so dass sie etwas mehr Zeit brauche. „Die haben wir ihr auch gewährt“, erklärt Joachim Effertz, der Vorstand des Unternehmens. Bis zum 31. Januar sollte Margarete Michalski in ihrer Wohnung bleiben können.

Anfang Januar kam dann die Kündigungsklage – „weil absehbar war, dass Frau Michalski sich an diese Frist wieder nicht halten würde“, wie Effertz berichtet. Noch mehr Aufschub könne und wolle man nicht gewähren: Längst sei der Abbruchauftrag erteilt, die beauftragte Firma stehe Gewehr bei Fuß.

Die Mieterin wirft ihrem Vermieter im Gegenzug Schikane vor: Plötzlich stehe in der Nachbarwohnung ein Fenster offen, das Haus kühle völlig aus. „Sowas ist nun wirklich nicht unser Stil“, kontert Effertz und sagte zu, sich umgehend um die Beseitigung dieses Mangels zu kümmern.

Längst hat Margarete Michalski den Mieterverein eingeschaltet. Dessen Anwalt Stefan Wintersohle beantragt, die Klage abzuweisen und stellt in seinem Schreiben die grundsätzliche Frage, ob der Abbruch überhaupt gerechtfertigt sei. Der von der Baugesellschaft angeführte schlechte bauliche Zustand reiche als Begründung kaum aus, weil er schließlich von dem Unternehmen selbst zu verantworten sei. Auch das Argument der Überkapazitäten lässt Wintersohle so ohne weiteres nicht gelten: Die ABG könne ja auch andere Objekte abreißen als das, in dem seine Mandantin lebt. In drei Wochen wird sich erstmals ein Gericht mit der Sache beschäftigen – bei einem Gütetermin, der in solchen Fällen üblich ist.

Etliche Häuser hat die Baugesellschaft in den vergangenen Jahren abreißen lassen, worüber nicht alle Mieter glücklich waren. So massive Probleme habe es aber noch nie gegeben, sagt Effertz und weist darauf hin, dass das Unternehmen sich stets bemühe, den Mietern so weit wie möglich entgegen zu kommen. So hilft die ABG bei der Suche nach einer neuen Wohnung und trägt die Umzugskosten.

von Thomas Bender

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